Show Less
Restricted access

Mehrfachbeschäftigung in Deutschland - Ein Phänomen relativer Armut?

Eine empirische Untersuchung der Determinanten zur Aufnahme einer Zweitbeschäftigung

Series:

Marco Weber

Die seit den Hartz-Reformen gestiegene Zahl Nebenbeschäftigter bei gleichzeitiger Zunahme des Armutsgefährdungsrisikos wecken Zweifel an der bislang gültigen Annahme der Wohlstandssicherung durch eine Erwerbstätigkeit. Der Autor untersucht empirisch mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels die Entwicklung der Mehrfachbeschäftigung und deren Zusammenhang mit atypischer Arbeit. Mittels Längsschnittsanalysen werden die zwischen finanzieller Not und nebenberuflicher Selbstentfaltung verorteten Motive für Mehrfachbeschäftigung analysiert. Dabei zeigt sich, dass Zweitbeschäftigung sowohl die Konsequenz von Einkommensarmut ist, als umgekehrt ein Mittel zur Armutsvermeidung darstellt. Auf Basis dieser Ergebnisse werden Politikempfehlungen zur rechtlichen Ausgestaltung der Mehrfachbeschäftigung formuliert.

Show Summary Details
Restricted access

1. Einleitung

Extract



In der modernen Leistungsgesellschaft kommt nur wenigen Bereichen ein vergleichbarer Stellenwert zu wie der Erwerbstätigkeit. Über die reine Versorgung mit materiellen Gütern und Sicherung des persönlichen Wohlstands hinaus, bestimmt die Erwerbstätigkeit in erheblichem Maße die Stellung in der Gesellschaft und ist gerade im deutschen Sozialstaat der zentrale Bezugspunkt für die Einbindung in die sozialen Sicherungssysteme.1 Es kann daher kaum überraschen, dass gerade Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in besonderem Maße dem kritischen Auge der Öffentlichkeit unterliegen. Neben der Höhe der Arbeitslosigkeit ist hier auch die Qualität der bestehenden Arbeitsplätze ein ausschlaggebender Faktor. In diesem Sinne wird der mit Beginn der 1990er Jahre zunehmend sichtbare Wandel der Arbeitsformen2 – in Form des vermeintlichen Rückgangs des Normalarbeitsverhältnisses zu Gunsten einer gestiegenen Anzahl sogenannter „atypischer“ Beschäftigungsformen – in der breiten Bevölkerung mit Sorge beurteilt. Insbesondere die im Zuge der Hartz-Reformen eingeleitete Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt wird hierbei als Zäsur empfunden, die zu einer wahrgenommenen Verschlechterung der Einkommens- und Arbeitsbedingungen geführt hat. Die auf den Empfehlungen der Kommission „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ beruhenden Reformen, sahen die „Bekämpfung der Arbeitslosigkeit als vorrangige Aufgabe der Gesellschaft“,3 deren hohes Ausmaß aufgrund des im internationalen Vergleich als rigide angesehenen deutschen Arbeitsmarktes gesehen wurde.4 Um die bestehende konjunkturunabhängige Sockelarbeitslosigkeit zu bekämpfen, wurde zu einer umfassenden Reform der Lohnersatzleistungen, der Sozialhilfe sowie einer Flexibilisierung des institutionellen Rahmenwerkes auf dem Arbeitsmarkt geraten.5 Der in den Folgejahren zu verzeichnende Rückgang der Arbeitslosigkeit...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.