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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Kafkas Kämpfe. Der Erste Weltkrieg im Spiegel seiner Tagebücher

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Małgorzata Klentak-Zabłocka

Der Kontext des Ersten Weltkrieges gehörte lange zu den von der Kafka-Forschung „weitgehend vernachlässigten“ Bereichen – so die Herausgeber einer der jüngsten einschlägigen Studien: Kafka. Prag und der Erste Weltkrieg in ihrem Vorwort.2 Nichtsdestoweniger fällt die Zeitspanne 1914–1918 mit den wichtigsten Phasen von Kafkas geistiger Biografie zusammen: Reiner Stach rechnet sie zur erkenntnisreichsten und -ergiebigsten Periode in Kafkas Leben; dementsprechend trägt auch in Stachs umfangreicher Kafka-Biografie der zweite Band, der auf Die Jahre der Entscheidungen 1910–1915 gefolgt ist, den Titel Die Jahre der Erkenntnis.3

In der Tat wurde mit dem Ersten Weltkrieg, welcher die Existenz des Schriftstellers vom 31. bis zum 35. Lebensjahr begleitete, mitprägte und überschattete, die zentrale Phase in Kafkas innerem Leben markiert. Der seit anderthalb Jahren zwischen zwei Lebensentwürfen schwankende Büroangestellte Franz Kafka löste die Verlobung mit Felice Bauer auf, als wäre er nun endgültig zum Alleinsein entschlossen, und schrieb die ersten Passagen eines Romans nieder, der seinen Namen in die Weltliteratur einführen sollte – alles genau zu dem Zeitpunkt, als der Krieg ausbrach. Während der vier Kriegsjahre erwog Kafka, einem Strategen und Kämpfer ähnlich, lebenswichtige Fragen, und befleißigte sich einer zunehmend exklusiven und hermetischen Ausdrucksweise. Es war, als stürze er sich in einen persönlichen Kampf, den er zunächst an seinem Schreibtisch allein auszutragen gedachte, dann aber auch andere Varianten zuließ – wie etwa ←13 | 14→ die, Soldat zu werden! Zwar...

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