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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Arnold Zweigs Erfahrung mit der Absurdität des Krieges vor Verdun. Vom Schlüsselerlebnis zur Schlüsselliteratur

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Frank M. Schuster

Verdun gilt heute noch als Symbol für Sinnlosigkeit des Krieges, weil nichts so widersinnig erscheint, wie der jahrelange Grabenkrieg um einige hundert Meter an der Westfront. Was aber vor Verdun 1916 wirklich geschah, ist meistens unklar, selbst wenn sich z.B. Politiker immer wieder auf die fast ein Jahr dauernde Schlacht beziehen,1 denn der Erste Weltkrieg ist in der heutigen Wahrnehmung – sieht man von England und Frankreich ab – komplett überlagert durch den Zweiten Weltkrieg. Dabei war jener Krieg die prägende Erfahrung für eine ganze Generation.

Das bekannteste Beispiel für einen Kriegsveteranen, der trotz Drittem Reich, Verfolgung und Exil und dem Zweiten Weltkrieg ein Leben lang nicht von seiner Kriegserfahrung loskam, ist Arnold Zweig.2 Er war, vor allem wegen fehlender Sehkraft, die durch den Krieg noch schwächer werden sollte, erst zurückgestellt und dann nur als ‚Schipper‘, Armierungssoldat ohne Waffe, gemustert worden. Nach seiner Ausbildung in Küstrin kam seine schlesische Einheit erst nach Flandern, dann zum Straßen- und Schanzenbau nach Serbien, Ungarn und Mazedonien, bevor sie im Mai 1916 in der Schlacht von Verdun eingesetzt wurde. Am 5. Juni 1916 heiratet Arnold seine Cousine und langjährige Freundin Beatrice Zweig. Am 18. Mai 1917 erhält er schließlich den Befehl, sich bei der Pressestelle des Oberbefehlshabers Ost (Oberost) in Litauen als Schreiber zu melden. Dort bleibt er bis Kriegende, bevor er nach Berlin zurückkehrt.

Dank seines 1927 erschienenen Romans Der Streit um den...

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