Show Less
Restricted access

Pius XII. und die Deportation der Juden Roms

Klaus Kühlwein

Kein anderes Ereignis im Zweiten Weltkrieg hat Pius XII. so herausgefordert wie die SS-Judenaktion unter seinem Fenster. Was damals geschah, verdichtet die ganze Problematik um das Schweigen des Papstes. Historisch ist umstritten, was Papst Pius unternommen hat, um die Juden Roms zu retten, welchen Zwängen er unterworfen war und was er über das Schicksal deportierter Juden wusste.

Anhand zahlreicher Dokumente und Zeugenaussagen rekonstruiert die Studie die Vorgänge rund um die Razzia auf verschiedenen Ebenen. Sie fragt nach dem Kenntnisstand Pius XII. über die NS-Judenvernichtung und analysiert den Konflikt zwischen güterabwägendem Schweigen und Protest aus Gewissensgründen.

Das Ergebnis wirft neues Licht auf die Rolle Pius XII. im Herbst 1943.

Show Summary Details
Restricted access

3. Deportation für die Juden Roms

Extract

← 102 | 103 →

3.  Deportation für die Juden Roms

3.1  Hitlers Befehl und Eichmanns Task Force für Rom

Nach dem 10. September hatte Hitler es eilig. Er hatte die Macht in Rom und die Macht über die jüdische Gemeinde in der Ewigen Stadt. Bereits in den nächsten Wochen sollte Rom „judenfrei“ werden.

In der großen Lagebesprechung am 10. September oder spätestens ein zwei Tage danach erteilte Hitler seinem SS-Reichsführer Heinrich Himmler persönlich einen Judenbefehl für Rom. Sobald wie möglich sollte dort eine Judenaktion mit Deportation durchgeführt werden.190

Dieser Befehl war mehr als heikel. Hitler wusste, dass Papst Pius die ganze Zeit über des Krieges im Vatikan präsent geblieben war, und er war sich darüber klar, dass der Papst in besonderer Pflicht stand gegenüber der Bevölkerung Roms. Eine Judenrazzia direkt in der Ewigen Stadt kam einer „Vorführung“ Pius XII. vor aller Welt gleich. Hitler konnte nicht sicher sein, ob Pius die Ergreifung der Juden seiner Stadt stillschweigend hinnehmen würde. Auch im federführenden Reichssicherheitshauptamt und im Außenministerium wusste man nicht, wie der Papst reagieren würde. In den vier Kriegsjahren hatte der Vatikan bislang nichts zur Judenfrage verlauten lassen. Pius XII. schwieg und beklagte regelmäßig nur die zahlreichen Opfer des Krieges. Er vermied es, zu den internationalen Gerüchten über Massenmorden an Juden Position zu beziehen. Auch zu den europaweiten Deportationswellen jüdischer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.