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Sprachkontakt - Sprachmischung - Sprachwahl - Sprachwechsel

Eine sprachsoziologische Untersuchung der weißrussisch-russisch gemischten Rede „Trasjanka“ in Weißrussland

Gerd Hentschel, Bernhard Kittel, Diana Lindner, Mark Brüggemann and Jan Patrick Zeller

Die Studie untersucht den Zusammenhang von Sprachverwendung, sozialer Positionierung und kollektiver Identitätsbildung in Weißrussland hinsichtlich des Weißrussischen, Russischen und der weißrussisch-russisch gemischten Rede (Trasjanka). Die soziodemographische und ökonomische Struktur der drei »Kodes« wird mittels Umfrage und Interviews bei drei Generationen erfasst. Die Konstellation ist grundlegend diglossisch: Russisch herrscht im öffentlichen Raum, die Trasjanka viel stärker als bisher angenommen im privaten Bereich (besonders bei der älteren Generation). Weißrussisch ist völlig marginalisiert. Für die spezifisch weißrussisch-kollektive Identität, die durchaus festzustellen ist, spielt keiner der Kodes eine nennenswerte Rolle, bestenfalls das Weißrussische auf symbolisch-musealer Ebene.

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3 Wertzuschreibungen als Grundlage sprachlichen Handelns

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Werte sind als Orientierungsrahmen in die Kultur einer Gesellschaft eingelassen und bestimmen, was Menschen für richtig und erstrebenswert halten.

A value is a conception, explicit or implicit, distinctive of an individual or characteristic of a group, of the desirable which influences the selection from available modes, means, and ends of action. (Kluckhohn et al. 1951: 395)

Werte werden im Laufe der Sozialisation internalisiert, wirken daraufhin handlungsmotivierend und dienen letztlich dem Erhalt der Gesellschaft (Meulemann 1996). Sie werden in Situationen wirksam, in denen Individuen vor Handlungsalternativen stehen, und spiegeln sich in der Entscheidung, eine bestimmte Handlung durchzuführen. Es lassen sich unterschiedliche Werte voneinander unterscheiden: religiöse, ästhetische, ethische Werte, aber auch allgemeine soziale Leitbilder wie Gerechtigkeit, Freiheit oder Solidarität. Sie sind darüber hinaus gleichsam den gesellschaftlichen Normen übergeordnet und lassen sich aufgrund ihrer Abstraktheit schwer fassen.

Grundlagen für eine Problematisierung des Zusammenhangs zwischen Wertzuschreibung und Sprachverhalten sind in der Sprachtheorie von Bourdieu enthalten und kurz in Abschnitt 2.2 erläutert worden. Bourdieu machte darauf aufmerksam, dass sowohl der Prozess der Sprachaneignung als auch die Entscheidung für die Verwendung einer bestimmten Sprache vom sozialen Prestige der jeweiligen Sprache abhängig ist. Soziales Prestige erhält eine Sprache in Bourdieus Verständnis aufgrund von sprachpolitischer Förderung, die dazu führt, dass die Kompetenz in dieser Sprache zur Voraussetzung für die Integration in die Gesellschaft sowie für die soziale Positionierung wird. Prestigeträchtig im Sinne Bourdieus ist eine Sprache...

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