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Mehrfachbeschäftigung in Deutschland - Ein Phänomen relativer Armut?

Eine empirische Untersuchung der Determinanten zur Aufnahme einer Zweitbeschäftigung

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Marco Weber

Die seit den Hartz-Reformen gestiegene Zahl Nebenbeschäftigter bei gleichzeitiger Zunahme des Armutsgefährdungsrisikos wecken Zweifel an der bislang gültigen Annahme der Wohlstandssicherung durch eine Erwerbstätigkeit. Der Autor untersucht empirisch mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels die Entwicklung der Mehrfachbeschäftigung und deren Zusammenhang mit atypischer Arbeit. Mittels Längsschnittsanalysen werden die zwischen finanzieller Not und nebenberuflicher Selbstentfaltung verorteten Motive für Mehrfachbeschäftigung analysiert. Dabei zeigt sich, dass Zweitbeschäftigung sowohl die Konsequenz von Einkommensarmut ist, als umgekehrt ein Mittel zur Armutsvermeidung darstellt. Auf Basis dieser Ergebnisse werden Politikempfehlungen zur rechtlichen Ausgestaltung der Mehrfachbeschäftigung formuliert.

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5. Armutsdefinition und Armutsmessung

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Das Ziel dieser Dissertation ist es zu ergründen, inwieweit sich die finanzielle Situation auf die Ausübung von Mehrfachbeschäftigung auswirkt. Nachdem mit den vorherigen Ausführungen die Auswahl der Datenbasis und Definition beziehungsweise die praktische Operationalisierung von Mehrfachbeschäftigung abgeschlossen ist, verfolgen die folgenden Abschnitte das Ziel ein geeignetes Maß für finanzielle Not zu finden. Im Allgemeinen Sprachgebrauch wird synonym oft der Begriff Armut verwendet, während in der Armuts- und Ungleichheitsforschung die finanzielle Not eher als ein Teilaspekt eines komplexeren multidimensionalen Armutsbegriffes dargestellt wird. Im Weiteren wird daher die Diskussion um ein geeignetes Bestimmungsmaß für finanzielle Not anhand der bestehenden Literatur zur Armuts- und Ungleichheitsforschung aufgezeigt, um darauf aufbauend eine mit den Daten des SOEP zu vereinbarende Operationalisierungsmöglichkeit für finanzielle Not zu bestimmen.

5.1. Allgemeine Definition von Armut

Armut ist ein Begriff, der sich wieder zunehmend in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion in Deutschland wiederfindet. Während die Wahrnehmung von Armut angesichts von Hungerkatastrophen in Dritte-Welt-Ländern Afrikas als offensichtlich bezeichnet werden kann, ist die Greifbarkeit des Armutsbegriffs in industrialisierten Wohlfahrtsstaaten weit weniger eindeutig und im höchsten Maße politisch umstritten. Die Armut im sozialen Wohlfahrtstaat Deutschland ist dagegen nur in den seltensten Fällen direkt augenscheinlich, wie etwa im Zusammenhang mit Obdachlosigkeit, und somit fällt es schwer eine Grenze zu ziehen, ab der Armut beginnt. Im Gegensatz zu natürlichen Phänomenen (wie dem Licht beispielsweise) ist Armut ein gesellschaftliches Phänomen und damit...

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