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Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien

Representations of the Anthropocene in Literature and Media

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Edited By Gabriele Dürbeck and Jonas Nesselhauf

Das Anthropozän mit der Idee der systemischen Zusammenhänge von Mensch, Technologie und Umwelt ist durch Komplexität und disproportionale Skalierungseffekte von planetarischem und tiefenzeitlichem Ausmaß gekennzeichnet. Der Band geht der Frage nach, mit welchen Rhetoriken und Strategien Literatur und Kunst die Komplexität des Anthropozän auf menschliches Maß beziehen. Vor dem Hintergrund der Environmental Humanities untersuchen die 11 Beiträge das interdependente Beziehungsgeflecht von Mensch und agentieller ‹Natur› wie auch die Interaktion von unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und thematischen Skalen in Komposition, Figurendarstellung und Metaphorik (Raumschiff, Gaia, Weltgärtner) mit Bezug auf lokale Umweltprobleme und globale Zukunftsfragen. Mediale Austragsorte sind Erzählung, Epos, Climate und Science Fiction, Heimatroman, Ecodiegesis, Umweltlyrik, Hörspiel, Fotographie, Film und bildende Kunst.

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Narrative, Metaphern und Darstellungsstrategien des Anthropozän in Literatur und Medien – zur Einleitung

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Gabriele Dürbeck und Jonas Nesselhauf

Angesichts der Tragweite war die Entscheidung dann letztlich eher unspektakulär: Als im Sommer 2016 die mittlerweile 38-köpfige „Working Group on the Anthropocene“ der „International Union of Geological Sciences“ (IUGS) nach mehr als ein halbes Jahrzehnt dauernden Beratungen auf einer Tagung in Kapstadt bekannt gab, das Anthropozän solle als neues Erdzeitalter eingeführt werden,1 griffen nur relativ wenige Zeitungen diese Meldung als Schlagzeile auf. Dabei handelt es sich um einen fast schon revolutionären Vorschlag, schließlich wird damit nicht nur das „Holozän“ als bisherige Erdepoche abgelöst, sondern vor allem nun ein tiefgreifend menschlicher Einfluss auf die Erdgeschichte angenommen und daraus die ethische Verantwortung für die Zukunft der Menschheit abgleitet. Die Menschheit ist zur ‚geologischen Akteurin‘ geworden, deren Handeln unumkehrbare Folgen für die globale Umwelt hat. Mit anderen Worten: In seiner vergleichsweise geringen Zeit auf der Erde – besteht unser Planet doch schon seit etwa 4,5 Milliarden Jahren, trat der homo sapiens wohl erstmals vor etwa 190.000 Jahren auf, während die Neolithische Revolution ‚erst‘ etwa 11.700 Jahre zurückliegt – hat der Mensch durch seine Zivilisationstätigkeit die Umwelt insbesondere seit der Industriellen Revolution und verstärkt seit der sog. Great Acceleration in planetarischem Maßstab beeinflusst und sich nachweisbar in die Erdgeschichte eingeschrieben. So führte die rasant wachsende Weltbevölkerung zu teils irreversiblen Schäden im Ökosystem und wirkt sich auf die natürliche Landschaft (durch Urbanisierung, Begradigung von Flüssen, Mülldeponien...

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