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Der Streit um die Krefelder Fronleichnamsprozession

Ein lokaler Kulturkampf im 19. Jahrhundert

Volker Speth

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bemühte sich der Krefelder katholische Pfarrer Reinarz gemäß dem Wunsch der katholischen Bevölkerungsmehrheit um die polizeiliche Erlaubnis zur alljährlichen Durchführung einer öffentlichen Fronleichnamsprozession in der Stadt Krefeld, die seit über 200 Jahren verboten war. Mehrere Versuche scheiterten am Widerstand des Bürgermeisters, des Landrats und der preußischen Regierung, welche damit die sozialpolitischen Herrschaftsinteressen der protestantischen städtischen Führungsschicht auch auf religiös-kultischem Gebiet vertraten und verteidigten. Erst die Revolution von 1848/49 und die Religionsartikel der preußischen Verfassung vom 5. Dezember 1848 ermöglichten 1849 die erstmalige Prozessionsabhaltung. Dadurch dass die langjährige Gegenwehr auf eine Säkularisierung des öffentlichen Raums mittels seiner Freihaltung von Gottesdiensten abzielte und in einem Antiklerikalismus, der wiederum in einem latenten Antikatholizismus wurzelte, mitbegründet lag, gewannen die Auseinandersetzungen den Charakter eines lokalen Kulturkampfes in der Reihe der vielen Kulturkämpfe des 19. Jahrhunderts.

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Quellenanhang

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1. Der Bürgermeister von Krefeld, Leysner, an den dortigen Landrat am 8. Januar 18291

Ew. Hochwohlgeboren haben mich durch das vertrauliche Schreiben vom 4ten d. M. davon in Kenntniß gesetzt, daß die hiesige katholische Gemeinde bei der königlichen Regierung auf die Gestattung eines feierlichen Umzuges durch die hiesige Stadt resp. Gemeinde angetragen habe, und wünschen Hochdieselben meine Meinung darüber zu erfahren, ob es unter den gegenwärtigen Umständen wohl geeignet sey, eine Ausnahme von der Bestimmung des art. 45 der Organischen Artikel vom 18. Germinal des Jahres 10 zu befürworten. Da ich mich freimüthig über den in Frage stehenden Gegenstand aussprechen soll, so kann ich vor allem nicht verschweigen, daß hochihre Mitteilung einen sehr ernsten Eindruck auf mich gemacht u. mich mit Besorgnissen erfüllt hat, die, wie ich glaube, durch die nachfolgenden Betrachtungen und ohne mich von dem Standpunkte einer vernünftigen Toleranz zu entfernen, gerechtfertigt werden.

Zunächst scheint es mir zur Beantwortung der Frage nothwendig zu seyn, die bisherige Stellung der Protestanten und Katholiken gegen einander, wie solche sich historisch in der hiesigen Gemeinde gestaltet hat, näher zu berücksichtigen. Bekanntlich waren unsere frühern Landesherrn, die Grafen von Moers, eifrige Beförderer der Reformation und verschafften der neuen Lehre überall in den ihnen zugehörigen Ländern Eingang, so daß sich dieselbe dort fast←71 | 72→ ausschließlich geltend machte. Auch die Gemeinde in Crefeld ging ganz zum Protestantismus über, so da...

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