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Islam auf dem Balkan

Muslimische Traditionen im lokalen, nationalen und transnationalen Kontext

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Edited By Jordanka Telbizova-Sack and Christian Voß

Die 13 interdisziplinär ausgerichteten Beiträge des Sammelbandes fokussieren die religiöse Landschaft des Balkans im Kontext zunehmender Globalisierung, erhöhter Mobilität und postsozialistischer Transformation. In den Panels «Historische Perspektiven: Islam, Staat und Politik», «Pluralisierung und Transformation», «Türkei: Transnationale Verflechtungen und Innenpolitik» und «Diversität, Identität und Debatten» werden politische, religiöse und kulturelle Prozesse auch im historischen Aufriss dargestellt und analysiert. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die institutionelle Erneuerung und innere Diversifizierung als auch auf das komplizierte Verhältnis zwischen Staat, Politik und muslimischen Bevölkerungsgruppen.

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Pomakische Identitäten in West-Thrakien seit dem Fall der Mauer: Zwischen Transnationalismus und Reethnisierung (Christian Voß)

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Pomakische Identitäten in West-Thrakien seit dem Fall der Mauer: Zwischen Transnationalismus und Reethnisierung1

Christian Voß

Im Rahmen der postsozialistischen Transformation haben die Muslime in der „grünen Transversale“ von Albanien über Griechenland und Bulgarien bis an die türkische Grenze erstmals die Möglichkeit erhalten, kollektive Identitäten selbst auszuverhandeln. Seit dem 19. Jahrhundert ist eine Konflation von Islam und Türkentum in Eigen- und Fremdwahrnehmung der Balkanmuslime zu verzeichnen. Zugleich steht die Möglichkeit offen, sich in die nächstgrößere muslimische Minderheit im Land (auf dem Westbalkan die albanische Option, in West-Thrakien die türkische Option) oder in die Mehrheitsgesellschaft zu assimilieren, oder aber einen häufig grenzüberschreitenden – im vorliegenden Fall reslawisierenden – Ethnoregionalismus zu initiieren.

Der Artikel fokussiert die sog. Pomaken im griechischen Teil des Rhodopengebirges in West-Thrakien, deren Identitätsdiskurse seit dem Fall des Eisernen Vorhangs von einer enormen Dynamik erfasst worden sind. Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht die Frage, inwieweit Konstellationen von türkisch-griechisch-bulgarischer Dreisprachigkeit im täglichen Sprachgebrauch als Loyalitätsbekundungen zu verstehen sind, wie sich also das Verhältnis von Sprache und Identität gestaltet und ob die Pomaken die neuerdings offene Grenze als Ressource einsetzen.

Der balkanische Kontext: Muslime in Südosteuropa

Heute leben 8,3 Millionen Muslime im Balkanraum.2 Die Balkanmuslime waren und sind weit davon entfernt, eine in sozialer, sprachlicher, ethnischer und sogar religiöser Hinsicht einheitliche Gruppe darzustellen, da sie das überwiegend ← 224 | 225 → lokale oder kleinregionale Selbst-...

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