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Dimensions of Linguistic Space: Variation – Multilingualism – Conceptualisations Dimensionen des sprachlichen Raums: Variation – Mehrsprachigkeit – Konzeptualisierung

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Edited By Lars Bülow, Ann Kathrin Fischer and Kristina Herbert

This volume focuses on the use and structure of the German language in Austria. In addition, the aim of the book is to compare the linguistic conditions in Austria with those in other German speaking countries. The 20 articles present current findings from the research fields of variation, contact and perception.

Der Band widmet sich schwerpunktmäßig der Verwendung und Struktur der deutschen Sprache in Österreich. Ziel des Sammelbandes ist es außerdem, die sprachlichen Verhältnisse in Österreich mit denjenigen in anderen deutschsprachigen Ländern zu vergleichen. In 20 Beiträgen werden daher aktuelle Forschungsergebnisse aus den Forschungsbereichen Variation, Kontakt und Perzeption vorgestellt.

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Sprachwechsel in Südkärnten: Quantitative Beschreibung und Modellierung als Diffusionsprozess (Katharina Prochazka)

Katharina Prochazka

Sprachwechsel in Südkärnten: Quantitative Beschreibung und Modellierung als Diffusionsprozess

Abstract: In this contribution, a quantitative approach to studying language shift is proposed: Mathematical modelling as a tool for large-scale research and a means to understand why people give up use of one language in favour of another. Using the example of Carinthia, Austria, linguistic considerations for modelling are discussed.

1 Einleitung

Menschen ändern ständig ihre Sprache: Je nachdem, mit wem wir wann worüber sprechen, verwenden wir eine andere Sprache, eine andere Varietät, ein anderes Sprachregister. Der Sprachgebrauch kann sich jedoch auch ändern. Im Extremfall hören wir sogar ganz auf, eine bestimmte Sprache zu verwenden – wir wechseln unsere Sprache. Wie kommt es dazu? Wieso wechseln Menschen ihre Sprache?

Diese zentrale Fragestellung kann unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht werden (vgl. Knooihuizen 2006). Sprachgebrauch kann in Zusammenhang mit verschiedenen Einflussfaktoren wie Sprecher(innen)zahlen betrachtet werden, oder als Sprachgebrauch in Zusammenhang mit den sozialen Netzwerken von Sprecher(inne)n.

Dieser Beitrag wählt einen quantitativen Ansatz, um Sprachwechsel zu beschreiben und zu verstehen. Er nutzt dafür mathematische Modellierung als Werkzeug und untersucht Sprachwechsel in Anlehnung an die Modellierung physikalischer Prozesse.

Physik und physikalische (mathematische) Modellierung bietet die Möglichkeit, eine große Anzahl von Daten quantitativ zu verarbeiten und generelle Tendenzen auf einer großen Skala herauszufiltern.

In diesem Beitrag wird die Anwendung dieser Methode exemplarisch dargestellt. Als Anwendungsbeispiel dient das gemeinsam mit Gero Vogl untersuchte Gebiet Südkärnten in Österreich (Prochazka/Vogl 2017), wo eine Sprachkontaktsituation zwischen Slowenisch und Deutsch besteht. In Südkärnten kommt es über die Zeit gesehen zu einem Rückgang der Verwendung des Slowenischen zugunsten des Deutschen. Durch mathematische Modellierung sollen die wesentlichen Einflussfaktoren auf diesen Prozess identifiziert werden. Dabei werden←165 | 166→ auch die Hintergründe beleuchtet, die notwendig sind, um überhaupt eine solche Modellierung durchführen zu können.

Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Nach einer kurzen theoretischen Einführung zum Thema Sprachwechsel (Abschnitt 2) werden in Abschnitt 3 die wesentlichen Aspekte und Fragestellungen für die Erforschung des Sprachwechselprozesses ausgeführt. Dabei wird in Abschnitt 3.1 besonders auf die quantitative Herangehensweise eingegangen und die notwendige Datenbasis für die Anwendung einer solchen aufgezeigt. Abschnitt 3.2 stellt eine spezielle quantitative Herangehensweise vor, nämlich die mathematische Modellierung des Sprachwechsels als Diffusionsprozess. Nach den theoretischen Grundlagen wird in Abschnitt 4 ein historischer Überblick über das Untersuchungsgebiet Südkärnten gegeben sowie das verfügbare Datenmaterial besprochen. Anschließend wird in Abschnitt 4.3 der eigentliche Modellierungsprozess der empirischen Daten beschrieben. Abschnitt 5 diskutiert die erhaltenen Ergebnisse und identifiziert konkrete Einflussfaktoren auf den Sprachwechsel.

2 Sprachwechsel

Dauerhafter Wechsel von einer zu einer anderen (Einzel-)Sprache ist das, was als „Sprachwechsel“ oder englisch language shift definiert wird: „the change from the habitual use of one language to that of another“ (Weinreich 1953: 68). Damit zusammen hängen auch Metaphern wie „Sprachausbreitung“ oder sehr plakativ „Sprachtod“ als letzte Konsequenz des Sprachwechselprozesses. Bei diesen Metaphern wird Sprache als lebender Organismus dargestellt (vgl. Gal 1996) – es sollte aber nicht vergessen werden, dass Sprache nur durch Sprecher(innen) möglich ist und es eben diese Sprecher(innen) sind, die etwas tun, nicht die Sprache „von selbst“.

Üblicherweise wird bei Sprachwechsel tatsächlich der Wechsel zwischen Sprachen und nicht zwischen Varietäten innerhalb einer Sprache untersucht. Die Abgrenzung zwischen „Sprache“ und „Varietät einer Einzelsprache“ ist notorisch schwierig (vgl. Ammon 1986), da es letztlich keine scharfe Grenze zu ziehen gibt. Jedoch ist die Unterscheidung in manchen Fällen eindeutig(er), vor allem wenn es sich um Sprachen aus verschiedenen Sprachfamilien handelt, die gegenseitig nicht verständlich sind. Genau so eine Situation tritt auch bei dem in diesem Beitrag untersuchten Fall auf: Slowenisch und Deutsch in Südkärnten koexistieren auf demselben geografischen Raum und sind durch den Sprachkontakt voneinander beeinflusst (vgl. Pohl 2009), jedoch klar trennbar als zwei verschiedene Sprachen und nicht Varietäten einer einzelnen Sprache. Spannend für die Sprachwechselforschung in einer solchen Situation ist nun nicht nur, warum wann welche Sprache verwendet wird, sondern auch das Gegenteil: warum eine gewisse Sprache nicht mehr verwendet wird.←166 | 167→

3 Untersuchung von Sprachwechsel

Die Untersuchung von Sprachwechsel beschäftigt sich mit zwei Fragestellungen, die eng zusammenhängen:

1. Beschreibung des Sprachwechselprozesses: Wie läuft der Sprachwechsel wann und wo ab?

2. Ursachenfindung (z. B. durch Modellierung und Simulation): Was hat zu diesem Prozess geführt?

Beide Fragestellungen können qualitativ wie auch quantitativ untersucht werden. Da beide Forschungsmethoden Vor- und Nachteile haben, können (und sollen) sie kombiniert werden, denn nur zusammen bieten sie ein vollständiges Bild des Sprachwechselprozesses in einer Region. Ein qualitativer Zugang kann die linguistische Situation in einer kleinen Region sehr genau untersuchen und bezieht die „innere“ subjektive Perspektive der Sprecher(innen) stärker ein, bedeutet jedoch üblicherweise sehr viel Feldforschung und ist deshalb räumlich und zeitlich limitiert. Eine quantitative Betrachtung ist dafür in der Lage, größere Zusammenhänge zu erkennen und allgemeinere Regeln, die dem Sprachwechsel zugrunde liegen, herauszuarbeiten – auch wenn dadurch vielleicht die Entwicklung in einzelnen Orten insgesamt weniger akkurat beschrieben wird.

Die quantitative Betrachtung von Sprache und Versuche, Sprache mathematisch zu erfassen, finden sich in vielen Bereichen der Linguistik. So beschäftigt sich die quantitative Linguistik mit dem Auffinden der mathematisch beschreibbaren zugrundeliegenden Gesetze des Sprachgebrauchs (z. B. das Zipf’sche Gesetz zur Beschreibung von Worthäufigkeiten). Ebenso wird in der Dialektometrie die linguistische Distanz zwischen verschiedenen Sprachvarietäten mathematisch erfasst und in Zusammenhang mit anderen Faktoren wie geografischer Distanz gebracht (z. B. Nerbonne 2010). Zusätzlich gibt es Forschungsansätze, die Methoden aus dem naturwissenschaftlichen Bereich auf linguistische Fragestellungen übertragen – insbesondere solche aus der Physik, da Analogien zwischen physikalischen Vorgängen und linguistischen Prozessen möglich sind (vgl. Altmann/Meyer 2005). So kann die Ausbreitung von sprachlichen Merkmalen ähnlich wie die Ausbreitung von Atomen in einem Festkörper gesehen werden. Insbesondere in der Sprachwechselforschung finden sich viele Arbeiten, die sich ausgehend von einem physikalischen Hintergrund mit der Anwendung mathematischer Modelle auf die Entwicklung von Minderheitensprachen und Sprachwechsel beschäftigen (z. B. Abrams/Strogatz 2003; Kandler 2009; Schulze et al. 2007). Oft bleiben diese Arbeiten jedoch theoretische Überlegungen, da keine geeigneten empirischen Daten zur Überprüfung vorhanden sind, die hinreichend detailliert sind.←167 | 168→

Für Sprachwechsel in Österreich existieren kleinräumige Fallstudien von einzelnen Sprachkontaktsituationen (u. a. Gal 1979; Priestly 1990), aber nur wenige großflächige quantitative Studien. Solche großflächigen quantitativen Studien bieten nicht nur eine Möglichkeit der großflächigen Beschreibung von Sprachwechsel, sondern können in Kombination mit mathematischer Modellierung auch Hinweise auf die Ursachen von Sprachwechsel liefern – und überprüfen, wie weit sich Sprachverwendung/Sprachwahl überhaupt mathematisch modellieren lässt. Die Grundvoraussetzung dafür ist jedoch der Zugang zu einer ausreichenden Datenmenge, die im Idealfall nicht erst durch Feldforschung generiert werden muss (was teilweise gar nicht möglich ist, wenn z. B. Zeiträume von 100 Jahren und mehr bearbeitet werden sollen).

3.1 Quantitative Erforschung des Sprachwechselprozesses

Sprachwechsel ist ein Prozess, d. h. man benötigt Daten über die Sprachverwendung zu mindestens zwei Zeitpunkten, um diese zu vergleichen und Unterschiede zu beobachten. Zusätzlich kann man Sprachwechsel räumlich im Sinne der Geolinguistik betrachten: An welchen Orten tritt Sprachwechsel zuerst/zuletzt/gar nicht auf? Idealerweise stehen also Daten mit einer guten zeitlichen und räumlichen Auflösung als Basis für die Beschreibung zur Verfügung, um sich ein vollständiges detailliertes Bild über den Prozess machen zu können. Gute zeitliche und räumliche Auflösung heißt hier:

Abdeckung eines möglichst großen Zeitraums mit vielen Zwischenpunkten (z. B. Daten für jedes Jahr, nicht alle 20 Jahre)

Abdeckung einer großen räumlichen Fläche, aber möglichst kleinräumige Daten (z. B. Daten für einzelne Ortschaften, nicht nur für Gemeinden oder Bundesländer)

In der Realität sind Daten dieser Art nur schwer zu beschaffen, da die Erhebung und Datenaufnahme sehr aufwändig ist. Viele linguistische Korpora wurden oft nur zu einem einzelnen Zeitpunkt aufgenommen oder es wurde nur eine kleine räumliche Fläche abgedeckt oder nur wenige Sprecher(innen) pro Ort befragt oder auf Unterschiede innerhalb einer Sprache fokussiert statt auf die Verwendung verschiedener Sprachen der befragten Personen.

Eine Alternative bieten Volkszählungsdaten. Bei der Volkszählung wird in regelmäßigen Abständen nicht nur die Bevölkerung eines Staates erfasst, sondern auch zusätzliche Faktoren wie Berufe, Haushaltsgröße und meist auch in irgendeiner Form die Sprachverwendung. Die Teilnahme an der Volkszählung ist häufig gesetzlich verpflichtend, es wird also (theoretisch) die gesamte Bevölkerung eines←168 | 169→ Staates abgedeckt. Dies führt zu einer sehr guten räumlichen Auflösung. Volkszählungen werden zwar nicht jährlich, aber in regelmäßigen Abständen durchgeführt, wodurch auch eine gute zeitliche Auflösung gegeben ist. So deckt die österreichische Volkszählung den Zeitraum von 1880 bis 2001 in jeweils ungefähr 10-Jahres-Schritten ab (vgl. Tabelle 1). Die Daten existieren für die meisten Jahre auf Ortschaftsebene und es gibt keine minimale Ortsgröße, d. h. auch für Orte oder Weiler mit vier Einwohner(innen) ist belegt, welche Sprache diese angegeben haben. Auch die Fragestellungen auf den Erhebungsbögen sind belegt. Die Datenlage (im Sinne von: Vorhandensein von Daten) ist also meistens sehr gut.

Tabelle 1: Übersicht über Volkszählungen in Österreich und die jeweilige Fragestellung zur Sprache. Die Erhebung 1976 ist keine Volkszählung, sondern eine „Geheime Erhebung zur Muttersprache“ in Vorbereitung auf den Beschluss des Volksgruppengesetzes (Quelle: Gamerith 1994)

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Insgesamt sind Volkszählungen also die beste verfügbare Datenquelle, um Sprachwechselprozesse quantitativ zu verfolgen – solange man sich im Klaren ist, was sie eigentlich aussagen:

The statistics on the answers to language-related questions [on the census, K.P.] may be presented in such a way as to show the number of people in any given area using a given language. Such a presentation means: ‘At this place at this time so many people have made this statement about their language use’. (Mackey/Cartwright 1979: 76)←169 | 170→

Auf der anderen Seite sind Daten über Sprache aus der Volkszählung immer problematisch (Mackey/Cartwright 1979; Brix 1982; Busch 2015), da das Ziel der Volkszählung keine fundierte linguistische Untersuchung ist. Dementsprechend gibt es meistens nur eine einzige unspezifische sprachbezogene Frage, die generell nach „der Umgangssprache“ oder „der Muttersprache“ fragt. Es ist bei einer späteren Betrachtung jedoch unklar, wie die befragte Person die Frage interpretiert hat. Auch können sich die Fragestellungen während der Volkszählungssequenz ändern (und tun dies auch – vgl. Tabelle 1), sodass ein Vergleich innerhalb der Daten nicht immer möglich ist. Antwortbögen können von den Zählorganen manipuliert werden (so z. B. belegt für Böhmen, wo die Umgangssprache „tsch“ [tschechisch] zu „deu-tsch“ ergänzt wurde, vgl. Brix 1981: 235). Eine solche Manipulation ist nicht nur bedenklich für die Untersuchung von Sprachwechsel, sondern hat auch direkte Auswirkungen überall dort, wo die Volkszählung als Instrument für Gesetzgebung benutzt wird: Rechte von (sprachlichen) Minderheiten sind etwa oft an einen bestimmten Prozentsatz von Sprecher(inne)n in einem Gebiet geknüpft.

Auch die zur Verfügung stehenden Antwortmöglichkeiten und Auswertungskategorien limitieren die Darstellung der Ergebnisse: Eine Mehrsprachigkeit der Bevölkerung ist vielleicht gar nicht in den Ergebnissen reflektiert, da nur eine Sprache als Antwort auf die Frage nach der Umgangssprache angegeben werden kann.

3.2 Modellierung des Sprachwechselprozesses als Diffusion

Sprachgebrauch und dessen Veränderung als Sprachwechsel kann als Ausbreitungsprozess betrachtet werden – ein neues Verhalten (Gebrauch einer bestimmten Sprache) verbreitet sich. Solche Ausbreitungsprozesse werden allgemein als Diffusion bezeichnet und finden sich in der Linguistik, Physik und vielen anderen Disziplinen (z. B. Labov 2007; Mehrer 2007; Murray 2002; Rogers 2003).

Linguistische Diffusion bezieht sich üblicherweise auf die Veränderung und Ausbreitung einzelner neuer sprachlicher Merkmale („Innovationen“ z. B. andere Aussprache eines Wortes) in einer Sprache, durch Kontakt verschiedener Varietäten innerhalb einer Sprache oder durch Kontakt verschiedener Sprachen. Zur Beschreibung linguistischer Diffusion existieren mehrere Modelle, wobei hier nur ein kurzer Überblick über zwei gegeben wird (vgl. Nerbonne 2010: 3821 f.): Gemäß der Wellentheorie breiten sich sprachliche Merkmale in Wellen ausgehend von einem dominanten Zentrum aus. Die Diffusion erfolgt dabei entlang von „Kommunikationslinien“; sie ist also dort am stärksten, wo die Kommunikation und Interaktion am größten ist. Im Gravitationsmodell←170 | 171→ (gravity model) von Trudgill (vgl. 1974) erfolgt die Ausbreitung durch soziale Kontakte, abhängig von der Einwohnerzahl und Entfernung der Orte. Hier gibt es nicht nur ein Zentrum, von dem die Innovation (das sprachliche Merkmal) ausgeht, sondern mehrere größere Zentren sind die Ausgangspunkte, von denen sich die Innovation hin zu kleineren Orten verbreitet. Jeder Ort hat also einen gewissen (sprachlichen) Einflussbereich, in dem die Diffusion weiter propagiert wird.

In der Physik bezeichnet Diffusion konkret den Transport von Materie durch Atome, also die Ausbreitung von Stoffen. Diffusion ist z. B. der Prozess, durch den sich Milch auch ohne Umrühren mit der Zeit im Kaffee verteilt. Physikalische Diffusionsmodelle beschreiben also eigentlich etwas Materielles und betrachten dessen Ausbreitung über Zeit und Raum. Dies gilt ebenso für Modelle sprachlicher Diffusion, wobei Sprache hier nicht auf den tatsächlichen geografischen Raum beschränkt ist, sondern auch andere „Räume“ wie den sozialen miteinbezieht (vgl. Britain 2013). In der Physik gibt es zwei wesentliche Ansätze zur Beschreibung dieser Diffusion: „Makroskopisch“ kann die Konzentrationsänderung eines Stoffes betrachtet werden, „mikroskopisch“ die Bewegung einzelner Atome. Die mikroskopische Betrachtung setzt dabei eine wesentlich höhere Auflösung der verfügbaren Daten voraus.

Sowohl physikalische wie auch linguistische Diffusion als Prozess ist durch verschiedene Faktoren beeinflusst, welche die Forschung zu identifizieren versucht. So zeigen etwa Sprachzählungsdaten aus der Volkszählung, welche Sprache wann wo von wie vielen Personen angegeben wurde. Eine ganze Serie solcher Sprachzählungen gibt einen Überblick über die zeitliche und räumliche Veränderung der Zahlen (was nicht mit der Entwicklung der tatsächlichen Sprecher(innen)zahlen gleichgesetzt werden soll), also über die Diffusion des Sprachgebrauchs. Bei der Erforschung von Sprachwechsel über die Volkszählungsdaten wird somit ein Modellsystem der Sprachentwicklung betrachtet, das durch gewisse zugrundeliegende Regeln gesteuert ist: Was treibt den Sprachwechselprozess an? Warum wechseln Menschen ihre Sprache?

Modellierung und Simulation sind Werkzeuge, um einer Identifikation der zugrundeliegenden Regeln näher zu kommen. Modellierung ist die Abstrahierung der „realen Welt“, die Erzeugung abstrakter Regeln zur Beschreibung von Prozessen, meist mathematisch ausgedrückt. Simulation ist die Anwendung dieser abstrakten Regeln auf empirische Daten. Es ist also die Imitation eines Prozesses durch einen anderen (vgl. Hartmann 2005). Das Ergebnis der Simulation wird mit den Daten verglichen und die erstellten Regeln werden angepasst. Danach wird die Simulation wiederholt und das Ergebnis wieder mit den Daten verglichen,←171 | 172→ bis eine zufriedenstellende Übereinstimmung erreicht ist. Passen das erstellte Modell und die empirischen Daten zusammen, dann ist das Modell eine mögliche Erklärung des zugrundeliegenden Prozesses.

Da Modellierung einen Prozess durch einen anderen imitiert, bedeutet sie immer Forschung auf zwei Ebenen mit zwei grundlegenden Fragestellungen:

1. Der „objektive“ Blick auf die Daten: Wie kann ich meine Daten mathematisch beschreiben?

2. Die Berücksichtigung des Kontextes der Daten: Was kann das erstellte Modell eigentlich aussagen?

Wie in Abschnitt 4.4 am Beispiel der Ergebnisse für Südkärnten gezeigt wird, ist insbesondere die zweite Fragestellung essentiell, um die aus dem mathematischen Modell gewonnene Information zu interpretieren und ein vollständiges Bild des Sprachwechselprozesses zu erhalten.

4 Sprachwechsel in Südkärnten

In diesem Abschnitt wird zunächst ein historischer Überblick über die Sprachkontaktsituation in Südkärnten sowie sprachenpolitische Hintergründe gegeben. Anschließend wird auf die verfügbaren Daten als Basis für eine quantitative Erforschung näher eingegangen und schließlich der Modellierungsprozess beschrieben. Abschließend werden die Ergebnisse diskutiert und die konkreten Einflussfaktoren auf den Sprachwechsel in Südkärnten identifiziert.

4.1 Slowenisch – Deutsch in Südkärnten

Im südlichen Teil von Kärnten in Österreich existiert seit langem eine Sprachkontaktsituation zwischen einer slowenischsprachigen autochthonen Minderheit und der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe (vgl. Inzko et al. 1988; Suppan 2004). Slawische Gruppen kamen schon durch die Völkerwanderung im 6. Jahrhundert nach Kärnten und das Gebiet war lange Zeit mehrsprachig. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es durch Aufkommen eines Nationalbewusstseins zu den ersten größeren Konflikten zwischen beiden Bevölkerungsgruppen, die noch lange andauern sollten. Die Frage, welche Sprache gesprochen wurde und was das für die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe bedeutete, wurde immer wichtiger. Ethnizität und Sprache wurden – wie auch später immer wieder – oft gleichgesetzt. Zu dieser Zeit begann auch die großflächige Erhebung der Verteilung der Slowenischsprecher(innen). Die erste Sprachstatistik für Kärnten wurde im Jahr 1846 von Karl Freiherr von Czörnig erstellt. In weiterer Folge←172 | 173→ wurde bis 2001 bei der Volkszählung auch die Sprache in irgendeiner Form miterhoben (Ibounig 2011). Diese Ergebnisse wurden in der Folge nicht nur für linguistische Untersuchungen (wie im vorliegenden Fall) verwendet, sondern auch als politisches Instrument.

Slowenisch ist in Österreich eine anerkannte Minderheitensprache, d. h. es gibt ein gesetzlich verankertes Recht auf Slowenisch als Amts- und Unterrichtssprache sowie ein Recht auf zweisprachige topografische Aufschriften. Diese Rechte wurden zunächst mit dem Staatsvertrag von Wien 1955 festgelegt und mit dem Volksgruppengesetz 1976 näher bestimmt. Sie sind meist irgendwie an das Vorhandensein von Minderheitenangehörigen geknüpft – die Rechte sollen den Minderheiten dort zugutekommen, wo sich auch tatsächlich Angehörige der slowenischen Volksgruppe befinden. Da in Österreich jedoch niemand gezwungen werden kann, sich zu einer Volksgruppe zu bekennen und die Zugehörigkeit auch nicht nachgewiesen werden muss (vgl. VolksgruppenG 1976 idgF §1 (3)), wurden sehr oft die Ergebnisse der Sprachenfrage der Volkszählung als Kriterium herangezogen. So fordert das Volksgruppengesetz in seiner ursprünglichen Fassung (vgl. BGBl. 396/1976) eine 25 %-Grenze von Volksgruppenangehörigen (!) als Kriterium für das Aufstellen zweisprachiger Ortstafeln. Um festzustellen, wo diese 25 %-Grenze erfüllt ist, wurden die Ergebnisse der Sprachenfrage bei der Volkszählung verwendet. Hier wurden also Sprache und Ethnizität vermischt und die Volkszählungsergebnisse für etwas verwendet, was sie eigentlich gar nicht abgefragt haben. Beachtenswert ist dabei noch zusätzlich, dass das 1976 in Kraft getretene Volksgruppengesetz explizit die Muttersprache als ein mögliches Kriterium für die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe nennt (vgl. VolksgruppenG 1976 idgF §1 (2)), die Volkszählung aber im Zeitraum 1951 bis 2001 die Umgangssprache abfragte.

Abbildung 1 zeigt den Prozentsatz an Slowenischsprecher(inne)n in Südkärnten im Jahr 1880 im Vergleich zum Jahr 2001. Betrachtet man diese Daten zur Umgangssprache in Kärnten, so wird der Bereich, in dem vorwiegend Slowenisch angegeben wird, mit der Zeit immer kleiner. Es findet also ein Sprachwechsel in irgendeiner Form statt – egal, ob dieser nun tatsächlich Änderungen in der Sprachverwendung der Menschen ausdrückt oder eine Änderung deren Bekenntnisse zu einer Sprache. Mit Hilfe der Volkszählungsdaten kann dieser Sprachwechsel quantitativ auf dem ganzen Gebiet Südkärntens untersucht werden.←173 | 174→

Abbildung 1: Angaben zur Umgangssprache Slowenisch in % in Südkärnten 1880 (oben) und 2001 (unten) gemäß der österreichischen Volkszählung

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4.2 Datenlage

Wie in Abschnitt 3.1 erklärt, bieten Volkszählungsdaten trotz aller Einschränkungen den bestmöglichen Ausgangspunkt für eine quantitative Erforschung des Sprachwechsels in Südkärnten. Im Fall von Südkärnten handelt es sich dabei um die Daten der Volkszählung der österreichischen Reichshälfte der k. u. k. Monarchie (1880 bis 1910) bzw. der Volkszählungen der Zweiten Republik Österreich (1971 bis 2001). Diese Zeiträume wurden gewählt, da innerhalb dieser Perioden konsequent nach der „Umgangssprache“ gefragt wurde und somit eine Vergleichbarkeit einigermaßen gegeben ist – in den Jahren dazwischen lauteten die Fragestellungen anders (vgl. Tabelle 1). Für 1951 und 1961, wo ebenfalls die Umgangssprache abgefragt wurde, konnten keine Daten auf Ortsebene erlangt werden; Daten liegen in den offiziellen Publikationen der Statistik Austria nur auf Gemeindeebene vor. Nach 2001 wurde auf eine sog. Registerzählung umgestellt, bei der die Bevölkerungszahl direkt aus dem Zentralen Melderegister erhoben wird und keine Fragebögen mehr an die Bevölkerung verschickt werden. Somit←174 | 175→ sind nach 2001 auch keine Daten zur Sprachverwendung in Österreich über die Volkszählung verfügbar.

Um den Sprachwechselprozess in Südkärnten zu modellieren, wurden zunächst die Daten zur Sprachenfrage aus der Volkszählung der Monarchiezeit digitalisiert (die späteren Daten lagen bereits in digitaler Form vor). Die Volkszählung in der österreichischen k. u. k. Monarchie erzwingt eine binäre Situation, indem die Kärntner Ergebnisse der Befragung nur in zwei Kategorien (Slowenisch und Deutsch) ausgewiesen werden.1 Menschen verwenden gemäß dieser Datenlage entweder Deutsch oder Slowenisch als Umgangssprache, aber nicht beides. Bei den späteren Volkszählungsergebnissen ab 1939 (und somit für die zweite Untersuchungsperiode ab 1971) gibt es explizit Zweisprachigkeit als Antwortkategorie z. B. „Slowenisch, Deutsch“ oder „Deutsch, Slowenisch“. Aus Kontinuitätsgründen mussten jedoch auch diese auf entweder Slowenisch oder entweder Deutsch reduziert werden. Dabei wurde jeweils die erste angegebene Sprache gezählt („Slowenisch, Deutsch“ wurde also zu „Slowenisch“). Ebenso wurden Angaben der Kategorie „Windisch“ zu „Slowenisch“ gezählt. „Windisch“ ist ein politisch besetzter Begriff für Angehörige der slowenischen Volksgruppe in Kärnten, die sich „nur dem deutschen Kulturkreis zugehörig fühle[n] und keine Minderheitenrechte in Anspruch nehmen wolle[n]“ (Unkart/Glantschnig/Ogris 1984: 42; vgl. auch Pohl 2004). An diesem Beispiel zeigt sich wieder, dass die Volkszählungsdaten keine „objektiven“ Angaben hinsichtlich des Sprachgebrauchs bieten.

4.3 Modellierung und Simulation

Wie in Abschnitt 3.2 beschrieben, besteht das generelle Prinzip mathematischer Modellierung darin, dass Hypothesen (Regeln) zur Entwicklung des Systems aufgestellt werden. Diese werden in mathematischer Form formuliert und auf empirische Daten angewendet. Das Simulationsergebnis wird mit den Daten verglichen und anschließend das Modell angepasst, bis die Daten und das Simulationsergebnis ausreichend übereinstimmen. Im Folgenden wird die konkrete Anwendung dieses generellen Prinzips an den Südkärntner Daten beschrieben (vgl. Prochazka/Vogl 2017).

Die mathematische Modellierung der Daten erfolgt mit Hilfe des Ansatzes der zellulären Automaten (vgl. Hegselmann 1996), der für diese linguistische Fragestellung adaptiert wird. Bei diesem Ansatz werden kleinste Einheiten auf←175 | 176→ einer Fläche betrachtet, die sich gegenseitig je nach Nähe beeinflussen – so wie sich auch SprecherInnen einer Sprache in verschiedenen Ortschaften gegenseitig beeinflussen. Dazu müssen die Daten nach der Digitalisierung zunächst kartiert werden: Das untersuchte Gebiet wird in Zellen der Größe 1×1 km² aufgeteilt. Diese Abstrahierung durch Einteilung in Zellen ermöglicht erst die spätere Computersimulation, da durch das Raster eine Matrix entsteht, mit der Berechnungen durchgeführt werden können. Die Sprecher(innen)zahlen pro Ort werden nun je nach geografischer Koordinate des Ortes (über den Kärnten Atlas, https://gis.ktn.gv.at/) einer Zelle zugeteilt; man erhält eine Matrix mit der räumlichen Verteilung von Sprecher(innen)zahlen gemäß Volkszählung pro Jahr, für das Daten vorhanden sind.

Im nächsten Schritt werden Hypothesen aufgestellt, wie sich die Sprecher(innen)zahl pro Zelle und pro Jahr verändert. In der Literatur (vgl. u. a. Fishman 1991; Lieberson 1982; Tsunoda 2005; UNESCO 2003) sind eine Reihe von Faktoren genannt, die zu Sprachwechsel führen bzw. ein Indiz für den Status einer Sprache sind (im Sinne davon, ob die Sprache „gefährdet“ durch Sprachwechsel/abnehmende Verwendung ist): Unterschiede im Prestige, fehlende Möglichkeiten der Interaktion mit Sprecher(inne)n derselben Sprache, ökonomische Gründe, (sprachen)politische Eingriffe, demografische Faktoren (Ortsgröße, Landflucht etc.) und viele mehr. Mit Hilfe dieser Faktoren können Hypothesen zur Veränderung der Sprecher(innen)zahl aufgestellt werden. Beispielsweise wird die Hypothese aufgestellt, dass die Sprecher(innen)zahl im nächsten Jahr abhängig ist von zwei Faktoren:

1. der momentanen Sprecher(innen)zahl

2. der Interaktion mit anderen Sprecher(inne)n in den umliegenden Ortschaften (vgl. Trudgill 1974)

Die Anwendung der Hypothese auf die Daten ist schematisch in Abbildung 2 dargestellt. Dabei wird angenommen, dass diese Regel allgemein gültig ist, d. h. sie ist ortsunabhängig und wird auf jede Zelle gleichzeitig und gleichmäßig angewendet. Die Hypothese wird nun mathematisch formuliert:

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wobei ni(t+1) die absolute Sprecher(innen)zahl der Sprache i = Slowenisch (S) oder Deutsch (D) zum Zeitpunkt t+1 (also ein Jahr später) ist und ntotal(t+1) die Gesamteinwohnerzahl im nächsten Jahr. ni(t) ist die momentane Sprecher(innen)zahl und Fi(t) die Interaktion mit anderen Sprecher(innen) der←176 | 177→ gleichen Sprache. Die Bevölkerungsentwicklung zwischen Volkszählungen wird als linear angenommen. Das prozentuale Verhältnis der beiden verschiedenen Sprachgruppen und -einflüsse geht ebenfalls ein durch den Bruchterm. Die Interaktion Fi ist Trudgill (1974) folgend abhängig von der Sprecher(innen)zahl ni(rj) in den umliegenden Ortschaften rj und nimmt mit dem Abstand |rrj| zwischen den Ortschaften ab, ist aber in Anlehnung an physikalische Diffusion als Gaussfunktion modelliert:

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wobei D die Diffusionskonstante ist, ein Maß für den Einflussbereich einer Sprache – also wie weit etwas von diesem Ort ausgehend diffundiert. Das Modell inkorporiert also direkt Ansätze zur Beschreibung der Diffusion aus der Physik (durch die mathematische Form der Ausbreitung von Sprache als Gaussfunktion) sowie aus der Linguistik (durch die Einbeziehung von in der Literatur identifizierten Einflussfaktoren auf den Sprachwechsel sowie möglichen Abhängigkeiten derselben).

Abbildung 2: Schema zur Berechnung der Sprecher(innen)zahl im nächsten Jahr aus den vorhandenen Daten. Jede Zelle repräsentiert eine Fläche von 1×1 km² im Untersuchungsgebiet, die Zahl gibt die Zahl der Sprecher(innen) pro Zelle an. Hier wurde angenommen, dass die Sprecher(innen)zahl im nächsten Jahr von zwei Faktoren abhängt: der momentanen Sprecher(innen)zahl sowie der Interaktion mit anderen Sprecher(inne)n der gleichen Sprache.

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Durch Gleichung (1) können rekursiv die absoluten Sprecher(innen)zahlen für beliebig viele weitere Jahre berechnet werden, jeweils aus dem Ergebnis des Jahres davor. Die Überprüfung der Validität der zugrundeliegenden Hypothese, dass die Sprecher(innen)zahl von diesen beiden Faktoren abhängig ist, und der entsprechenden mathematischen Formulierung erfolgt durch eine Computer←177 | 178→simulation. Dazu wird das Modell als Computerprogramm realisiert (in Octave 4.0.0) und Gleichung (1) wird iterativ auf das Start-Datenset (z. B. die Matrix der Sprecher(innen)zahlen 1880) angewandt und das Ergebnis für eine beliebige Anzahl von Jahren berechnet. Alle 10 Jahre kann das Ergebnis dann mit den empirischen Daten verglichen und das Modell optimiert werden (z. B. durch Aufnahme weiterer Faktoren in Gleichung (1)). Die Simulation selbst erfolgte in Jahresschritten, nicht 10-Jahres-Abständen wie die Volkszählung, da so auch Zwischenergebnisse angenähert werden können, die eben bei der Volkszählung nicht verfügbar sind.

4.4 Ergebnisse: Einflussfaktoren auf den Sprachwechsel

Modellierung bedeutet das Aufstellen von Hypothesen (Regeln) sowie den Test dieser Regeln. Hypothesen können dementsprechend auch wieder verworfen werden, weil das Simulationsergebnis nicht mit den empirischen Daten als Vergleich zusammenpasst, d. h. das Modell ist nicht in der Lage, die empirischen Daten mit hinreichender Genauigkeit zu reproduzieren.

In diesem Fall wurden Hypothesen aufgestellt, welche Einflussfaktoren eine Auswirkung auf den Sprachwechsel zeigen. Potenzielle Einflussfaktoren wurden auf der Basis von vorhandener Literatur zu Sprachwechselprozessen/Spracherhalt identifiziert (Baker 2001: 60–62; Fishman 1991; Lieberson 1982; Trudgill 1974; Tsunoda 2005; UNESCO 2003) und in die Modellbildung übernommen, sofern empirische Daten dazu vorlagen.

Als plausible Einflussfaktoren wurden angenommen und untersucht: die Anzahl der momentanen Sprecher(innen) einer Sprache, die Interaktion mit anderen Sprecher(inne)n, die Predigtsprache in der Pfarre (für beide Zeiträume) und die Schulunterrichtssprache (für den Zeitraum 1880 bis 1910). Diese Hypothesen konnten auch an empirischen Daten getestet werden. Weitere Einflussfaktoren konnten auf Grund fehlenden Datenmaterials nicht untersucht werden.

Die Notwendigkeit des Vorhandenseins von empirischen Daten und die entsprechende Datenbeschaffung stellt das Grundproblem einer quantitativen Untersuchung dar: Sprachwechsel ist multifaktoriell. Um jedoch den Einfluss verschiedener Faktoren in einem gemeinsamen Modell untersuchen zu können, müssen Daten für alle zu untersuchenden Faktoren in derselben Genauigkeit und Auflösung vorliegen. Die Volkszählung liefert zwar gleichzeitig zu den (vermeintlichen) Sprachverwendungsdaten auch andere Daten (z. B. sozioökonomische Kennzahlen wie Pendler(innen)zahlen) zu den befragten Personen eines Ortes. Durch die Anonymisierung können diese Daten allerdings nicht direkt mit den Sprachverwendungsdaten verknüpft werden: Wenn im Jahr X in einem Ort 30←178 | 179→ Personen Deutsch sprechen und nach Klagenfurt pendeln und 10 Jahre später sprechen ebenfalls 30 Personen im selben Ort Deutsch und pendeln nach Klagenfurt, dann ist nicht gesagt, dass dies dieselben 30 Personen sind. Dadurch konnte z. B. der Einfluss des Pendelns in die Großstadt Klagenfurt nicht untersucht werden, obwohl von der Statistik Austria Daten zu den Pendler(innen)zahlen vorliegen (wenn auch nur auf Ebene der Gemeinden und nicht der Ortschaften, also in wesentlicher schlechterer räumlicher Auflösung).

Als am besten passend für die beiden untersuchten Zeiträume hat sich das in Gleichung (1) dargestellte Modell erwiesen,2 bei dem die Anzahl der Sprecher(innen) im Folgejahr primär von zwei Faktoren abhängt:

Anzahl der momentanen Sprecher(innen) in der Zelle

Interaktion mit anderen Sprecher(inne)n der gleichen Sprache in anderen Zellen

Erstaunlicherweise zeigte sich kein merklicher Einfluss der Pfarrsprache auf den Sprachwechsel und ein geringer negativer Einfluss der Schulunterrichtssprache. Dieser Einfluss der Schulunterrichtssprache wird weiter unten in einem eigenen Abschnitt diskutiert, da er die Wichtigkeit von zusätzlichem Kontextwissen für die Modellierung aufzeigt.

Im Modell bestehend nur aus Anzahl und Interaktion wird aus den Sprecher(innen)daten für ein gegebenes Jahr mit Hilfe dieser beiden Faktoren die Anzahl der Sprecher(innen) im Folgejahr berechnet. Der Vorteil liegt darin, dass alle notwendigen Zahlen direkt aus den Volkszählungsdaten berechnet werden können. Damit ist es möglich, den Sprachwechselprozess durch ein mathematisches Modell anhand eines einzigen Datensets nachzuvollziehen. Die Sprecher(innen)zahl (direkt im Ort selbst und indirekt durch die Interaktion mit umliegenden Ortschaften) scheint also eine gute Möglichkeit der Vorhersage für Sprachwechsel zu sein: Gibt es viele Möglichkeiten, die Sprache zu benutzen, so kommt es seltener zu Sprachwechsel.

Dies trifft aber nicht in allen Regionen gleichermaßen zu. In der Hauptstadt Klagenfurt (und in geringerem Ausmaß auch in der zweiten größeren Stadt Villach) zeigen sich lokale Entwicklungen, die vom Rest des untersuchten Gebiets in Südkärnten abweichen. In der ersten untersuchten Periode (1880 bis 1910)←179 | 180→ nahm die Zahl der Slowenischsprecher(innen) in den beiden größeren Städten rascher ab, als vom Modell für den Rest Kärntens vorhergesagt. Die Großstadtumgebung begünstigte also vermutlich den Wechsel zur deutschen Sprache. In der zweiten Periode (1971 bis 2001) kehrte sich die Entwicklung jedoch um: Vor allem in Klagenfurt nahm die Zahl der Slowenischsprecher(innen) stärker zu als vom Modell vorhergesagt. In der neueren Zeit scheint also ein Umdenken stattzufinden und zusätzliche Sprachkompetenz in einer Nicht-Mehrheitssprache wird als bereichernd empfunden (vgl. Zupančič 2008; auch von Kärntner Slowen(inn)en in Wien, vgl. Weichselbraun 2014). Dies zeigt sich auch generell an den steigenden Anmeldungen zum zweisprachigen Unterricht in Kärnten (ORF 2016). Ein weiterer Faktor könnte sein, dass sich Menschen mit slowenischsprachigem Hintergrund in den Städten aus soziosymbolischen bzw. politischen Gründen – oder einer nostalgischen Romantisierung – wieder stärker zum Slowenischen bekennen, insbesondere solche mit einem höheren Bildungsniveau (vgl. Priestly/Comanaru 2009). Auch Migration spielt vermutlich eine Rolle: Eventuell ziehen vermehrt Slowenischsprecher(innen) aus eher ländlichen Gegenden in die größeren Städte und erhöhen so dort die Sprecher(innen)zahl. Diese Hypothese kann jedoch nicht anhand der Volkszählungsdaten untersucht werden, da diese anonymisiert sind. Somit kann ebenso wie beim Pendeln nicht verglichen werden, ob die Slowenischsprecher(innen) in Klagenfurt 2001 dieselben sind, die bereits 1971 dort wohnten bzw. ob und woher diese Sprecher(innen) aus ländlichen Gegenden nach Klagenfurt gekommen sind.

5 Einfluss der Schulunterrichtssprache

Wie erwähnt zeigte sich ein geringer negativer Einfluss der Schulunterrichtssprache auf den Spracherhalt bzw. Sprachwechsel (d. h. eine Schule, in der eine Sprache unterrichtet wird, wäre eher hinderlich für den Erhalt dieser Sprache). Dieser soll im Folgenden näher beleuchtet werden, da er ein überraschendes Ergebnis darstellt, das durch entsprechendes Kontextwissen jedoch verständlich wird.

In der Monarchiezeit wurde das Slowenische in Kärnten in sog. utraquistischen Volksschulen (Pflichtschulen) unterrichtet, nominell zweisprachigen Schulen, in denen die slowenische Sprache jedoch nur in einzelnen Unterrichtsgegenständen verwendet wurde (vgl. Kurz 1990). Komplett slowenischsprachige Schulen existierten nur in sehr wenigen Orten (zu Beginn des Ersten Weltkrieges waren es drei in ganz Kärnten, vgl. Fischer 1980: 156), da sie durch utraquistische Schulen ersetzt wurden (vgl. Inzko et al. 1988: 43). Die Einführung der utraquistischen Volksschule führte zu vielen Konflikten, da von←180 | 181→ slowenischer Seite immer wieder vorgeworfen wurde, sie würde die deutsche Sprache begünstigen und hätte eine „Germanisierung“ der Bevölkerung als Ziel (vgl. Fischer 1980: 156; Kurz 1990: 297 f.). Teilweise mangelte es auch an Lehrpersonal, das der slowenischen Sprache fähig war (vgl. Fischer 1980: 156 f.; Kurz 1990: 297 f.), sodass unklar bleibt, in welchem Ausmaß tatsächlich Slowenisch unterrichtet wurde.

Die Standorte der Schulen und der sprachlichen Schulform (utraquistisch, rein deutsch oder rein slowenisch) sind in den Kärntner Lehrerkalendern (z. B. Anonym 1881) aufgelistet und wurden so auch für die Modellierung verwendet. Es zeigte sich ein geringer negativer (!) Einfluss der utraquistischen Schulen auf den Sprachwechsel von Slowenisch zu Deutsch (in dem Sinn, dass eine utraquistische Schule den lokalen Einfluss des Slowenischsprechens schwächt). Solch ein Ergebnis kann als Indiz dafür gesehen werden, dass die utraquistischen Schulen tatsächlich eher der „Germanisierung“ dienten als der Erhaltung der slowenischen Sprache. Somit findet sich diese in anderen Quellen vermutete Absicht der „Germanisierung“ auch im Ergebnis der Simulation wieder – die Simulation lässt eine großflächige Tendenz erkennen und fasst diese in Zahlen.

Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie 1918 und den darauffolgenden zwei Weltkriegen wurde der slowenischsprachigen Minderheit in Kärnten mit dem Staatsvertrag von Wien 1955 das Recht auf Elementarunterricht in slowenischer Sprache zugestanden. Mit dem Minderheiten-Schulgesetz für Kärnten 1959 wurde die Verwendung der slowenischen Sprache in Volks- und Hauptschulen gesetzlich geregelt. Schüler(innen) konnten nun freiwillig am slowenischsprachigen Unterricht teilnehmen, unabhängig von Vorkenntnissen oder Volksgruppenzugehörigkeit, mussten jedoch von den Eltern jedes Schuljahr dafür angemeldet werden. Somit gibt es im zweisprachigen Gebiet (definiert durch das Minderheiten-Schulgesetz) nominell überall slowenischsprachigen Unterricht. Das Anmeldesystem bedeutet aber auch, dass die Zahl der Schüler(innen), die in einer Schule den slowenischsprachigen Unterricht besuchen, ständig schwankt und deshalb einzelne Schulen nicht pauschal als zweisprachig (oder nicht) klassifiziert werden können. Es ist unmöglich, eine Grenze zu ziehen, wie viel Prozent der Kinder in welcher Schulstufe den slowenischsprachigen Unterricht besuchen müssen, damit eine Schule als zweisprachig gilt. Ein rein slowenischsprachiges Gymnasium gibt es nur in Klagenfurt. Somit ist durch die grundlegenden Reformen des Schulunterrichts nach den beiden Weltkriegen eine Modellierung für den zweiten Zeitraum 1971 bis 2001 nicht möglich.←181 | 182→

6 Fazit: Modellierung als ein Werkzeug zur Beschreibung von Sprachwechsel?

Quantitative Erforschung von Sprachwechsel mittels Modellierung und Simulationen ist ein geeignetes Werkzeug, um großflächig Tendenzen zu erkennen und darzustellen. Sie ist aber nur dort möglich, wo Daten in ausreichender Auflösung (mit hoher zeitlicher/räumlicher Genauigkeit) vorliegen. Dieser Punkt stellt auch die größte Herausforderung dar, da solche Daten für viele Sprachkontaktsituationen nicht verfügbar sind. Volkszählungsdaten bieten wie in Abschnitt 3.1 argumentiert eine mögliche Datenquelle, auch wenn das Ziel der Volkszählung nicht die direkte Erfassung von linguistischer Kompetenz ist bzw. die Ergebnisse nicht den tatsächlichen Sprachgebrauch reflektieren. Wichtig ist deshalb eine kritische Betrachtung der benutzten Daten: Was wurde tatsächlich gemessen? Wovon sind die Daten beeinflusst? Wenn im obigen Text immer von „Sprecher(inne)n“ geschrieben wurde, dann, weil sie in den Volkszählungsdaten so tituliert sind – auch wenn dies ganz neue, nicht-triviale Fragen aufwirft (Ab wann ist jemand ein Sprecher, eine Sprecherin einer Sprache? Drückt die Angabe „Slowenisch“ als Umgangssprache am Fragebogen tatsächliche Sprachkompetenz aus oder etwas anderes?).

Die mathematische Beschreibung und Modellierung von komplexen Prozessen kann zwar helfen, zugrundeliegende Zusammenhänge zu verstehen, aber sie ist kein Wundermittel, um absolute Beweise zu führen – schon gar nicht bei immateriellen Dingen wie Sprache, die viele Facetten hat, die teilweise gar nicht objektiv gemessen werden können (z. B. Prestige einer Sprache). Dies zeigt sich etwa am Beispiel des Einflusses der Schulsprache in Südkärnten in der Monarchiezeit: Die Simulation zeigt gemäß den Daten einen negativen Einfluss einer utraquistischen (i.W. zweisprachigen) Schule auf die Erhaltung der slowenischen Sprache. Daraus sollte aber nicht geschlossen werden, dass zweisprachige Schulen generell der Spracherhaltung schaden, und für ihre Abschaffung argumentiert werden. Nur mit dem Hintergrundwissen über den Schulstreit in Kärnten und das tatsächliche Wesen der utraquistischen Schule wird dieses Ergebnis verständlich: In der damaligen Form mag die utraquistische Schule tatsächlich nicht der Erhaltung der slowenischen Sprache gedient haben, weil sie von der Politik instrumentalisiert wurde, um die Interessen einer Seite zu vertreten. Das Fehlen von verwertbaren Daten zur Schulunterrichtssprache in der zweiten Periode zeigt auch, wo zukünftige Studien ansetzen können. Quantitative Beschreibung von Sprachwechsel kann demnach den qualitativen Zugang niemals ersetzen – aber hervorragend ergänzen.←182 | 183→

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1 Es gibt noch eine dritte Kategorie, „Andere“, die aber aufgrund der geringen zugeordneten Sprecher(innen)zahlen nicht berücksichtigt wurde.

2 In diesem Modell beträgt der mittlere absolute Fehler pro 1×1-km²-Zelle 18,4 Sprecher(innen) pro 30 Jahre für 1880–1910 und 12,9 Sprecher(innen) pro 30 Jahre für 1971–2001. Die berechnete Gesamtzahl an Slowenischsprecher(innen) 1910 beträgt 67.727, gegenüber 65.352 laut Volkszählung (= 3,6 % Abweichung). Für 2001 beträgt die berechnete Zahl 11.260, gegenüber 12.056 laut Volkszählung (=6,6 % Abweichung).