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Wiener Slawistischer Almanach Band 82/2019

Nostalgie. Ein kulturelles und literarisches Sehnsuchtsmodell. Tagung in München April 2017

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Edited By Brigitte Obermayr, Anja Burghardt and Aage A. Hansen-Löve

Der Band enthält 21 Beiträge, die aus der Münchener Tagung zum Thema «Nostalgie. Ein kulturelles Sehnsuchtsmodell» (April 2017) hervorgegangen sind. Allesamt sind sie dem literarischen bzw. kulturellen Phänomen der Nostalgie in den osteuropäischen Literaturen (zumal der russischen, der polnischen und den südslawischen) gewidmet. Es geht um kulturelle Sehnsuchtsorte (vom Dnepr bis nach Odessa, vom alten Ägypten zum mythischen Kitež) bei den Klassikern bis hin zu Vertretern der Moderne und der Gegenwartsliteratur. Ausgangspunkt aller Darstellungen ist die theoretische Vertiefung des Nostalgie-Konzepts in unterschiedlichen kulturellen und literarischen Kontexten. Unter anderen werden folgende Autoren behandelt: Gogol’, Gončarov, Čechov, Bal’mont, Platonov, Ėjchenbaum und Benjamin, Tynjanov, Miłosz, Nabokov und Brodskij, Konopnicka, Ugrešic, Šepitka, Prilepin u.v.a.

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Tanja Zimmermann (Leipzig), Odessa – eine junge, alte Stadt

1. Das Lob Odessas

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Tanja Zimmermann

ODESSA – EINE JUNGE, ALTE STADT

Im Jahre 1789, während des Russisch-Türkischen Krieges, eroberte José de Ribas, ein spanischer General aus Neapel im russischen Dienst, als Anführer der Kosaken die türkische Festung Chažibej am Schwarzen Meer.1 Wenige Jahre später, 1794, befahl die Zarin Katharina II. dem inzwischen zum Vizeadmiral aufgestiegenen de Ribas, an der Stelle der ehemaligen türkischen Festung eine Handelsstadt mit einem Hafen zu gründen. Die Verbindungen zu den Flüssen Dnjepr, Dnjestr, Donau und Don sowie zur Krim und zum Kaukasus, die Schiffsrouten nach Griechenland, Italien und sogar England machten die Stadt zur Drehscheibe des Handels am Schwarzen Meer. Die Neusiedlung erhielt den Namen Odessa, der in der Zeit der klassizistischen und philhellenistischen Begeisterung für die griechische Antike an die Zivilisationsmission der Hellenen in Europa erinnern sollte. Der Name wurde etymologisch vom mythischen Reisenden Odysseus abgeleitet und in der Antike öfters an neu entstandene griechische Kolonien vergeben – darunter auch Varna in Bulgarien (Odessos) (Tepljakov 1833, 45). Zur Neugründung, als man die Infrastruktur aufbauen und die Bevölkerung anziehen musste, erhielt die Stadt zahlreiche Privilegien, darunter das zollfreie Handelsrecht, und wuchs seitdem kontinuierlich. Tolerant gegenüber verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen zog sie Siedler unterschiedlicher Herkunft an – Franzosen, Italiener, Deutsche, Griechen, Juden, Armenier, Bulgaren, Polen und viele andere. Ihre erste große Blütezeit – das ‚goldene‘ Zeitalter – erlebte sie im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts während der Regierungszeit des Fürsten Michail...

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