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Das Wort-Ton-Verhältnis im Werk von Ludwig van Beethoven

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Małgorzata Grajter

Das Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung der Spezifik des Wort-Ton-Verhältnisses in Ludwig van Beethovens Schaffen sowohl auf struktureller als auch auf semantischer Ebene. Da Beethoven selbst nie eine Abhandlung über Komposition schrieb, erscheint es natürlich und naheliegend, als hauptsächlichen Bezugspunkt die musiktheoretischen Schriften aus dem 18. Jahrhundert heranzuziehen, um die musikästhetische Landschaft seiner Epoche zu rekonstruieren. Die durchgeführte Analyse von Beethovens Vokalmusik aus der Sicht der im 18. Jahrhundert üblichen Konzeption eines «Singstücks» beantwortet einige wesentliche Fragen nach den Prioritäten des Komponisten im Bereich der technischen und ästhetischen Aspekte der musikalischen Bearbeitung eines Textes.

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Kapitel 4. Semantischer Aspekt von Beethovens Werken der Vokalmusik

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Kapitel 4. Semantischer Aspekt von Beethovens Werken der Vokalmusik

Hunderte von Beethoven hinterlassene Handschriften und Skizzen, voll von Streichungen, Verbesserungen und verschiedenen Versionen einzelner Takte, ergeben scheinbar das Bild eines gedanklichen und konzeptuellen Chaos. Der Versuch, sie richtig zu lesen, erweist sich oft als große Herausforderung, besonders für einen unerfahrenen Forscher. Eingehende Studien des Schaffensprozesses des Komponisten belegen jedoch, dass seine Schaffensweise sich durch enorme Logik und Konsequenz auszeichnet, wodurch sie weit von der romantischen Idee des „schöpferischen Wahns“ entfernt ist. Die einzelnen Stadien der Entstehung vieler Kompositionen, die u. a. in Barry Coopers Arbeit Beethoven and the Creative Process beschrieben sind, lassen sich großenteils auf die Etappen der Vorbereitung einer klassischen Rede beziehen.

Die Arbeit an einem Werk begann Beethoven gewöhnlich mit der Festlegung der Gattung, die er zu komponieren beabsichtigte, sowie mit dem Skizzieren des formalen und tonalen Plans des Werks („the sketching of form and key“)418. Diese zwei anfänglichen Phasen des Komponierens entsprechen den von den Theoretikern beschriebenen Etappen der Vorbereitung einer Rede: inventio419 und dispositio. Es kam mehrmals vor, dass er danach Veränderungen vornahm und nicht verwendete Einfälle aus einem Werk auf ein anderes übertrug; grundsätzlich aber begann er die Arbeit nie ohne einen zumindest vorläufigen Plan, der manchmal die Form einer Zusammenfassung der gesamten Komposition hatte, wie das bei dem formal raffinierten Streichquartett in cis-Moll op. 131 der Fall war.420 Neben dem tonalen Verlauf des Werks notierte Beethoven auch ein...

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