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Was bedeutet es, Person zu sein?

Theodor Rütter

Person zu sein: Was bedeutet das für die Ethik der Zukunft und für unsere Moral heute im Umgang mit uns selbst und im mit einander?

Diese Frage wirft sich aus einem aktuellen Problem auf

− Aus der Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit zunehmender Depersonalisierung;

− Aus modernen Technologien und damit verbundenen Ideologien, die immer tiefer in unseren Umgang mit einander und mit uns je selbst eindringen;

− Aus philosophischen Konzepten, die an Hirnforschung und Künstlicher Intelligenz orientiert das Personsein manchen menschlichen Wesen aberkennen und manchen Rechenmaschinen zuerkennen.

Das Buch entfaltet die Antwort auf die in seinem Titel aufgeworfene Frage historisch und systematisch: aus praktischer Vernunft, die sich an den Verstand wendet, das heißt, aus der raison du cœur.

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9 Die persona im Streit der Theologen nach Tertullian und vor Boethius

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9 Die persona im Streit der Theologen

nach Tertullian und vor Boethius

Die grundlegende, dem Tertullian zugeschriebene Formel „una substantia tres personae“ löste einen langen, schwierigen, strittigen und auch kriegerischen Diskurs um die persona besonders im lateinisch sprechenden Westen des Römischen Reiches aus.133 Wie unterschiedlich bis gegensätzlich die Ansichten der verschiedenen theologischen Parteien und wie hart urteilend bis verurteilend ihre Auseinandersetzungen um den „rechten Glauben“ und wie politisch und folgenreich diese für die Dogmatik der am Ende getrennten christlichen Kirchen waren, geht aus den (zum Teil notwendig umfangreichen) Fußnoten dieses Kapitels hervor.

Der umfassende Diskurs – oder treffender gesagt, Kampf oder gar Krieg – ist ein Gemenge aus drei Diskursen. Erstens der trinitätstheologische Diskurs; er bewegte sich um die zentrale Frage, wie denn die Dreiheit (tres personae) in der ←139 | 140→Einheit des göttlichen Wesens für den christlichen Glauben näher auszulegen sei. Zweitens der christologische Diskurs; er galt der Frage, wie denn in der göttlichen Drei-Einheit die persona Jesu Christi zu verstehen sei. Drittens der im trinitätstheologischen und im christologischen Diskurs immer mitlaufende dritte Diskurs; er drehte sich um die Frage, wie denn das (am Ende unseres vorigen Kapitels aufgewiesene) Ineinanderfließen der Sinngehalte der beiden doch ausdrücklich gegeneinander abgesetzten Wortgestalten substantia und persona in der Formel „una substantia tres personae“ vermieden werden könne. Das waren drei große, ungelöste Probleme.

Die Betrachtung in diesem Kapitel gilt zunächst (1)...

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