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Was bedeutet es, Person zu sein?

Theodor Rütter

Person zu sein: Was bedeutet das für die Ethik der Zukunft und für unsere Moral heute im Umgang mit uns selbst und im mit einander?

Diese Frage wirft sich aus einem aktuellen Problem auf

− Aus der Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit zunehmender Depersonalisierung;

− Aus modernen Technologien und damit verbundenen Ideologien, die immer tiefer in unseren Umgang mit einander und mit uns je selbst eindringen;

− Aus philosophischen Konzepten, die an Hirnforschung und Künstlicher Intelligenz orientiert das Personsein manchen menschlichen Wesen aberkennen und manchen Rechenmaschinen zuerkennen.

Das Buch entfaltet die Antwort auf die in seinem Titel aufgeworfene Frage historisch und systematisch: aus praktischer Vernunft, die sich an den Verstand wendet, das heißt, aus der raison du cœur.

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19 Suarez und Pufendorf: Personsein als moralischer Status des Menschen

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19 Descartes und Spinoza

fangen mit der persona nichts an

In der Renaissance gilt das Interesse der Humanisten sehr stark der menschlichen Individualität, jedoch kaum der Personalität. Sie brechen den im Dienst der christlichen Theologie geführten philosophischen Diskurs um die divina und humana persona ab. Sie brechen ja mit dieser Theologie. Aber auch solche sehr unterschiedlichen Theologen wie Luther und Servet, die man als Renaissance-Persönlichkeiten bezeichnen könnte, führen jenen Diskurs um die persona nicht weiter. Sie sind zwar, jeder auf seine ganz eigene Art, für die weitere Geschichte dieses Begriffs gerade im Hinblick auf die Menschen bedeutsam, aber eben nicht als Autoren einer neuen definitio personae.

Die Nachwirkung der Renaissance zeigt sich noch stärker bei Descartes und Spinoza. Der Eine wie der ihm folgende Andere erklären, dass sie mit dem Begriff der persona nichts anfangen. Setzen wir, wie das oft geschieht, mit Descartes den Beginn der Neuzeit an, so werden wir sagen müssen: Die Neuzeit beginnt mit einer ausdrücklichen Missachtung des Begriffs der Person.

1

René Descartes (gest. 1650) hält die zu seiner Zeit volkstümlich gemeinte Einheit von Leib (und Seele) und Geist, „qu’il est une seule personne, qui a ensemble un corps et une pensée“, für eine der „notions primitives“,299 für eine der vorwissenschaftlichen Bezeichnungen und Vorstellungen aus der alltäglichen Erfahrung. Dieser setzt er seine innere Erfahrung aus seinem methodisch zweifelnden...

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