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Erinnerung aus zweiter Hand

Die born-free Generation in Südafrika und ihre Interpretation der Apartheid und des demokratischen Übergangs

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Julia Sonnleitner

Nach den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika 1994 ist eine Generation herangewachsen, welche die Apartheid nicht mehr miterlebt hat. Sie ist in einem demokratischen Staat aufgewachsen, in dem die Apartheid dennoch in vielen Bereichen nachwirkt. Basierend auf ethnografischer Forschung legt die Autorin dar, wie VertreterInnen der born-free Generation die Vergangenheit ihres Landes interpretieren. Durch zwei neue Ansätze leistet die Untersuchung einen innovativen Beitrag zur Erinnerungsforschung: erstens durch den rezeptions-zentrierten Zugang, der soziale Positionierungen der befragten Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt. Zweitens durch das Konzept des Chronotopos, mit dem die Relevanz von Zeit, Raum und Subjekt in der Analyse von Vergangenheitsdarstellungen berücksichtigt wird.

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13. Kurzfassung

13. Kurzfassung

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Nach den demokratischen Wahlen 1994 in Südafrika ist eine Generation herangewachsen, welche die Apartheid nicht mehr miterlebt hat. Sie ist in einem demokratischen Staat aufgewachsen, in dem die Apartheid dennoch in vielen Bereichen nachwirkt. Mit der Dissertation wird erforscht, wie VertreterInnen der „born-free“ Generation (geboren 1994 und danach), aufgrund von weitergegebener Erinnerung und eigener Erfahrung, die Apartheid und den demokratischen Übergang interpretieren.

Der Ausgangspunkt meines einjährigen Feldforschungsaufenthaltes in Kapstadt war, Jugendliche mit möglichst unterschiedlichem Hintergrund zu Erinnerungen in ihrer Familie und zur Geschichte des Landes zu befragen. Dazu habe ich 45 halbstrukturierte Interviews mit SchülerInnen aus sechs verschiedenen Schulen in Kapstadt und Umgebung geführt. Mit Hilfe von zwei neuen Ansätzen leistet die Arbeit einen innovativen Beitrag zur Erinnerungsforschung: erstens durch den rezeptionszentrierten Zugang, der aktive soziale Positionierungen der befragten Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt. Zweitens durch das Konzept des Chronotopos, mit dem ich die Relevanz von Zeit, Raum und Subjekt in der Analyse von Vergangenheitsdarstellungen berücksichtigen konnte. Den theoretischen Ausgangspunkt bilden sozialwissenschaftliche Herangehensweisen zum Thema Erinnerung in der Nachfolge von Maurice Halbwachs, der den Grundstein zur Untersuchung von Erinnerung nicht als ein Problem individueller Erinnerungsfähigkeit, sondern als einen sozialen Mechanismus gelegt hat.

Zur Produktion des öffentlichen Geschichtsdiskurses in Südafrika ist eine Fülle wissenschaftlicher Literatur vorhanden. Die Frage, welche Rolle diese Formen geschichtlicher Aufarbeitung bei der Rekonstruktion von Erinnerung durch VertreterInnen der jungen Generation spielen, wurde bisher allerdings kaum erforscht. Gerade diese Frage ist aber in Hinblick...

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