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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Krieg und Konversation. Der Schwierige von Hugo von Hofmannsthal

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Marie Luise Wandruszka

Hofmannsthal fand nie Gefallen an militärischen Aktionen. Als Jüngling, in den 1890er Jahren, reagiert er auf den verordneten Militärdienst mit Depressionen, und ein eloquentes Dokument dieser konstitutionellen Abneigung sind seine in dieser Zeit entstandenen Erzählungen Soldatengeschichte und Reitergeschichte, in denen die soldatische Männerwelt in ihrer ganzen brutalen Trostlosigkeit beschrieben wird. Bei Kriegsausbruch, im August 1914, versucht er sofort und energisch von der allgemeinen Wehrpflicht freigestellt zu werden und schafft das auch, dank der Unterstützung seines Vaters und einflussreicher Freunde. Er wechselt in das Kriegsfürsorgeamt und widmet sich der Propaganda.1

Mit seiner deutschen Freundin Ottonie Gräfin Degenfeld kommt es da zu einem ungewollt fast komischen Dialog. Sie – trotz „Not und Tränen“ begeistert – schreibt ihm am 30. August 1914 aus dem bayrischen Hinterhör:

Was für eine fabelhafte Zeit! Sieg auf Sieg eilt zu uns in die friedliche Stille. Und doch kann man nur schwer diesen Frieden ertragen, man möchte wohin wo ein Centrum ist […].

[…] schrecklich wieviel Not und Tränen dieser Krieg für alle bringt. Gottlob ist die Begeisterung bei jedem der hinauszieht groß und jeder der hier zurückbleiben muß, ist tief traurig und kann die Zeit kaum abwarten bis er auch daran kommt.2

Die Freundin möchte „dabei sein“ bei diesem Krieg, dem Hofmannsthal sich entzogen hat, und er antwortet gequält:

Liebe, ich kann Ihnen keinen wirklichen Brief schreiben. Die Beklommenheit...

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