Show Less
Restricted access

Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien

Representations of the Anthropocene in Literature and Media

Series:

Edited By Gabriele Dürbeck and Jonas Nesselhauf

Das Anthropozän mit der Idee der systemischen Zusammenhänge von Mensch, Technologie und Umwelt ist durch Komplexität und disproportionale Skalierungseffekte von planetarischem und tiefenzeitlichem Ausmaß gekennzeichnet. Der Band geht der Frage nach, mit welchen Rhetoriken und Strategien Literatur und Kunst die Komplexität des Anthropozän auf menschliches Maß beziehen. Vor dem Hintergrund der Environmental Humanities untersuchen die 11 Beiträge das interdependente Beziehungsgeflecht von Mensch und agentieller ‹Natur› wie auch die Interaktion von unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und thematischen Skalen in Komposition, Figurendarstellung und Metaphorik (Raumschiff, Gaia, Weltgärtner) mit Bezug auf lokale Umweltprobleme und globale Zukunftsfragen. Mediale Austragsorte sind Erzählung, Epos, Climate und Science Fiction, Heimatroman, Ecodiegesis, Umweltlyrik, Hörspiel, Fotographie, Film und bildende Kunst.

Show Summary Details
Restricted access

Epos der Erde: Die Eigenzeitlichkeit der Natur: in Alfred Döblins Berge Meere und Giganten (1924)

Extract

Oliver Völker

Abstract: Berge Meere und Giganten situates human agents within a complex network of non-human agencies that figure as protagonists in their own right. This awareness of nature as an autonomous force is realized by a digressive narrative form dominated by descriptions, enumerations and the suspension of syntactical norms. The medial materiality of Döblin’s epic thus constitutes a close entanglement between nature, technology and culture.

Unter dem Eindruck eines wachsenden Bewusstseins gegenüber zeitgenössischen Umweltproblemen, insbesondere der Weltklimaerwärmung, hat Alfred Döblins Berge Meere und Giganten (1924) in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse erfahren. Der Roman zeigt eine Natur, deren Gestalt und Funktionsweise frei durch den Menschen bestimmbar zu sein scheint, denn „[f]‌reilich zeuge es im Grunde nur von der fürchterlichen Stupidität des Menschen, daß er sich mit Klima und anderen irdischen Dingen wie mit göttlichen Verordnungen abfinde.“1 Indes es zutreffend ist, dass der Roman eine verblüffende Reihe von Themen verhandelt, die sich in gegenwärtigen Diskursen der Ökologie und zum Anthropozän wiederfinden lassen. Eine sich ausschließlich an inhaltlichen Verbindungslinien orientierende Suche nach einer möglichen Aktualität oder Zeitgenossenschaft droht die verstörende Fremdheit eines Textes zu verfehlen, in dem der Begriff der Natur und die Poetik des Romans gleichzeitig eine tief greifende historische Veränderung durchlaufen. Mit großer Radikalität verwirft Berge Meere und Giganten das Bild einer Natur als einem passiven und ahistorischen Hintergrund menschlicher Handlungsmacht und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.