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Dimensions of Linguistic Space: Variation – Multilingualism – Conceptualisations Dimensionen des sprachlichen Raums: Variation – Mehrsprachigkeit – Konzeptualisierung

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Edited By Lars Bülow, Ann Kathrin Fischer and Kristina Herbert

This volume focuses on the use and structure of the German language in Austria. In addition, the aim of the book is to compare the linguistic conditions in Austria with those in other German speaking countries. The 20 articles present current findings from the research fields of variation, contact and perception.

Der Band widmet sich schwerpunktmäßig der Verwendung und Struktur der deutschen Sprache in Österreich. Ziel des Sammelbandes ist es außerdem, die sprachlichen Verhältnisse in Österreich mit denjenigen in anderen deutschsprachigen Ländern zu vergleichen. In 20 Beiträgen werden daher aktuelle Forschungsergebnisse aus den Forschungsbereichen Variation, Kontakt und Perzeption vorgestellt.

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Varietäten des österreichischen Deutsch aus der HörerInnenperspektive: Diskriminationsfähigkeiten und sozio-indexikalische Interpretation (Irmtraud Kaiser / Andrea Ender / Gudrun Kasberger)

Irmtraud Kaiser, Andrea Ender & Gudrun Kasberger

Varietäten des österreichischen Deutsch aus der HörerInnenperspektive: Diskriminationsfähigkeiten und sozio-indexikalische Interpretation

Abstract: Being a fully proficient member of a speech community encompasses, among others, sociolinguistic competence. In the present study we aim to ascertain if and when different groups of language learners and users are able to discriminate Austrian dialect and standard German and how they evaluate speakers of these varieties.

1 Soziolinguistisch kompetent werden in Österreich

Die Charakteristika der österreichischen Sprachsituation wurden schon häufig dargestellt (vgl. u. a. Wiesinger 1992; Ender/Kaiser 2009; Kaiser/Ender 2014). Dabei muss immer im Auge behalten werden, dass es – trotz bzw. vielmehr aufgrund der Kleinräumigkeit des Landes – bedeutende regionale Unterschiede innerhalb Österreichs gibt. Beispielsweise gibt es auch zwischen den vergleichsweise nur wenig weit voneinander entfernten Städten Wien und Linz Unterschiede nicht nur qualitativer Art, d. h. hinsichtlich der Ausprägung des Dialekts bzw. der umgangssprachlichen Zwischenformen, sondern vor allem auch in der Verwendungshäufigkeit von und der Einstellung gegenüber Dialekten. Ebenso ist für Letzteres entscheidend, ob man sich in städtisch oder ländlich geprägten Gegenden Österreichs befindet. Nicht zuletzt scheint es zudem immer noch markante Unterschiede zwischen den alemannischen und bairischen Dialektgroßräumen innerhalb Österreichs zu geben (vgl. Kaiser/Ender 2014).

Die Aufgabe, soziolinguistisch kompetent zu werden, bringt in Abhängigkeit von den oben umrissenen Faktoren unterschiedlich ausgeprägte Anforderungen mit sich. Im Kern geht es beim Erwerb1 soziolinguistischer Kompetenz jedoch immer um die Fähigkeit, sprachliche Varianten bzw. Varietäten (auch in ihrer sozio-indexikalischen Bedeutung) verstehen und produzieren zu können und sie situationsadäquat einsetzen zu können. Diese Lernaufgabe gilt für L1- wie←341 | 342→ auch für L2-Lernende gleichermaßen, auch wenn noch zu klären sein wird, ob der Erwerbsverlauf vergleichbar ist.

Für Kinder, die im österreichischen Kontext Deutsch als (eine) L1 erwerben, kann dies in Abhängigkeit von den spezifischen soziolinguistischen Erwerbsbedingungen eine unterschiedlich komplexe Aufgabe darstellen. Wie oben kurz angedeutet, kann ein österreichisches Kind in einer Wiener Familie mit mittlerem bis höherem SES (= socio-economic status) zunächst nahezu monolektal mit österreichischer Standardsprache aufwachsen. Diese durch das Elternhaus monolektal geprägte Sprachkompetenz kann durch eine Erweiterung des Sprachinputs durch die Peer-Group später ausgebaut werden; im Wiener Kontext wird das jedoch nur begrenzt der Fall sein. Jedoch wird das Kind früher oder später jedenfalls auch mit umgangssprachlichen oder dialektalen Äußerungen konfrontiert sein und sich zumindest teilweise rezeptive (und auch vereinzelt produktive) Kenntnisse aneignen. Am anderen Ende des Spektrums stehen Kinder, die in Vorarlberg oder in manchen stark ländlich geprägten Gebieten des bairischsprachigen Österreich aufwachsen. Der Input, dem diese Kinder durch das Elternhaus ausgesetzt sind, kann nahezu ausschließlich dialektal sein – zumindest in spontaner Kommunikation. Von Anfang an erhalten diese Kinder jedoch auch standardsprachlichen Input in Form von Vorlesebüchern und audiovisuellen Medien. Dieser Input wird tendenziell im Laufe der ersten Lebensjahre mehr, auch durch den Kindergarten, dessen Bildungsauftrag u. a. das ‚Hinführen‘ zur Standardsprache umfasst (vgl. Charlotte-Bühler-Institut 2009). Am komplexesten ist vermutlich allerdings die Inputsituation für jene Kinder, deren Spracherwerbskontext neben Standard und Dialekt auch durch Sprachformen im ‚Zwischenbereich‘ geprägt ist. ‚Umgangssprache‘ ist zum einen die Sprachform erster Wahl vieler österreichischer Erwachsener im Umgang mit Personen aus anderen (auch anderen deutschsprachigen) Ländern (vgl. Ender/Kaiser 2014), sie ist aber in städtischen Gebieten durchaus die von der Mehrheit bevorzugte alltägliche Sprachform (vgl. Steinegger 1998). Daneben scheinen auch zumindest manche2 Dialekt sprechende Eltern und andere Erwachsene im Umgang mit kleinen Kindern eher zu Umgangssprache und Standardsprache bzw. umgangs-/standardsprachlichen Elementen zu tendieren (vgl. Penzinger 1994; Moosmüller/Vollmann 1994; Kasberger/Gaisbauer 2017) – dieses Thema bedarf jedoch noch eingehenderer empirischer Betrachtung. Zum←342 | 343→ einen sind diese Kinder also auch mit sprachlichen ‚Mischformen‘ aus Standard und Dialekt konfrontiert und zum anderen sind die Zuordnungen von Sprecher/-innen bzw. Situationen zu Varietäten nicht kategorisch strukturiert. Während dies keinesfalls bedeutet, dass der Spracherwerb dieser Kinder dadurch behindert wird, erscheint es plausibel, dass diese Situation den Erwerb der Differenzierung der verschiedenen Varietäten verlangsamen könnte.

Rezeptive, aber auch produktive Fähigkeiten, mit Variation in ihrer gesamten Bandbreite zwischen Dialekt und Standard umgehen zu können, spielen auch für Zweitsprachlernende in Österreich eine wesentliche Rolle. Auch wenn Studien zur Sprachverwendung nahelegen, dass in der direkten Interaktion mit allochthonen Sprecher/-innen häufig eine standardnahe (oder zumindest -nähere) Sprechweise verwendet wird (vgl. Ender/Kaiser 2009: 287; Kaiser/Ender 2013: 289), ist Vertrautheit mit und Verständnis von Dialekt-Standard-Variation dem Sprach- (und Kultur-)verständnis nur zuträglich. Denn es kann zum einen davon ausgegangen werden, dass es in der Sprachverwendung, die an L2-Sprecher-/innen gerichtet ist, große interindividuelle Unterschiede gibt und dass darüber hinaus L2-Benutzer/-innen im Alltag in vielen Situationen mit mehreren autochthonen Interaktionspartner/-innen zumindest beiläufig Dialekt oder Umgangssprache erwerben. Produktive Variationskompetenz ist zwar nicht zwangsläufig das Ziel von Zweitsprachbenutzer/-innen und aufgrund der Tatsache, dass alle Österreicher/-innen Standardsprache verstehen können, keine Notwendigkeit; sie besitzt jedoch eine wichtige soziale Dimension. Regan (vgl. 2010: 22) versteht unter soziolinguistischer Kompetenz das Wissen und die Fähigkeiten von Sprecher/-innen bezüglich der Frage, wann und wie mit jemandem gesprochen, die Varietät gewechselt oder angepasst wird. Diese Fähigkeit ist eng verknüpft mit der Identität, die sich bei Sprecher/-innen aufgrund von eigener und von außen beeinflusster Wahrnehmung und Positionierung ausbildet. Soziolinguistische Kompetenz ist deshalb auch für L2-Sprecher/-innen im Hinblick auf Fragen der Gruppenzugehörigkeit und Gruppenbildung relevant (vgl. Ender 2017; Regan 2010).

Im Hinblick auf zielbasierte Variation (vgl. Durham 2014: 16–18), d. h. Sprachvariation, die den Gebrauchsmustern der umgebenden Sprachgemeinschaft entspricht, müssen L2-Benutzende herausfinden, welche Position auf dem Dialekt-Standard-Kontinuum unter welchen Interaktionsbedingungen gewählt werden kann, damit diese Wahl von den anderen Interaktionspartner/-innen als angemessen angesehen wird. Für autochthone Sprecher/-innen des mittelbairischen Raums verfügen Dialekt und Standard über „funktionales Prestige“: Während Dialekt im Zusammenhang mit Natürlichkeit, Ehrlichkeit, Sympathie und Humor besser abschneidet, wird Standardsprache als adäquater empfunden,←343 | 344→ wenn Bildung und Ernsthaftigkeit im Vordergrund stehen (vgl. Soukup 2009: 128; vgl. dazu auch die Untersuchung von Bellamy 2012). Sprachbenutzer/-innen erwerben somit nicht nur die Kompetenz, sich situationsabhängig des Dialekts, des Standards oder einer Sprachform im Zwischenbereich zu bedienen, sondern eignen sich auch bestimmte Einstellungen und Bewertungen gegenüber den verwendeten Varietäten an.

In den folgenden Abschnitten werden wir empirische Ergebnisse präsentieren, die eine vergleichende Perspektive auf Diskriminationsfähigkeiten und Präferenzen durch unterschiedliche Hörer/-innengruppen einnehmen. Zunächst stellen wir in Abschnitt 2 diese Hörer/-innengruppen genauer vor. Während sich Abschnitt 3 den Diskriminationsfähigkeiten widmet, steht Abschnitt 4 im Zeichen der sozio-indexikalischen Bewertung der Varietäten, wobei jeweils zunächst die Methodik und im Anschluss die Ergebnisse der einzelnen Gruppen dargestellt werden. Abschließend versuchen wir im letzten Abschnitt die zentralen Ergebnisse übergreifend zu betrachten und zu einem Fazit zu kommen.

2 Diskrimination und Präferenzen von Varietäten des österreichischen Deutsch: Teilnehmer/-innen der Studien

In der hier präsentierten Studie der Universität Salzburg und der PH der Diözese Linz werfen wir einen Blick auf die Diskrimination und die sozio-indexikalische Interpretation von Sprachvarietäten des österreichischen Deutsch durch verschiedene Hörer/-innengruppen in verschiedenen Erwerbs- bzw. Gebrauchssituationen. Wir stellen L1-Hörer/-innen verschiedener Altersgruppen (ab dem 4. Lebensjahr) sowie L2-Hörer/-innen verschiedener Erwerbs- und Altersgruppen einander gegenüber. Zu diesem Zweck wurden Aufgaben verwendet, die grundsätzlich für alle Alters- und Erwerbsstufen geeignet sind: eine A-B-X-Diskriminationsaufgabe zur Unterscheidung verschiedener Sprechweisen und eine Präferenzaufgabe in einem ‚Matched-Guise‘-Design in zwei Varianten für Kinder bzw. Jugendliche/Erwachsene.

In der vorliegenden Auswertung werden Daten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus verschiedenen Teiluntersuchungen zusammenschauend analysiert: Berücksichtigt werden zum einen Daten von insgesamt 205 Kindern mit L1 Deutsch (mono- und bilingual mit Deutsch), die zwischen Februar 2015 und Juni 2016 erhoben wurden. Die Altersspanne reicht von 3;4 bis 11;6. Diese Kinder besuchen Kindergärten bzw. Volksschulen in Salzburg und Oberösterreich in unterschiedlichen ländlichen und städtischen Gebieten, wo die Erhebungen auch stattfanden. Sie kommen mehrheitlich aus Familien, in denen sowohl Dia←344 | 345→lekt als auch Umgangssprache gesprochen wird. Die genaue Zusammensetzung der Stichprobe ist Tabelle 1 zu entnehmen.

Tabelle 1: Zusammensetzung der Altersgruppen in der Stichprobe der Kinder

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Es liegen uns zum anderen Daten von insgesamt 69 L2- und 58 L1-Benutzer/-innen des Deutschen im Jugend- bzw. Erwachsenenalter vor. Diese wurden im Zeitraum von März bis Juni 2016 von Studierenden nach festgelegtem Erhebungsschema in der Region von und um Salzburg und im Osten bis nach Linz verlaufend gesammelt. Die Gruppen teilen sich ungefähr zur Hälfte in jugendliche Sprecher/-innen im Alter von elf bis 19 Jahren und erwachsene Sprecher/-innen ab 20 auf (vgl. Tabelle 2).

Tabelle 2: Zusammensetzung der Gruppe der Jugendlichen und Erwachsenen (D.-Alter = Durchschnittsalter; SE = Seiteneinsteiger/-innen mit Erwerbsbeginn ab 7 Jahren)

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←345 | 346→

Die Gruppe der L1-Jugendlichen ist im Durchschnitt 15,9 Jahre alt (mit einer Spannweite von elf bis 19), jene der L2-Jugendlichen im Durchschnitt 15,8 Jahre. Die L1-Erwachsenen sind mit einer Spannweite von 20 bis 68 Jahren im Durchschnitt 34,2 Jahre und die L2-Erwachsenen mit einer Spannweite von 20 bis 48 Jahren 28,3 Jahre alt. Innerhalb der Gruppe der L2-Benutzer/-innen gibt es 44 Personen, deren Deutscherwerb erst im Schulalter (ab sieben Jahren) begonnen hat (vier davon während der Grundschulzeit, d. h. unter zehn). Diese bezeichnen wir als Seiteneinsteiger/-innen. Die verbleibenden 25 Personen sind in Österreich geboren oder haben im Vorschulalter mit dem Deutscherwerb begonnen. Die Seiteneinsteiger/-innen waren bei ihrer Ankunft in Österreich im Mittel 18 Jahre alt (Spanne von sieben bis 36 Jahre). Der Kontakt zu den Gewährspersonen wurde über Institutionen, in denen Sprachlernkurse organisiert und durchgeführt werden, über Vereine und ebenso über private Netzwerke hergestellt; alle nahmen freiwillig und ohne Entschädigung an der Untersuchung teil.

3 Diskriminationsfähigkeiten

Die Fähigkeit, die beiden Varietäten Standardsprache und Dialekt voneinander zu unterscheiden, soll hier Diskriminationsfähigkeit genannt werden. Diese Teilkompetenz wurde bislang im österreichischen Sprachraum in der Forschung völlig vernachlässigt, sodass nicht bekannt ist, wann österreichische Kinder oder L2-Lernende zwischen den Varietäten unterscheiden können. Auch aus dem sonstigen deutschsprachigen Raum liegt zur Diskriminationsfähigkeit von Kindern unseres Wissens nur eine einzige Studie vor: Häcki Buhofer/Studer (vgl. 1993) berichten, dass Deutschschweizer Erst- und Zweitklässler (7–8-Jährige) sehr gut zwischen verschiedenen schweizerdeutschen Dialekten und auch zwischen Dialekt und Standarddeutsch unterscheiden konnten. Die Deutschschweizer Situation ist allerdings aufgrund der ausgeprägten medialen Diglossie mit der österreichischen Situation nur sehr bedingt – bzw. wohl nur mit der Situation einer Teilgruppe der österreichischen Kinder – vergleichbar.

Im DaF-Bereich wurde von Lam/O’Brien (vgl. 2014) in einer Studie mit Studierenden unterschiedlicher DaF-Niveaus festgestellt, dass die Diskriminationsfähigkeiten zwischen verschiedenen deutschen Dialekten einerseits und Standardsprache andererseits recht gut ausgeprägt sind und positiv mit dem Sprachniveau korrelieren. Am schwierigsten von der Standardsprache zu unterscheiden waren für die DaF-Lernenden die ostmitteldeutschen Dialekte.←346 | 347→

3.1 Methodik

Die Diskriminationsfähigkeit wurde in einem sogenannten A-B-X-Design, das für alle Teilnehmergruppen gleich war, untersucht. Die A-B-X-Methode wurde in Anlehnung an Beck (vgl. 2014) entwickelt. Die Items entsprachen zwei verschiedenen Versionen, die sich im Anforderungsgrad unterschieden.

Die Teilnehmer/-innen sahen in einer Powerpoint-Präsentation jeweils die Zeichnung eines Mädchens oder eines Buben (A), das/der einen Satz im Standard oder im lokalen Dialekt (unterschiedliche Versionen für Salzburg und Oberösterreich) sagte. Daraufhin erschien ein zweites Mädchen/ein zweiter Bub (B), das/der den lexikalisch identischen Satz in der jeweils anderen Varietät (Standard/Dialekt) sagte. Schließlich erschien eine dritte Figur (X), die in Version 1 wiederum den gleichen Satz in einer der beiden Varietäten äußerte. Aufgabe der Probandinnen und Probanden war es nun, zu entscheiden, ob Mädchen/Bub X so redete wie A oder B. Sie sollten also die Sprecher/-innen der gleichen Varietät einander zuordnen.

Version 2, die etwas anspruchsvollere Aufgabe, unterschied sich nur insofern von Version 1, als die dritte Figur (X) einen semantisch und lexikalisch anderen Satz in einer der beiden Varietäten äußerte. Die Aufgabenstellung, nämlich zu entscheiden, ob Mädchen/Bub X so redete wie A oder B, blieb die gleiche. Diese Version wurde allerdings nicht mit den 3- und 4-jährigen Kindern durchgeführt, nachdem sich dies in Pilotversuchen als nicht zielführend herausgestellt hatte.

Um Einflüsse durch idiosynkratische Sprechermerkmale bzw. durch die visuelle Darstellung zu minimieren, wurden die Sprachproben von Mädchen/Bub A und B von den jeweils gleichen Sprecherinnen /Sprechern eingesprochen und die Farben in den (ansonsten identischen) Zeichnungen gleich gehalten, lediglich anders platziert.

Die Sprachproben enthielten neben phonologischen Dialekt-/Standardunterschieden lediglich hochfrequente morphologische/lexikalische Merkmale wie die Flexionsformen von ‚sein‘ und die Negationspartikel ‚net‘ (‚nicht‘), jedoch keine syntaktischen Dialektmerkmale. Sie wurden bewusst so formuliert, dass sie einer ‚zeitgemäßen‘ Dialektverwendung entsprechen, in der nicht nur basisdialektaler Wortschatz vorkommt.

Beispiel:

Die Marillen schmecken noch nicht gut, die sind ja total sauer.

Phonetische Realisierung (weite Transkription):

Österr. Standarddeutsch: diː ma’ʀɪlən ‘ʃmɛkən nɔx nɪçt guːt diː sɪnt jaː to’taːl ‘saʊɐ

Dialekt (Salzburger Flachgau)ː deː ma’riːn ‘ʃmekan nuː neːt guɐt deː haːn jɔː to’taːl ‘saʊɐ←347 | 348→

3.2 Ergebnisse

Im Folgenden werden in aller Kürze die wichtigsten Ergebnisse – zunächst die der Kinder mit L1 Deutsch und im Anschluss die der Jugendlichen und Erwachsenen mit Deutsch als L1 oder L2 – dargestellt.

3.2.1 Kinder

Version 1 (gleiche Sätze) wurde mit 115 Kindern durchgeführt; für Version 2 (verschiedene Sätze) liegen uns Daten von 153 Kindern vor.

Abbildung 1: Altersentwicklung der Diskriminationsfähigkeit in Version 1 (gleiche Sätze) und in Version 2 (unterschiedliche Sätze) bei Kindern mit L1 Deutsch; *= statistisch signifikant überzufällig korrekt3

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Wie in Abb. 1 deutlich erkennbar ist, ergeben sich unterschiedliche Erwerbsstufen für Version 1 und Version 2 der Diskriminationsaufgabe. Version 1, die auf die perzeptive Unterscheidungs- bzw. Zuordnungsfähigkeit abzielt, indem lexikalisch gleiche Sätze präsentiert werden, ist bereits für Kinder ab dem Alter von fünf Jahren überzufällig häufig korrekt lösbar. Version 2 hingegen, die die Verfügbarkeit von abstrakten Kategorien erfordert, die mehrere lexikalische und phonologische Merkmale zu Varietäten zusammenfassen und es damit erlauben, Varietäten über unterschiedliche Äußerungen hinweg wiederzuer←348 | 349→kennen, ist deutlich anspruchsvoller. Sie wird erst von 8-Jährigen statistisch signifikant überzufällig häufig korrekt gelöst. Ab dem Alter von acht/neun Jahren sind beide Aufgabenversionen für die Kinder ohne größere Schwierigkeiten bewältigbar.

Als wichtigster soziodemographischer Prädiktor für die Diskriminationskompetenz stellte sich im Übrigen für beide Versionen der Bildungsgrad der Mutter (als Indikator für den sozioökonomischen Status) heraus. Für Version 2 erwies sich auch die Diatopie als signifikanter Prädiktor insofern, als Kinder in der Stadt die Varietäten besser unterscheiden konnten als Kinder auf dem Land. Dieser Faktor muss jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, da Diatopie in unserem Sample mit dem Bildungsgrad der Mutter korreliert und nicht vollständig geklärt werden kann, ob sie darüber hinaus einen Beitrag zur Aufklärung der Varianz leistet. Für eine ausführlichere Diskussion dieser und weiterer (jedoch weniger einflussreicher) Prädiktoren (Bilingualismus und Sprachvariation zuhause) verweisen wir aus Platzgründen auf Kaiser/Kasberger (2018).

3.2.2 Jugendliche und Erwachsene mit Deutsch als Erst- und Zweitsprache

Entsprechend den guten Ergebnissen bei den älteren Kindern finden wir auch bei den Jugendlichen mit Deutsch als Erstsprache sehr hohe Diskriminierungsraten von über 85 % sowohl bei Version 1 als auch bei Version 2. Bei den erwachsenen Erstsprachbenutzenden lässt sich mit ca. 90 % richtigen Zuordnungen noch eine leichte Steigerung im Vergleich zu den Jugendlichen beobachten. Die guten Zuordnungswerte bei den jugendlichen wie auch erwachsenen L2-SprecherInnen von jeweils über 80 % sprechen dafür, dass die grundsätzliche Fähigkeit zu unterscheiden auch bei den Zweitsprachgebrauchenden insgesamt gut ausgeprägt ist (vgl. Abb. 2) und sich die befragten L2-Benutzenden gesamthaft in einem Wilcoxon-Rangsummen-Test in der Fähigkeit, Dialekt und Standard unterscheiden zu können, nicht signifikant von den L1-Benutzenden unterscheiden.←349 | 350→

Abbildung 2: Diskriminationsfähigkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen mit Deutsch als L1 und L2 bei Version 1, d. h. den gleichen Sätzen, und Version 2, d. h. den unterschiedlichen Sätzen4

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Die Betrachtung von verschiedenen möglichen Einflussvariablen wie Alter oder Seiteneinsteiger-Status bringt zusätzlich zum allgemeinen guten Diskriminierungsergebnis nur geringe Tendenzen zutage (vgl. Abb. 3): Die leichte Steigerung von den jugendlichen zu den erwachsenen Erstsprachbenutzenden wird durch das Ergebnis gestützt, dass auch die älteren, d. h. 16+, Jugendlichen die besseren Zuordnungen treffen (88 % für die einfacheren und 95 % für die schwierigen Sätze) als die unter 16-Jährigen (80 % für die einfacheren und 77,5 % für die schwierigeren Sätze). Verständlicherweise spielt Alter aufgrund des unterschiedlichen Erwerbs- und Gebrauchskontextes bei den L2-Sprechenden keine Rolle. Hier zeigt sich jedoch sowohl bei den jugendlichen wie auch den erwachsenen Personen, dass sich die Tatsache, ob jemand als Seiteneinsteiger/-in in das österreichische Bildungswesen bzw. die Arbeitswelt eingetreten ist, durchaus auf die Diskriminationsfähigkeit auswirkt. Während die L2-Nicht-Seiteneinsteiger/-innen auf den hohen Werten der L1-Sprecher/-innen liegen, treffen Seiteneinsteiger/-innen für die einfacheren (Version 1) tendenziell schlechtere (in einem Wilcoxon-Rangsummentest p=0,055) und für die schweren Sätze←350 | 351→ (Version 2) statistisch signifikant schlechtere (p=0,0058) Zuordnungen als die L2-Nicht-Seiteneinsteiger/-innen.

Abbildung 3: Unterschiede in der Diskriminationsfähigkeit in Abhängigkeit vom Alter (u16 und 16plus) bei den L1-Jugendlichen bzw. im Vergleich zwischen Seiteneinsteiger/-innen und Nicht-Seiteneinsteiger/-innen bei L2-Sprecher/-innen (k. SE = keine Seiteneinsteiger/-innen; SE = Seiteneinsteiger/-innen)5

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Festzuhalten ist jedoch insgesamt, dass die jugendlichen und erwachsenen Zweitsprachgebrauchenden ungeachtet ihres Alters, ihrer Aufenthaltszeit oder auch der Menge des Deutschgebrauchs – dessen höheres Ausmaß ebenfalls nur eine minimale Steigerung bewirkt – insgesamt eine sehr hohe Diskriminationsfähigkeit aufweisen.

4 Präferenzen

Im Hinblick auf Präferenzen bzw. Einstellungen von Erwachsenen gegenüber den österreichischen Varietäten Dialekt und Standardsprache liegen bereits einige Untersuchungsergebnisse vor. So stellte Soukup (vgl. 2009) in einer ‚Verbal-Guise‘-Erhebung mit 242 Studierenden in Oberösterreich fest, dass Dialekt←351 | 352→ tendenziell als natürlicher, lockerer, emotionaler, ehrlicher, sympathischer und humorvoller wahrgenommen wird als Standardsprache, aber auch als derber, grober, aggressiver, ungebildeter, unintelligenter, weniger ernst und unhöflicher. Entlang der bekannten Dimensionen aus der Spracheinstellungsforschung bedeutet das, dass Dialekt hinsichtlich der ‚Sympathie‘-Dimension positiver, hinsichtlich der ‚Kompetenz‘-Dimension jedoch negativer besetzt ist als die österreichische Standardsprache. Bellamy (vgl. 2012) lieferte die bislang unseres Wissens einzige Studie, die auch die Einstellungen Jugendlicher (14–18-Jähriger) in Österreich miterhob. Es zeigten sich in seiner Matched-Guise-Studie im Allgemeinen die gleichen Tendenzen wie bei Soukup, mit einer Tendenz der Jugendlichen, alle Sprecher/-innen etwas negativer zu bewerten als die Erwachsenen.

Die bislang fehlende Forschung im österreichischen Kontext lässt bezüglich Einstellungen von Kindern gegenüber den österreichischen Varietäten kaum Aussagen zu. In der deutschsprachigen Schweiz beschrieben Häcki Buhofer et al. (vgl. 1994) die Entwicklung von einer neutralen Grundhaltung den Varietäten gegenüber, die das Kindergartenalter prägt, zu einer am Anfang der Schulzeit positiven Haltung gegenüber der Standardsprache, die schließlich schnell in eine negative Einstellung umschlägt. Dies steht im Kontrast zu Studien aus anderssprachigen Kontexten, wo die Schuljahre auch mittelfristig mit einer besonders positiven Haltung gegenüber der Standardsprache und einer damit einhergehenden Abwertung des Dialekts verbunden sind (vgl. Day 1980; Cremona/Bates 1977; Kinzler/DeJesus 2013).

Im Zuge des L2-Spracherwerbs bauen auch L2-Lernende bestimmte Vorstellungen über Sprachvariation sowie Einstellungen gegenüber den Sprechenden unterschiedlicher Varietäten auf. So konnten etwa Baßler/Spiekermann (vgl. 2001) in einer Befragung von Sprachkursbesucher/-innen im süddeutschen Raum feststellen, dass diese einer Integration der lokalen Varietät in den Unterricht gegenüber sehr aufgeschlossen sind, um Alltagssituationen möglichst erfolgreich bewältigen zu können. Gleichzeitig haben die Lernenden, was den sozialen Status der Dialektsprecher angeht, auch konkrete – nur teilweise mit ihren muttersprachlichen Lehrpersonen überlappende – Vorstellungen davon, welche sozialen Gruppen Dialekt (nämlich Bauern) und Standardsprache (nämlich Akademiker/-innen) sprechen. Dass unterschiedliche Einstellungen gegenüber Dialekt und Standardsprache auch das Sprach(lern)verhalten beeinflussen können, zeigt Ender (vgl. 2015; 2017) durch qualitative Analysen der Auskünfte und des Sprachverhaltens von L2-Lernenden im Deutschschweizer Kontext. Im österreichischen Kontext fehlen unseres Wissens bislang Erkenntnisse zur sozio-indexikalischen Interpretation von Dialekt und Standard durch L2-Sprecher/-innen.←352 | 353→

4.1 Methodik Kinder

Unter Beibehaltung der grundsätzlichen Idee des ‚Matched-guise‘-Verfahrens wurde eine adaptierte, gekürzte Version für die Testung von Kindern entwickelt. Bei diesem Verfahren sollten die Kinder zwischen je zwei Ärztinnen bzw. Ärzten wählen, die jeweils unterschiedliche Varietäten sprachen und die eine kranke Puppe untersuchen sollten. Die kurzen Texte der Ärzte bzw. Ärztinnen wurden von der-/demselben Sprecher/-in in Dialekt bzw. Standardsprache eingesprochen. Den Kindern wurden zur Unterstützung gleichzeitig zeichnerische Darstellungen der Ärzte/Ärztinnen präsentiert, die sich lediglich in der Farbe von Hose bzw. Oberteil voneinander unterschieden. Um tatsächlich alle Störvariablen auszuschließen, wurden dennoch zudem die Farbzuordnungen sowie die Reihenfolge der Varietäten quasi-randomisiert. Das Kind sollte im Anschluss wählen, welche/r der beiden Ärzte bzw. der beiden Ärztinnen die Puppe untersuchen soll. Auch in dieser Untersuchung wurde mit unterschiedlichen Aufnahmen für Salzburg und Oberösterreich gearbeitet. Die Unterschiede in den Sprachproben werden in der folgenden Gegenüberstellung anhand der literarisch transkribierten Ausschnitte des Arztes (Salzburger Sprecher) illustriert.

Grüß dich. Ich bin der Dr. Maier. Jetzt habt ihr ein bisschen warten müssen, gell. Aber ein kleines Mädchen war noch vor euch dran. Aber jetzt seid ihr an der Reihe. Darf ich mir den Bauch von deiner Puppe einmal anschauen?

Griasdi! I bin da Herr Dr. Tasch. Iatz hobts nu a bissl woatn miasn, gö, wei a kloas Diandl bei mia woa. Owa iatz sads es dro. Deaf i amoi den Bauch vo deina Puppm oschau?

Die dialektale Begrüßung enthält viele der typischen (mittel-)bairischen Dialektmerkmale, so etwa die charakteristische a-Verdumpfung (mhd. A-Laute wurden im Bairischen zu /o/ und /ɔ/ gehoben) wie in [hɔbts] ‚habt (ihr)‘, l-Vokalisierung [amo̯e] ‚einmal‘ oder die charakteristische s-Endung der Verben in der 2.P.Pl. [hɔbts] ‚habt ihr‘ [sats] ‚seid ihr‘ sowie dialektale Artikel- und Pronomenformen (vgl. Wiesinger 1983: 836–842; Mauser 2009: 62–66; Scheutz 2009: 21–23, 41–44; Zehetner 1985).

4.2 Ergebnisse der Präferenzen der Kinder

Die Ergebnisse werden für die Wahl des Arztes und der Ärztin separat dargestellt, weil sie unterschiedlich stark ausgeprägt sind.←353 | 354→

Abbildung 4: Altersentwicklung der Präferenzen bei der Wahl des Arztes und der Ärztin6

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Auch wenn die Unterschiede bei der Wahl des Arztes ausgeprägter sind, sind die Entwicklungsmuster bei der Wahl des Arztes und der Ärztin grundsätzlich vergleichbar: Während es vor dem bzw. bis zum Alter von sieben Jahren keine eindeutigen Präferenzen hinsichtlich der Varietät, die der Arzt bzw. die Ärztin sprechen soll, gibt, zeigt sich spätestens ab dem zweiten Schuljahr eine eindeutige Bevorzugung der Standardvarietät. Die deutliche Vorliebe für einen standardsprechenden Arzt erreicht bei den 8-Jährigen sogar statistische Signifikanz, deskriptiv ist jedoch auch die Präferenz für die standardsprechende Ärztin bei den 8- und 9-Jährigen deutlich gegeben. Bei den Kindergartenkindern lässt sich dabei ein Zusammenhang mit dem Bildungsgrad der Mutter erkennen: Kinder mit höher gebildeten Müttern bevorzugen tendenziell die standardsprechende Ärztin. Dieser Zusammenhang lässt sich aber interessanterweise nicht eindeutig mit der aktiven Varietätenwahl der Mütter erklären. Gleichzeitig gilt er auch nur für die Ärztin, nicht für den Arzt, und nur für die Kindergartenkinder. Ob die Kinder auf dem Land oder in der Stadt aufwachsen, hatte in unseren Daten keinen Einfluss auf die Präferenzen. Die Entwicklung bei den Schulkindern, also die deutlich werdende Aufwertung des Standards, scheint hingegen unabhängig von soziodemographischen oder familiären Input-Variablen zu sein; hier ist ein←354 | 355→ Zusammenhang mit der Institution Schule – insbesondere dem Schriftspracherwerb – zu vermuten.7

Interessanterweise schwächt sich die Präferenz für den Standard bei den älteren Volksschülerinnen und -schülern wieder ab, im Fall der Ärztin verschwindet sie sogar völlig. Möglicherweise werden in diesem Alter neue, andere Dimensionen in der Varietätenwahrnehmung tragend. In dieser Hinsicht soll ein Blick auf die anschließenden Altersgruppen weiteren Aufschluss bringen.

4.3 Methodik Jugendliche und Erwachsene

Für die Untersuchung der Einstellungen bei den Jugendlichen und Erwachsenen konnte ein klassisches ‚Matched-Guise‘-Design (vgl. Lambert et al. 1960) eingesetzt werden, in dem ähnliche Sprecher/-innenrollen wie mit den Kindern, nämlich je eine Ärztin und ein Arzt sowie zusätzlich eine Verkäuferin (Bäckerei) und ein Verkäufer (Feinkost), gewählt wurden. Die verschiedenen Sprecher/-innenrollen wurden ausgewählt, um eventuell vorhandene Unterschiede im funktionalen Prestige der Varietäten besser erfassen zu können. Wie in der Erhebung mit den Kindern spricht tatsächlich der- bzw. dieselbe Sprecher/-in denselben Ausschnitt einer fiktiven Alltagsbegrüßungssituation einmal im Dialekt und einmal im österreichischen Standard. Die Teilnehmerinnen wurden insgesamt mit acht Begrüßungssituationen konfrontiert und waren nach jeder Situation aufgefordert, die sprechende Person nach dem folgenden Modell zu bewerten.

Abbildung 5: Bewertungsraster für den Arzt (dialektal oder standardsprachlich)

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Die Reihenfolge der acht Begrüßungssituationen wurde in zwei Versionen variiert, um Reihungseffekte zu minimieren.

Bei den jugendlichen und erwachsenen Sprecher/-innen liegen uns somit im Unterschied zu den Kindern keine dichotomen Präferenzangaben, sondern Bewertungen der Einzelpersonen auf einer siebenstufigen Skala (-3 bis +3) auf verschiedenen←355 | 356→ Dimensionen (Gesamteindruck, Sympathie und Kompetenz) vor. Im Folgenden wird unter Einbezug der Bewertungen zum Gesamteindruck zunächst auf den Arzt und die Ärztin fokussiert und Ausblicke auf die Rollen aus dem Verkauf gegeben.

4.4 Ergebnisse der Präferenzen der Jugendlichen und Erwachsenen

Grundsätzlich fällt auf, dass alle Sprecher/-innen im Mittel positiv bewertet werden, was durch die entgegenkommende, freundliche Formulierung der eingesprochenen Begrüßungssituation erklärt werden kann. Im Anschluss an die Präferenzen der Kinder fällt auf, dass bei den L1-Jugendlichen ebenfalls die Bewertungen der standardsprechenden Personen jeweils besser ausfallen als die der entsprechenden Dialektsprecher/innen (vgl. Abb. 6), bei der Ärztin ist dieser Unterschied tendenziell signifikant (in einem Wilcoxon-Rangsummentest p=0,053).

Abbildung 6: Bewertung des Gesamteindrucks bei Arzt und Ärztin im Dialekt-Standard-Vergleich durch jugendliche und erwachsene Sprecher/-innen

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Die L2-Jugendlichen liegen in der Tendenz, grundsätzlich für die standardsprechende Person die etwas bessere Bewertung zu geben, nahe an ihren L1-Alterskolleginnen und -kollegen (bei der Ärztin ist das Ergebnis wiederum tendenziell signifikant p=0,074). Darüber hinaus fällt auf, dass sie in ihren Bewertungen zwar grundsätzlich kritischer sind als die L1-Jugendlichen, dass jedoch der Unterschied zulasten der dialektsprechenden Personen noch etwas größer zu sein scheint. So lässt sich etwa beim Arzt wiederum ein tendenziell signifikanter Unterschied (p=0,0625) zwischen der Bewertung der jugendlichen L1- und L2-Sprecher/-innen ausmachen, während dies für die standardsprechende Person nicht der←356 | 357→ Fall ist (vgl. hierzu auch Ender/Kasberger/Kaiser 2017). Bei den erwachsenen L1-Sprecher/-innen fallen die Bewertungen für die dialekt- und standardsprachliche Person bei Arzt und Ärztin jeweils sehr ähnlich aus; hingegen kann bei den L2-Sprechenden die standardsprechende Person jeweils stärker punkten. Dies ist bei der Ärztin deutlicher ausgeprägt als beim Arzt.

Dass die Variation zwischen Dialekt und Standard bei den österreichischen Erwachsenen nicht in allen Kontexten ohne Effekt zu sein scheint, soll das Beispiel des Feinkostverkäufers illustrieren (Abb. 7). Hier fällt die Bewertung des Verkäufers durch die erwachsenen L1-Sprecher/-innen signifikant besser aus, wenn er Dialekt spricht (p=0,004). Das gibt zwar Hinweise in die Richtung des funktionalen Prestiges von Dialekt und Standard, wie es auch Soukup (2009) konstatiert, verlangt jedoch für ein robustes Ergebnis noch eine größere Stichprobe, vor allem auch, da das Ergebnis bei der Brotverkäuferin nur schwach in diese Richtung deutet. Die L1- und L2-Jugendlichen, ebenso aber auch die L2-Erwachsenen bewerten den dialekt- und standardsprechenden Verkäufer im Einklang mit dem Bild, das sich bei den Rollen aus dem medizinischen Kontext gezeigt hat: Die L2-Sprechenden bewerten jeweils den Dialektsprecher etwas kritischer als den Standardsprecher.

Abbildung 7: Bewertung des Gesamteindrucks beim Feinkostverkäufer im Dialekt-Standard-Vergleich durch jugendliche und erwachsene Sprecher/-innen

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Insgesamt zeigt sich somit, dass Dialekt-Standard-Gebrauch auch bei Jugendlichen und Erwachsenen mit Deutsch als Erstsprache nicht zwangsläufig dieselben Interpretationen hervorruft. Ferner beobachten wir die Tendenz einer kritischeren Beurteilung der Dialektsprecher/-innen durch L2-Sprecher/-innen.

5 Zusammenschau und Fazit

Die vorliegende Studie liefert über verschiedene Altersgruppen und Erwerbskontexte hinweg erste Einblicke in die Entwicklung der Diskriminationskompetenz und der sozio-indexikalischen Interpretation der Varietäten des österreichischen Deutsch.

In Bezug auf die diskriminativen Fähigkeiten kann mithilfe eines ABX-Designs in zwei Schwierigkeitsstufen gezeigt werden, dass Kinder ab fünf Jahren die Zuordnung in der Schwierigkeitsstufe 1 (gleiche Sätze) bereits überzufällig häufig korrekt treffen, während die Sätze der Schwierigkeitsstufe 2 (unterschiedliche Sätze) erst von Kindern ab acht Jahren überzufällig häufig korrekt zugeordnet werden. Im Alter von neun Jahren kann die Diskriminationskompetenz als erworben gelten. Die Untersuchung mit den L1-sprechenden Jugendlichen und Erwachsenen bestätigt, dass sich die Diskriminationskompetenz in den Jugendjahren konsolidiert und bei den Erwachsenen schließlich nur mehr äußerst geringe interindividuelle Variation zeigt. Die L2-sprechenden Jugendlichen und Erwachsenen verfügen ebenfalls über eine hohe Diskriminationskompetenz, die jedoch bei den jugendlichen und erwachsenen Seiteneinsteiger/-innen gerade auf Schwierigkeitsstufe 2 deutlich schwächer ausgeprägt ist.

Hinsichtlich der Präferenz der Varietäten können anhand eines angepassten Matched-Guise-Tests bis zum Alter von sieben Jahren keine klaren Tendenzen festgestellt werden, wobei sich bei den Kindergartenkindern ein Zusammenhang mit dem Bildungsgrad der Mutter ergibt, jedoch nur im Hinblick auf die Varietätenwahl der Ärztin. Ab dem zweiten Schuljahr zeigt sich hingegen eine Bevorzugung der Standardvarietät (mit statistischer Signifikanz im Alter von acht Jahren). Diese Präferenz für die Standardvarietät schwächt sich bei den älteren Volksschulkindern wieder ab. Die Ergebnisse der jugendlichen und erwachsenen Sprechenden führen dieses Bild zur Bewertung von Arzt/Ärztin in einem Matched-Guise-Test grundsätzlich plausibel fort. Die Jugendlichen zeigen eine leichte Präferenz für die standardsprechende Person, die Erwachsenen urteilen hingegen im Mittel ausgeglichener. Darüber hinaus lässt sich beobachten, dass Jugendliche und Erwachsene offenbar nicht in allen Begrüßungskontexten (medizinischer Kontext und Verkauf) dieselben Bewertungen treffen. Während die Jugendlichen insgesamt eine gewisse Standardaffinität an den Tag legen, gibt←358 | 359→ bei den Erwachsenen die höhere Bewertung des Dialekts im Verkaufskontext Hinweise auf Unterschiede im funktionalen Prestige von Dialekt und Standard. Bewertungen der L2-Sprechenden ergänzen das Bild insofern, als sie allgemein die Sprecher/-innen der Standard-Varietät noch etwas besser bewerten bzw. die Dialektsprecher/-innen etwas kritischer. Insgesamt zeugt jedoch die durchaus positive Bewertung auch des Dialekts von einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber der regionalen Sprachform (vgl. die Befragungsergebnisse von Baßler/Spiekermann 2001 und Ender/Kasberger/Kaiser 2017).

Die Ergebnisse unserer Studie geben erste Einblicke in die perzeptive Dimension von Variationskompetenz im bairisch-österreichischen Umfeld – sie weisen aber auch darauf hin, dass eine weiterführende Untersuchung mit einer Erhöhung der Stichprobenzahl insbesondere bei den jugendlichen und erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, aber eventuell auch der verwendeten Sprachproben bzw. Sprecher/-innenrollen von Interesse wäre. So würde sich im Kontext des Zweitspracherwerbs eine feingliedrige Analyse der Funktionalität der Varietäten sowie eine ganzheitliche Modellierung des Einflusses verschiedener Variablen (z. B. Erwerbskontexte, sprachlicher Input) auf die Diskriminationskompetenz empfehlen, um besonders in der ersten Kontaktzeit mit Deutsch die Entwicklung in der Unterscheidungskompetenz genauer abbilden zu können. Im Hinblick auf die sozio-indexikalische Interpretation sollte durch eine Analyse von zusätzlichen Sprecher/-innen und insbesondere im Hinblick auf eine genauere Analyse der Kompetenz und Sympathie-Dimension hin untersucht werden, ob sich die beschriebenen Unterschiede zwischen jugendlichen und erwachsenen Erstsprachsprechenden bestätigen und wenn ja, ob es sich dabei um Kohorten- oder Alterseffekte handelt. Dass L2-Lernende aufgrund unterschiedlicher Erwerbs- und Gebrauchskontexte und sich dadurch konstituierender sozialer Identitäten (vgl. Regan 2010) teilweise eigenständige und auch von L1-Sprechenden abweichende sozio-indexikalische Interpretationen vornehmen, ist nachvollziehbar. Eine Absicherung durch weitere Daten und den Einbezug von weiteren möglichen soziodemographischen, psychologischen oder sozialen Faktoren ist jedoch auch hier angezeigt.

Eine Berücksichtigung von Erkenntnissen zur sozio-indexikalischen Interpretation von Sprachvariation ist schließlich im institutionellen Schul- bzw. Sprachkurs-Kontext relevant, da sie den Erwerb einer varietätenflexiblen Sprachkompetenz und -identität aller Sprecher/-innen des österreichischen Deutsch unterstützen kann.←359 | 360→

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1 Wir verwenden die Ausdrücke „Spracherwerb“ und „-lernen“ hier synonym, wenn nicht anders spezifiziert.

2 Penzinger (vgl. 1994) weist auf die soziolinguistische Beobachtung hin, dass die Tendenz, „seine Sprachgewohnheiten zu verändern, um sozial aufsteigen zu können“ vorwiegend für die sozial mobile untere Mittelschicht charakteristisch sei (vgl. u. a. auch Trudgill 1972), während die ‚Unterschicht‘ und die gehobene Mittelschicht in dieser Hinsicht „nichts zu gewinnen oder zu verlieren“ hätten (Penzinger 1994: 134).

3 in einem Einstichproben-t-Test. Version 1: 3-Jährige: n=8; 4-Jährige: n=15; 5-Jährige: n=29, p=0,045; 6-Jährige: n=21, p=0,012; 7-Jährige: n=14; 8-Jährige: n=9, p=0,002; 9-Jährige: n=7, p<0,001; 10-Jährige (inkl. zwei 11-Jährige): n=12. Version 2: 5-Jährige: n=13; 6-Jährige: n=17; 7-Jährige: n=30; 8-Jährige: n=42, p<0,001; 9-Jährige: n=26, p<0,001; 10-Jährige: n=25 (inkl. zwei 11-Jährige), p<0,001.

4 Jugendliche: L1: n=29; L2: n=33; Erwachsene: L1: n=29; L2: n=36.

5 L1-Jugendliche: <16: n=10; 16+: n=19; L2-Sprecher/-innen: keine Seiteneinsteiger/-innen: n=25, Seiteneinsteiger/-innen: n=44.

6 3-Jährige: n=8; 4-Jährige: n=17; 5-Jährige: n=31; 6-Jährige: n=23; 7-Jährige: n=32; 8-Jährige: n=43, p=0,002 (Einstichproben-Binomialtest für standard- vs. dialektsprechenden Arzt); 9-Jährige: n=26; 10-Jährige: n=25.

7 Für eine weiterführende Diskussion der Präferenzdaten der Kinder und Zusammenhänge mit soziodemographischen Variablen siehe Kaiser/Kasberger (ersch. demn.).