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Räume schreiben

Literarische (Selbst)Verortung bei Tanja Dückers, Jenny Erpenbeck und Judith Hermann

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Katrin Dautel

Im Spannungsfeld einer Abwendung von herkömmlichen Raumauffassungen in Zeiten der Globalisierung sowie einer gleichzeitigen ‚Rückkehr‘ des Raumes in Form einer Sehnsucht nach (Selbst)Verortung lässt sich in der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahrzehnte eine Hinwendung zu komplexen Gestaltungen literarischer Räume beobachten. Der Raum ist nicht nur Ausdruck von (geschlechtsspezifischen) Machtverhältnissen und Lebensentwürfen, sondern wirkt auch selbst auf die Handlung ein. Auf der Basis verschiedener Raumtheorien, die im Zuge des spatial turn in den Literatur- und Kulturwissenschaften verstärkt Beachtung fanden, untersucht die Autorin Texte von Schriftstellerinnen, die mit dem umstrittenen Etikett «literarisches Fräuleinwunder» versehen wurden, aus raumkonstruktivistischer Perspektive.

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6 Schluss

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Wie die Analysen der ausgewählten Texte von Judith Hermann, Tanja Dückers und Jenny Erpenbeck zeigen, zeichnet sich die Gestaltung der Narrative durch eine verstärkte literarische Hinwendung zu räumlichen Inszenierungen aus. Die Autorinnen evozieren sehr unterschiedliche Raumsettings; deutlich lässt sich eine veränderte Wahrnehmungsweise von Raum bemerken, der in Zeiten der Globalisierung und damit verbundenen räumlichen Veränderung in den Fokus rückt. Abschließend soll nun ermittelt werden, welche Aussagen anhand der Raumdarstellung in den ausgewählten Texten über das Verhältnis zum Raum in der Postmoderne getroffen werden können. Darüber hinaus ist zu klären, inwieweit die Darstellungen über die bloße Repräsentation von Räumen hinausgehen und einen relationalen Raumbegriff im Sinne eines sozialen Konstitutionsprozesses von Räumlichkeit entwerfen. Als letztes wäre die Frage nach der Produktivität des Analyseinstrumentariums des sogenannten spatial turn für die Literaturwissenschaften zu stellen, denn es bleibt zu diskutieren, inwiefern die verstärkt rezipierten Raumtheorien im Kontext der Raumwende „als Begriffsinventar zu einer genaueren Analyse von Kultur im Allgemeinen und von Literatur im Besonderen beitragen können“825.

Zunächst lässt sich anhand der durchgeführten Analysen festhalten, dass alle drei Autorinnen in ihren literarischen Texten ein ambivalentes Verhältnis zur Kategorie Raum evozieren, das sich, wie bereits in der Einleitung angedeutet, in einer Ablösung vom identitätsstiftenden Raum bei einer gleichzeitigen Sehnsucht nach räumlicher Verortung ausdrückt. Dieses Infragestellen von Kategorien der räumlichen Verortung in...

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