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Was bedeutet es, Person zu sein?

Theodor Rütter

Person zu sein: Was bedeutet das für die Ethik der Zukunft und für unsere Moral heute im Umgang mit uns selbst und im mit einander?

Diese Frage wirft sich aus einem aktuellen Problem auf

− Aus der Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit zunehmender Depersonalisierung;

− Aus modernen Technologien und damit verbundenen Ideologien, die immer tiefer in unseren Umgang mit einander und mit uns je selbst eindringen;

− Aus philosophischen Konzepten, die an Hirnforschung und Künstlicher Intelligenz orientiert das Personsein manchen menschlichen Wesen aberkennen und manchen Rechenmaschinen zuerkennen.

Das Buch entfaltet die Antwort auf die in seinem Titel aufgeworfene Frage historisch und systematisch: aus praktischer Vernunft, die sich an den Verstand wendet, das heißt, aus der raison du cœur.

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11 Abaelard und Gilbert: Der leise Auftritt der menschlichen Person im zwölften Jahrhundert

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11 Abaelard und Gilbert

Der leise Auftritt der menschlichen Person im zwölften Jahrhundert

Der bei Boethius anknüpfende Diskurs um die tres personae in unitate Dei bringt für unsere Betrachtung erst nach sechshundert Jahren entscheidend Neues, nämlich die neben den divinae personae zunächst beiläufig und dann immer klarer hervortretende humana persona. Johann Kreuzer schreibt treffend: „Das 12. Jahrhundert mit seiner Entwicklung städtischer Kultur ist der Zeitraum eines entschiedenen Wandels in Begriff und Verständnis von Person. Das beginnt mit Abaelards rollentheoretischer Differenzierung des Menschen als Sprachwesen, setzt sich mit der Umdrehung der Übertragungsverhältnisse zwischen göttlicher Trinität und der Selbstreflexion menschlicher Personalität bei Gilbert v. Poitiers fort und kulminiert in der an faktisch-singulärer Existenz orientierten Bestimmung von Person als einem ‚aliquis existens‘ bei Richard v. St. Viktor.“153

Was in den trinitätstheologischen Abhandlungen des Petrus Abaelardus erst leise in wenigen Wendungen anklingt, das bringt sich in erkenntniskritischer Weise bei Gilbert von Poitiers schon deutlich vernehmbar zu Gehör und findet bei Richard von Sankt Viktor zu einem beinahe schon modern anmutenden Klang: die Eigenart der menschlichen Person. Hier ist bewusst von Person die Rede. In unseren Übersetzungen aus Originalschriften dieser drei philosophierenden Theologen, also ab Abaelard, wird die dort sogenannte persona, wenn damit das einzelne menschliche Wesen gemeint ist, nicht länger behutsam persona, sondern Person genannt.

In dem hier vorgelegten Kapitel werden (1) Abaelard und (2) Gilbert kurz zu Wort...

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