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Islam auf dem Balkan

Muslimische Traditionen im lokalen, nationalen und transnationalen Kontext

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Edited By Jordanka Telbizova-Sack and Christian Voß

Die 13 interdisziplinär ausgerichteten Beiträge des Sammelbandes fokussieren die religiöse Landschaft des Balkans im Kontext zunehmender Globalisierung, erhöhter Mobilität und postsozialistischer Transformation. In den Panels «Historische Perspektiven: Islam, Staat und Politik», «Pluralisierung und Transformation», «Türkei: Transnationale Verflechtungen und Innenpolitik» und «Diversität, Identität und Debatten» werden politische, religiöse und kulturelle Prozesse auch im historischen Aufriss dargestellt und analysiert. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die institutionelle Erneuerung und innere Diversifizierung als auch auf das komplizierte Verhältnis zwischen Staat, Politik und muslimischen Bevölkerungsgruppen.

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Europabezüge in bosnisch-muslimischen (bosniakischen) Identitätsdiskursen – Eine Existenzerhaltungsstrategie? (Kerim Kudo)

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Europabezüge in bosnisch-muslimischen (bosniakischen1) Identitätsdiskursen – Eine Existenzerhaltungsstrategie?

Kerim Kudo

Die Präsenz muslimischer Bevölkerungen in Südosteuropa wurde bis zu den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien der 1990er Jahre kaum wahrgenommen. In den Fokus der deutschen Öffentlichkeit gerieten insbesondere bosnische Muslime, die nach ihrer Vertreibung zu Hunderttausenden in Deutschland Zuflucht fanden. So wurde die Präsenz autochthoner muslimisch-europäischer Bevölkerungen in der breiten europäischen Öffentlichkeit überhaupt erst wahrgenommen, als ihre Existenz schon in höchstem Maße gefährdet war.

Bosnische Muslime gehören zur autochthonen europäischen Bevölkerung, die als Kollektiv seit der Okkupation durch die Habsburgermonarchie (1878) unter einem intensiven Europäisierungsprozess standen. Im südosteuropäischen Vergleich gehören sie zu einer „verspäteten Nation“, die ihre verfassungsrechtliche Anerkennung erst 1963 (in der jugoslawischen Verfassung 1974 verankert) durch das sozialistische Jugoslawien erlangen konnten. Den Anerkennungsprozess begleiteten sowohl ein rigides Verbot, eigene nationale Institutionen zu gründen, als auch starke serbische und kroatische Gegendiskurse, in der bosnische Muslime als „erdachtes Volk“ (izmišljeni narod) oder als eigentliche Serben bzw. Kroaten betitelt wurden. Die Republik Bosnien-Herzegowina wurde immer wieder als ein „künstliches Gebilde“ bezeichnet.

Bis zum heutigen Tage gilt dieser mittlerweile international anerkannte Staat als der „Zankapfel“ zwischen Kroatien und Serbien. Beide Nachbarstaaten erheben bis heute nachdrücklichen bis subtilen Anspruch auf das Territorium Bosnien-Herzegowinas. In diesen serbischen und kroatischen territorialen Aspirationen lag einer der politischen Hintergründe der offiziellen Anerkennung bosnischer Muslime als gleichberechtigtes...

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