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Textimmanente Wahrnehmung bei Gajto Gazdanov

Sinne und Emotion als motivische und strukturelle Schnittstelle zwischen Subjekt und Weltbild

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Ingeborg Jandl

Sinne und Emotion bilden das Prisma jeder Selbst- und Welterfahrung und prägen die im Individuum verankerte Subjektivität. Der russische Emigrationsschriftsteller Gajto Gazdanov (1903-1971) rückt Wahrnehmungen so stark in den Vordergrund, dass die Handlung oft von einem Übermaß an Deskription in den Hintergrund gedrängt wird. Diese Studie beleuchtet Motive sinnlicher und emotionaler Erfahrung unter Berücksichtigung interdisziplinärer Konzepte aus Psychologie, Psychoanalyse, Philosophie und den Naturwissenschaften und fragt nach der Systematik ihrer motivischen Repräsentation, ihrer Wechselbeziehung sowie eines davon abzuleitenden Weltbilds. Das Forschungsfeld eröffnet Zugang zu Mechanismen der empirischen Realität, was auch für andere Disziplinen neue Perspektiven und Erkenntnisse verspricht.

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VI. Subjekt und Weltbild

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VI.  Subjekt und Weltbild

Das Individuum ist die einzige Realität. (Jung 2015: 56)

Es hatte sich gezeigt, dass es in der physikalischen Wirklichkeit ein irreduzibles Maß von Nichtlokalität gibt. Quantenentitäten, die miteinander interagiert haben, bleiben miteinander verbunden und zwar unabhängig davon, wie weit sie sich schließlich räumlich voneinander entfernen. (Polkinghorne 2011: 131)

Anknüpfend an die bisherigen Ergebnisse steht im folgenden Abschnitt die Makroebene von Gazdanovs Texten im Zentrum. In diesem Sinne wird die Frage gestellt, welches Weltbild sich aus dem reduzierten Figurenrepertoire sowie den festgestellten Charakteristika sinnlicher und emotionaler Wahrnehmung ergibt und welche Position das Subjekt in diesem Gefüge einnimmt. Angesichts der in unterschiedlichen Texten jeweils sehr ähnlichen Figurenkonstellationen wird dieses Verhältnis zwischen Subjekt und Weltbild anhand der Protagonisten deutlich. Deren Tendenz zum Rückzug in die Innenwelt ist dabei ebenso von Bedeutung wie jene zur schizophren-psychotischen Spaltung des Selbst; einen wichtigen Ansatzpunkt, beides zu überwinden, bilden Gespräche mit Vertrauenspersonen. Der Blick von außen auf das Figurenrepertoire zeigt außerdem, dass die Charaktere allegorisch als analytische Auslotung verwandter Emotionskonzepte gelesen werden können. Anhand ähnlicher Parallelen ist die räumliche Außenwelt der Texte häufig als Paradoxon konstruiert, das an einen vierdimensionalen Raum, das Weltbild der Quantenphysik, erinnert. Bei näherer Betrachtung erschließen sich die diskontinuierlichen Strukturen jedoch als Innensicht eines solipsistischen Subjekts.

1.  Innenwelt

Es gibt jedoch einen noch wesentlich abenteuerlicheren Vorschlag,...

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