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Bundesordnung in der deutschen Geschichte

Christian Gellinek

Die Hauptstadtlosigkeit Deutschlands geht mit einer uns eigenen Bundesordnung Hand in Hand, die sich in verschiedenen Epochen auf zentrale Orte, bestimmte Burgen und dem Reiche zugewandte Klöster verteilt in größeren oder kleineren Territorien von Süden und Südwesten ab der Donau bis zur Wiedau, und manchmal nur bis zur Eider. Sie erstreckt sich in nördlicher Richtung, und auch vom Rhein bis zur Oder in östlicher. In dieser Wissensstudie wird die Bundesordnung als mittragendes Element der deutschen Geschichte in ihrer politischen Entwicklung vorgeführt. Die regulären Königswahlen fanden in Frankfurt am Main, die Krönungen ursprünglich in Aachen statt. Manche Orte wandten sich zeitweise dem Deutschen Reich zu, manche für immer von ihm ab. Die bündische Bestimmung wurde auf dem Wiener Kongress von Österreich, Russland, England, Preußen und endlich auch Frankreich durch Talleyrand durchgesetzt. Diese Grundlage erfüllte sich erst im Bonner Grundgesetz.

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Viertes Kapitel: Maßgeblich im Reich wirkende Klöster und Abteien

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Es ist eine wenig beachtete Tatsache, dass wesentlich weniger Klöster in Altdeutschland und Österreich gebaut und unterhalten wurden als Burgen. Da aber der Einfluss von Klöstern ein anderer als der von Burgen gewesen ist, muss die Bedeutung von Vergleichszahlen näher beleuchtet werden. Es existierten auf deutschem Gebiet 2.100 katholische und 220 evangelische Klöster, in Österreich 96 katholische Klöster. Die Gründungen begannen etwas früher als die der Burgen, nämlich die der deutschen ab 603, die der österreichischen ab 696 A.D. Burgen umgaben militärisch erforderliche Erdwälle in Befestigungsanlagen, Klöster geistige Mauern, Kräutergärten und öfters größerer Ländereibesitz. Im Rahmen dieser Studie wurden etwa gleich viele Klöster wie Burgen ausgewählt, deren Einflüsse anders miteinander rivalisierten, aber auch zusammenhielten. Da Burgen anders mit dem Boden verwurzelt waren, ist ihre Ausstrahlung nicht oft gleich umfassend gewesen. Da es eine Idealburg nicht gegeben haben kann, ist sie auch nicht behandelt worden, während wir diesen Abschnitt mit dem Idealkloster schlechthin beginnen.

St. Gallen als Idealkloster

„St. Gallen ist Denkmal eines Konfliktes, in dessen Verlauf die jüngere Institution der Stadt die ältere des Klosters besiegt hat. Ganz anders sieht es an Plätzen aus, in denen sich ein Kloster aus einer Burg auf einem Felsenrücken entwickeln konnte An ihnen allen wurde zur Regel, dass das Kloster, wenn immer es auch als staatliche Institution fortbestand, die bürgerlichen Siedlungsformen beherrscht hat.“ (Braunfels, Klosterbaukunst,...

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