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Erinnerung aus zweiter Hand

Die born-free Generation in Südafrika und ihre Interpretation der Apartheid und des demokratischen Übergangs

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Julia Sonnleitner

Nach den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika 1994 ist eine Generation herangewachsen, welche die Apartheid nicht mehr miterlebt hat. Sie ist in einem demokratischen Staat aufgewachsen, in dem die Apartheid dennoch in vielen Bereichen nachwirkt. Basierend auf ethnografischer Forschung legt die Autorin dar, wie VertreterInnen der born-free Generation die Vergangenheit ihres Landes interpretieren. Durch zwei neue Ansätze leistet die Untersuchung einen innovativen Beitrag zur Erinnerungsforschung: erstens durch den rezeptions-zentrierten Zugang, der soziale Positionierungen der befragten Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt. Zweitens durch das Konzept des Chronotopos, mit dem die Relevanz von Zeit, Raum und Subjekt in der Analyse von Vergangenheitsdarstellungen berücksichtigt wird.

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1. Einleitung

1. Einleitung

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Der 11. Februar 1990, Nelson Mandela steht auf der Balustrade der Cape Town City Hall. Auf der Balustrade ist es eng, so eng, dass Mandela, seine BegleiterInnen und die Reporter fast keinen Platz darauf finden. Mandela ist umringt von Mikrophonen und Videokameras, sogar an die Außenseite der schmiedeeisernen Balustrade klammert sich eine Traube von Menschen. Auf dem großen Platz vor der Cape Town City Hall, der Grand Parade, hat sich eine große Menge eingefunden, um bei diesem Augenblick anwesend zu sein. Nelson Mandela wurde aus der Haft entlassen, es ist seine erste Rede an die vor ihm versammelten Menschen, an die Nation, an die Welt. Er beginnt seine Rede.

Amandla! Amandla! IAfrika! Mayibuye! My friends, comrades and fellow South Africans! I greet you all in the name of peace, democracy and freedom for all. I stand here before you not as a prophet but as a humble servant of you, the people.1

Dieser Augenblick ist das Symbol für eine neue Ära, für den Aufbruch eines der letzten afrikanischen Staaten aus Kolonialismus und Apartheid.

Kein Bild ist so ikonisch für den demokratischen Übergang wie dieses. Beim Betrachten denke ich, die Balustrade muss solide gebaut worden sein. Zur Zeit ihrer Erbauung, im Jahr 1905, sah Südafrika, damals noch kein eigener Staat, sondern Teil des British Empire, noch ganz anders aus. Der Platz vor der City Hall, die Grand Parade, war der Exerzierplatz des Militärs, welches von hier aus...

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