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Die Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseprosa von Wolfgang Büscher und Karl-Markus Gauß

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Anna Pastuszka

Eine extreme Fußreise durch Osteuropa, Forschungsreisen zu den versprengten Minderheiten ˗ in ihrer Reiseprosa erschliessen Büscher und Gauß das durch den Eisernen Vorhang jahrelang abgeschottete östliche Europa. Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Inszenierung der Reise und des durchwanderten fremden Raums im Hinblick auf die imaginären Raumentwürfe von Ost- und Mitteleuropa, auf die westlichen mental maps und die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beleuchtet narrative Herangehensweisen an den ostmitteleuropäischen Raum und gewährt einen Einblick in die literarische Kartographierung Europas nach der Wende. Im Medium der Reiseliteratur erfolgt bei den Autoren eine subjektive Vermessung der osteuropäischen Fremde sowie ein Remapping der kognitiven Karten Europas.

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Schlussbemerkungen

Schlussbemerkungen

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2004 veröffentlicht Büscher als Kolumnist der Welt anlässlich der Aufnahme von zwölf neuen Mitgliedsstaaten aus Ostmitteleuropa in die Europäische Union einen Artikel über die Öffnung der Grenzen, die Abschaffung der Visumpflicht und die tatsächliche Erweiterung der Reisefreiheit im gesamten europäischen Raum. Er erinnert sich an die beschwerlichen oder unmöglichen Reisen bereits in die deutsche „Volksrepublik“ (als Journalist bekam er Eintrittsverbot in die DDR), an das groteske Grenzerlebnis, als er im Niemandsland zwischen Bundesrepublik, Tschechischer Republik und der DDR auf das Urteil der ostdeutschen Grenzbehörden wartete, und an die Euphorie in der Nacht des Mauerfalls, als er „das andere, jahrelang verbotene Ufer der Spree“ betrat.618 Das geeinte Europa eröffnet seinem Bürger bislang ungeahnte Möglichkeiten:

Vorgestern bin ich von einer Reise entlang der neuen Ostgrenze der Europäischen Union zurückgekommen, und es ist vielleicht nicht ganz falsch, sich kurz des europäischen Zustandes zu erinnern, wie er vor gar nicht so langer Zeit war. Es ist heute möglich, mich an irgendeinem Morgen ins Auto zu setzen und – sagen wir, nach Riga zu fahren, einfach nur, um dort auszugehen. Oder nach Lublin, um im Grandhotel einen amerikanischen oder französischen Filmregisseur zu treffen, der dort gerade arbeitet. Von Marienbad nicht zu reden. Die meisten Deutschen haben noch gar nicht begriffen, was für ein Raum ihnen plötzlich offen steht.619

Der politische Umbruch in den Jahren 1989/91 verlangte eine neue Reflexion über Europa nach überwundener...

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