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Bundesordnung in der deutschen Geschichte

Christian Gellinek

Die Hauptstadtlosigkeit Deutschlands geht mit einer uns eigenen Bundesordnung Hand in Hand, die sich in verschiedenen Epochen auf zentrale Orte, bestimmte Burgen und dem Reiche zugewandte Klöster verteilt in größeren oder kleineren Territorien von Süden und Südwesten ab der Donau bis zur Wiedau, und manchmal nur bis zur Eider. Sie erstreckt sich in nördlicher Richtung, und auch vom Rhein bis zur Oder in östlicher. In dieser Wissensstudie wird die Bundesordnung als mittragendes Element der deutschen Geschichte in ihrer politischen Entwicklung vorgeführt. Die regulären Königswahlen fanden in Frankfurt am Main, die Krönungen ursprünglich in Aachen statt. Manche Orte wandten sich zeitweise dem Deutschen Reich zu, manche für immer von ihm ab. Die bündische Bestimmung wurde auf dem Wiener Kongress von Österreich, Russland, England, Preußen und endlich auch Frankreich durch Talleyrand durchgesetzt. Diese Grundlage erfüllte sich erst im Bonner Grundgesetz.

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Erstes Kapitel: Einleitung, Ansatz und Methode

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Als erstes muss den Lesern der Titel erklärt werden. Es heißt mit Absicht nicht: Die deutsche Bundes-Ordnung oder Deutschlands Bundes-Geschichte, sondern es geht nur um ein Teilelement dieser deutschen Bundesordnung. Wieso? Gefragt wird hier: siedelten die Deutschen in der Geschichte, die ihre Aufmerksamkeit sicherte oder ihr Verluste zufügte, auf eine bestimmte Weise? Wir betrachten in diesem Versuch die deutschen Menschen weniger als Anwohner, sondern das Land als Kammer und Hüter von vielen Generationen, die ihren Vorfahren nachrückten. Ihre Kontinuität soll sich also nicht nur aus einer Veränderung ihrer Dörfer, Flecken oder Städtchen ergeben haben, sondern durch das Heimisch-Werden oder die Flucht neuer Generationen von sprechenden Familien, die nicht von Natur als Deutsche, sondern zunächst als Überlebenstüchtige galten und weiter zu gelten hätten. Vor-Deutsche wurden zu solchen durch sprachliche, sportliche und religiöse Gruppenerziehung oder Zwänge, die vorbündisch zu ihrem kollektiven Glück oder Pech führen konnten.

Bundesordnung entwickelte sich zwar, aber die betroffenen Menschen verwickelten sich auch in ihrem sich daran anpassendem Aufstreben immer dann, wenn eine Organisationsmacht dahintersteckte. Bundesteilgeschichte entstand primär nicht durch Herrschen, sondern durch Anbauen, meist an Flüssen entlang. Von der nach Osten des späteren Reiches fließenden Donau, bis zur nach Westen fließenden Eider und Wiedau erstreckten sich die äußeren Grenzen. Das rechtsrheinische war dem linksrheinischen Land, das den Großen Fluss umgab, nicht immer friedfertig gesonnen. Der Rhein ist unterirdisch mit...

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