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Sprachkontakt - Sprachmischung - Sprachwahl - Sprachwechsel

Eine sprachsoziologische Untersuchung der weißrussisch-russisch gemischten Rede „Trasjanka“ in Weißrussland

Gerd Hentschel, Bernhard Kittel, Diana Lindner, Mark Brüggemann and Jan Patrick Zeller

Die Studie untersucht den Zusammenhang von Sprachverwendung, sozialer Positionierung und kollektiver Identitätsbildung in Weißrussland hinsichtlich des Weißrussischen, Russischen und der weißrussisch-russisch gemischten Rede (Trasjanka). Die soziodemographische und ökonomische Struktur der drei »Kodes« wird mittels Umfrage und Interviews bei drei Generationen erfasst. Die Konstellation ist grundlegend diglossisch: Russisch herrscht im öffentlichen Raum, die Trasjanka viel stärker als bisher angenommen im privaten Bereich (besonders bei der älteren Generation). Weißrussisch ist völlig marginalisiert. Für die spezifisch weißrussisch-kollektive Identität, die durchaus festzustellen ist, spielt keiner der Kodes eine nennenswerte Rolle, bestenfalls das Weißrussische auf symbolisch-musealer Ebene.

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2 Sprachliche Strukturierung und sprachliches Handeln

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Bei der Suche nach theoretischen Ansätzen für die Entwicklung von Brückenhypothesen zur Logik der Situation, der Selektion und der Aggregation werden sowohl soziologische als auch sprachwissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt. Konkret werden Ansätze zur Erfassung des Zusammenhangs zwischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und sprachlichem Verhalten, zu sprachlichen Wertzuschreibungen und zum Einfluss auf die Identifikation der Sprecher mit einer Sprachgemeinschaft sowie zu Struktureffekten der sprachlichen Handlungen kollektiver Akteure diskutiert. Darüber hinaus werden Grundbegriffe wie Sprachgemeinschaft und sprachliches Handeln definiert.

Um die Situationsdefinition von Sprachverhalten sowohl auf der Makro- als auch auf der Mesoebene analytisch voneinander trennen zu können, kann auf die Unterscheidung zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft (Tönnies 1920) verwiesen werden. Tönnies unterschied Gemeinschaften wie die Familie oder das Dorf als „natürlich“ gewachsene Gebilde von einer „künstlich“ geschaffenen Gesellschaft. In Gesellschaften werden die Individuen auf Basis einer reinen Zweckorientierung immer nur unter bestimmten Gesichtspunkten integriert, in Gemeinschaften dagegen als ganze Person.

Vergemeinschaftung soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns […] auf subjektiv gefühlter (affektueller und traditionaler) Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht. (Weber 1985: 21)

David Lockwood formuliert diese Unterscheidung als Gegenüberstellung von System- und Sozialintegration der Gesellschaft (Lockwood 1964). Die Systemintegration bezieht sich auf eine Gesellschaft als Ganzes und fragt nach der Integration ihrer Teile. Sie wird durch gesellschaftliche Institutionen angetrieben. Mit der Sozialintegration dagegen ist der Bereich der Interaktion gemeint, der zur Integration von Handelnden führt. Beide Formen der...

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