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Die Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseprosa von Wolfgang Büscher und Karl-Markus Gauß

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Anna Pastuszka

Eine extreme Fußreise durch Osteuropa, Forschungsreisen zu den versprengten Minderheiten ˗ in ihrer Reiseprosa erschliessen Büscher und Gauß das durch den Eisernen Vorhang jahrelang abgeschottete östliche Europa. Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Inszenierung der Reise und des durchwanderten fremden Raums im Hinblick auf die imaginären Raumentwürfe von Ost- und Mitteleuropa, auf die westlichen mental maps und die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beleuchtet narrative Herangehensweisen an den ostmitteleuropäischen Raum und gewährt einen Einblick in die literarische Kartographierung Europas nach der Wende. Im Medium der Reiseliteratur erfolgt bei den Autoren eine subjektive Vermessung der osteuropäischen Fremde sowie ein Remapping der kognitiven Karten Europas.

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2. Vom Reisebericht zur Reiseliteratur. Die Reiseliteratur als literarische Gattung

2. Vom Reisebericht zur Reiseliteratur. Die Reiseliteratur als literarische Gattung

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Im vorliegenden Kapitel soll zunächst die Reiseliteratur als literarische Gattung definiert werden. Der allmähliche Übergang vom Begriff ‚Reisebericht‘ zum weiter gefassten Terminus ‚Reiseliteratur‘ veranschaulicht prägnant den Wandel von der informativen (berichtenden) Funktion der Reisebeschreibung zu ihrem literaturästhetischen Verständnis. Der Begriff Reiseliteratur wird der Hybridität der Gattungsformen und Erzählverfahren gerecht und hebt den Aspekt der Literarizität der Werke hervor. Michaela Holdenrieds Begriffsbestimmung berücksichtigt das breite inhaltliche und formale Spektrum der Reiseliteratur:

Reiseliteratur ist der Oberbegriff für Darstellungen tatsächlicher und fiktionaler Reisen. Er umfaßt zum einen die mehr sachorientierten Reisehandbücher, die nützliche Informationen für Reisende geben (Pilger-, Wallfahrtswegführer, Reiseführer, Reisebücher) sowie die wissenschaftliche Reisebeschreibung (Forschungsreise) in Form von Tagebüchern oder Reiseskizzen, deren Vorläufer die geographischen Schriften der Antike waren. Zum anderen zählen die literarische Reisebeschreibung, der literarische Reisebericht, die Reiseerzählung und der Reiseroman zur Reiseliteratur, in denen die tatsächlichen oder erfundenen Reiseerlebnisse literarisch geformt werden. Letztere erscheinen sehr häufig als Mischformen, d.h. in Verbindung mit anderen literarischen, bes. epischen Formen, etwa dem Abenteuerroman, dem Bildungsroman, der Autobiographie, zeigen aber auch Übergänge zur wissenschaftlichen Sachprosa.76

In der Literaturwissenschaft begegnet man grundsätzlich zwei Definitionen der Reiseliteratur. In einem engen Gattungsverständnis umfasst die Reiseliteratur die Reiseberichte, denen eine authentische Reise zugrunde liegt. Peter J. Brenner definiert den Bericht als

(…) die sprachliche Darstellung authentischer Reisen. Über ästhetische Qualitäten und Ambitionen ist damit...

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