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Zur Poetologie der «stanzen» Ernst Jandls

Lydia Haider

Wie kann ein möglichst genaues und vollständiges Bild der stanzen-Poetologie aussehen? Dieses Buch unternimmt eine ausführliche Zusammenfassung der bisherigen Forschungsergebnisse als Grundlage für die daran anschließende Analyse der Performance, der unveröffentlichten stanzen-Texte, der Beziehungen der Texte im stanzen-Band und in peter und die kuh sowie für die Erörterung eines durchgängigen «Dritten»-Motivs. Gleichermaßen werden literaturkritische Fragen beleuchtet, unter anderem: Warum sind die stanzen immer wieder lesbar? Was macht sie zu Literatur? Worin liegt ihre Außergewöhnlichkeit? Die CD most der Band Attwenger wird ebenfalls betrachtet.

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4 Schlussbetrachtung

4 Schlussbetrachtung

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Um nun wieder auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Sind die stanzen nur als „glaana/literarischer schmäh“358 zu werten?

de „stanzen“ is a glaana

literarischer schmäh

auf den i unhamlich schdeh

i hoff, s duad niemand weh

Das hier sprechende Ich äußert zwar den Wunsch, mit den geschaffenen Gedichten nicht verletzen zu wollen, dennoch weiß es um die  – doch fast unumgängliche  – Eigenschaft, genau das zu tun. Sicher ist das auch als Ironie zu verstehen, denn die stanzen verletzen unweigerlich: gesellschaftliche Normen, Situationsangemessenheiten, Klischees, Rollenbilder, Denkmuster, sprachliche Normen und Alltagsreden, Phrasen, altbekannte Genres und sogar die Orthographie und damit auch das klassische Schriftbild. Zu fragen wäre umgekehrt eher, was denn die Texte nicht aus den Angeln heben. Wie in Kapitel 2.8 und auch vorher gezeigt wurde, ist es eben nicht die Absicht der Texte, Einzelpersonen, Tagespolitik oder Aktuelles der Zeit zu behandeln. Vielmehr sollen die Rezipierenden genau dort abgefangen und zur kritischen Reflexion aufgefordert werden, wo das für Jandl auch bisher typisch war359: in ihrer Alltagskommunikation. So soll die Alltagssprache, der Umgang damit, die Verwendung von Phrasen, Schimpfwörtern, Kategorisierungen  – Kommunikation schlechthin  – überdacht werden. In Kapitel 2.7 wurde darauf hingewiesen, dass vielmehr sogar ein „Motiv“ auf allen Ebenen der Texte zu erkennen ist: Gegensätze werden umgekehrt, verschoben und deren Eigenschaften neu eingeschrieben. In vielen Fällen schafft das „dritte“ Bereiche oder neue Lösungen, oftmals wird auch nur der Weg dahin angedacht oder...

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