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Textimmanente Wahrnehmung bei Gajto Gazdanov

Sinne und Emotion als motivische und strukturelle Schnittstelle zwischen Subjekt und Weltbild

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Ingeborg Jandl

Sinne und Emotion bilden das Prisma jeder Selbst- und Welterfahrung und prägen die im Individuum verankerte Subjektivität. Der russische Emigrationsschriftsteller Gajto Gazdanov (1903-1971) rückt Wahrnehmungen so stark in den Vordergrund, dass die Handlung oft von einem Übermaß an Deskription in den Hintergrund gedrängt wird. Diese Studie beleuchtet Motive sinnlicher und emotionaler Erfahrung unter Berücksichtigung interdisziplinärer Konzepte aus Psychologie, Psychoanalyse, Philosophie und den Naturwissenschaften und fragt nach der Systematik ihrer motivischen Repräsentation, ihrer Wechselbeziehung sowie eines davon abzuleitenden Weltbilds. Das Forschungsfeld eröffnet Zugang zu Mechanismen der empirischen Realität, was auch für andere Disziplinen neue Perspektiven und Erkenntnisse verspricht.

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II. Ontologische Ausgangspunkte: Sinne und Emotionen als Kategorie des Selbst- und Weltbezugs

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II.  Ontologische Ausgangspunkte: Sinne und Emotionen als Kategorie des Selbst- und Weltbezugs

An der Schnittstelle zu jeder Erfahrung bilden Sinneswahrnehmungen und Emotionen den Ausgangspunkt für ontologische Verortungen eines Subjekts. Dieser zweite theoretische Abschnitt befasst sich mit weltanschaulichen Konzeptualisierungen des Verhältnisses von Selbst- und Weltbild. Anhand von Weltbildern aus Philosophie und Naturwissenschaften werden zunächst einige Eckpunkte abgesteckt, anhand derer zentrale Annahmen über die wahrnehmbare Wirklichkeit und ihre Erschließbarkeit diskutiert wurden. Die philosophische und psychoanalytische Tradition des 20. Jh. führt vor Augen, dass die Innensicht des Subjekts auf sich selbst ebenso schwer fassbar ist wie eine objektivierte Außensicht auf die Welt, und versucht, subjektinterne Prozesse für eine gezielte Erforschung zu operationalisieren.

In diesem Abschnitt soll aufgezeigt werden, dass der Bereich der Ontologie immer mit Hypothesen über den an sich unzugänglichen Bereich der Existenz verbunden ist, weshalb alle Modelle nur jeweils Einzelaspekte abbilden. Da ontologische Modelle jedem Denken implizit zugrunde liegen, können sie auch in literarischen Texten festgestellt werden. Hier schließen sie direkt an Bachtins Chronotopos-Konzept an, denn die wechselseitige Charakterisierung von Subjekt, Raum und Zeit liegt beiden Bereichen zugrunde.

1.  Wahrnehmung als Schnittstelle zur Außenwelt

Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nicht erblicken, läg nicht in uns des Gottes eigene Kraft, wie könnt uns Göttliches entzücken. (Goethe 1922)

Die folgenden Kapitel widmen sich philosophischen und naturwissenschaftlichen Weltbildern von...

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