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Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien

Representations of the Anthropocene in Literature and Media

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Edited By Gabriele Dürbeck and Jonas Nesselhauf

Das Anthropozän mit der Idee der systemischen Zusammenhänge von Mensch, Technologie und Umwelt ist durch Komplexität und disproportionale Skalierungseffekte von planetarischem und tiefenzeitlichem Ausmaß gekennzeichnet. Der Band geht der Frage nach, mit welchen Rhetoriken und Strategien Literatur und Kunst die Komplexität des Anthropozän auf menschliches Maß beziehen. Vor dem Hintergrund der Environmental Humanities untersuchen die 11 Beiträge das interdependente Beziehungsgeflecht von Mensch und agentieller ‹Natur› wie auch die Interaktion von unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und thematischen Skalen in Komposition, Figurendarstellung und Metaphorik (Raumschiff, Gaia, Weltgärtner) mit Bezug auf lokale Umweltprobleme und globale Zukunftsfragen. Mediale Austragsorte sind Erzählung, Epos, Climate und Science Fiction, Heimatroman, Ecodiegesis, Umweltlyrik, Hörspiel, Fotographie, Film und bildende Kunst.

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Herr und Hund im Weltgarten:: Thomas Manns „Idyll“ zwischen Naturautonomie und Menschenherrschaft

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Moritz Klein

Abstract: The article rereads Thomas Mann’s prose piece Herr und Hund (1918) in the light of recent debates about the ‘Anthropocene’ and concepts of ‘Novel Ecology.’ The ‘idyll’ of Mann’s ruderal landscape could today serve as inspiration for some critical resistance against the utopian pretension of human ‘management’ of earth’s ecosystems: Maybe our true hope grows, unattended, on the ruins of our abandoned plans.

Das Paradigma eines ‚gärtnerisch gestaltenden‘ Umweltschutzes, das in den letzten Jahren öffentlichkeitswirksam etwa durch die Wissenschaftsjournalisten Emma Marris und Christian Schwägerl und den Geobiologen Reinhold Leinfelder vertreten wurde, läuft auf nichts Geringeres hinaus als die Revision unseres Verständnisses von Mensch, Natur und Ökologie. Das bis heute in den meisten Köpfen verankerte Sehnsuchts- und Idealbild einer ‚wilden‘, ‚unberührten‘ Natur, die unabhängig von menschlichem Tun sozusagen ‚an sich‘ ist, soll als ein realitätsfernes, ja illusionäres, anachronistisches Wunschdenken verabschiedet werden. Insofern dieser Natur-Begriff als Wertmaßstab und Zielvorgabe die längste Zeit auch ganz konkret die Praxis des Naturschutzes bestimmte, betrifft das geforderte Umdenken auch unsere Vorstellungen davon, was Naturschutz zu leisten habe und welche Rolle den Menschen in einer ‚post-natürlichen Natur‘ zukommt. Die Bewegung der Novel Ecology fordert die Anerkennung und behutsame Ausgestaltung sogenannter ‚neuartiger‘ Ökosysteme, die teils in jüngerer Zeit, teils aber auch schon seit Jahrhunderten unter dem Einfluss menschlichen Handelns und Wirtschaftens – oft als unbeabsichtigte „Nebenprodukte“1 – entstanden sind, „statt mit allen Mitteln fiktive Idealzustände wiederherstellen zu wollen...

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