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Pius XII. und die Deportation der Juden Roms

Klaus Kühlwein

Kein anderes Ereignis im Zweiten Weltkrieg hat Pius XII. so herausgefordert wie die SS-Judenaktion unter seinem Fenster. Was damals geschah, verdichtet die ganze Problematik um das Schweigen des Papstes. Historisch ist umstritten, was Papst Pius unternommen hat, um die Juden Roms zu retten, welchen Zwängen er unterworfen war und was er über das Schicksal deportierter Juden wusste.

Anhand zahlreicher Dokumente und Zeugenaussagen rekonstruiert die Studie die Vorgänge rund um die Razzia auf verschiedenen Ebenen. Sie fragt nach dem Kenntnisstand Pius XII. über die NS-Judenvernichtung und analysiert den Konflikt zwischen güterabwägendem Schweigen und Protest aus Gewissensgründen.

Das Ergebnis wirft neues Licht auf die Rolle Pius XII. im Herbst 1943.

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1. Was wusste Pius XII. vom Holocaust?

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1.  Was wusste Pius XII. vom Holocaust?

Im Schatten des Zweiten Weltkrieges wurde eine Menschenvernichtung vollzogen, die jede menschliche Vorstellungskraft versagen lässt.38 Was wusste Pius XII. darüber, dass dieser Krieg „anders“ war, dass er Dämonen entfesselte, die unersättlich waren an Tod und Leid?

Welchen Informationstand hatte Pius im Herbst 1943 über die NS-Judenverfolgung? Was wusste er über das Schicksal der zahlreichen Deportierten aus dem Reich, den Niederlanden, Frankreich und anderen Ländern? Was wusste er über das Schicksal der Juden in Polen, der Ukraine und dem Baltikum? Die deutsche Propaganda vom Arbeitseinsatz im Osten war sattsam bekannt.

Konnte sich Pius mit dem Gedanken beruhigen, dass die römischen Juden nach einer Deportation in ein Arbeitslager kämen? Was und wie viel wusste er über eine massenhafte Ermordung von Juden auf freiem Feld und in speziellen Vernichtungslagern? Drohte das auch den römischen Juden?

Bislang wurde vom Vatikan nie Sonderwissen über den Holocaust zugegeben. Was man in den Kriegsjahren gewusst habe, hätte sich nicht ← 23 | 24 → wesentlich vom „allgemeinen“ Wissen damals unterschieden. Der ehemalige Mitarbeiter im Staatssekretariat während des Krieges und spätere UNO-Beobachter, der Historiker Mgr. Giovannetti, schrieb während der Hochhuth-Debatte im Osservatore Romano,39 dass »[…] die Informationen, die den Vatikan über diese Verbrechen [sc. Judenvernichtung] erreichten, spärlich und vage waren«. In einem Vortrag an der Catholic University of America im Herbst 1989 bestätigte das Pater Graham SJ ausdr...

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