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Grenzen des Zumutbaren – Aux frontières du tolérable

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Edited By Lena Seauve and Vanessa de Senarclens

Literarische Texte thematisieren nicht nur Grenzen, sie sind durch immanente Grenzen konstituiert. Die Rede ist von historisch variablen Grenzen des Sag- oder Zeigbaren, die nach moralischen oder ästhetischen Kriterien definiert und wahrgenommen werden. Der Band nähert sich den «Grenzen des Zumutbaren» aus einer zugleich poetologischen und rezeptionsästhetischen Perspektive. «Grenzen des Zumutbaren» werden in literarischen Texten historisch reflektiert, gleichzeitig implizieren und provozieren Grenzen stets auch die Möglichkeit oder den Versuch ihrer Überschreitung. Dieser Sammelband nimmt sowohl durch Grenzen definierte epochale Selbstverständnisse als auch Strategien der Transgression in Erzähltexten und Dramen der französischsprachigen Romania vom 16.-21. Jahrhundert in den Blick.

Les textes littéraires se constituent et organisent leurs effets autour de frontières, tantôt explicites, tantôt implicites. Dans cet ouvrage, il est question de l’acceptable et du tolérable pour le lecteur et le spectateur, ainsi que des déplacements et des modifications de ces conceptions esthétiques et morales au fil des époques et au gré des sensibilités littéraires. Il porte donc sur les «frontières du tolérable» , à la fois comme une catégorie poétologique, ainsi que dans la perspective de la réception des œuvres. Les «frontières du tolérable» mettent en jeu des régimes d’historicité; elles constituent aussi pour les auteurs des seuils à repousser et autour desquels expérimenter.

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Die Leiche im Mörtel. Novellenpoetik und Wirkungsästhetik in Marguerite de Navarres Heptaméron

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Annika Nickenig

Abstract: Early modern novellas confront their reader with different forms of frontier crossing. Besides dealing with transgressive subject matter, such as adultery, deceit or murder, novellas are governed by the structural principle of narrated narration, requiring the reader to move constantly between different levels of fictionality. By combining these two forms of boundary crossing, the text incites its readers to question socially established moral borders. In my analysis of Marguerite de Navarre’s Heptaméron (1559) I will argue that her novellas convey a complex poetic reflection on the emotional effects of the narration and on what is tolerable in literary representations of transgression.

Die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Grenzen und ihrer Überschreitung ruft immer auch die räumliche Verfasstheit von Texten auf. In seinem Buch Die Struktur literarischer Texte (1970) geht der Semiotiker Jurij Lotman davon aus, dass literarische Texte als Modelle von Wirklichkeit aufzufassen sind, und dass sie Räume erschaffen, die zum organisierenden Element auch für nicht-räumliche Gegenstände werden.1 An die konkreten topographischen Räume eines Textes sind damit allgemeine semantische Kategorien und Bedeutungen geheftet – oder umgekehrt: soziale, philosophische, politische Sachverhalte lassen sich in räumliche Kategorien übersetzen. Darüber hinaus besteht der Raum eines Textes aus disjunkten Teilräumen, die durch eine Grenze voneinander getrennt sind. Erst die Überschreitung einer solchen Grenze durch einen Helden verleiht dem Text einen Ereignischarakter und macht ihn, in Lotmans Worten, „sujethaft“2. Damit ist aber auch impliziert, dass die von Lotman evozierte Grenz...

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