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Vom Gipfel der Alpen… Schweizer Drama und Theater im 20. und 21. Jahrhundert

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Edited By Karolina Sidowska and Monika Wąsik

Das Ziel dieses Buches ist in erster Linie die Popularisierung dieser Schweizer Theaterautoren, die – mit Ausnahme vielleicht von Lukas Bärfuss – im polnischen sowie europäischen Umfeld wenig bekannt oder gar unbekannt sind, wie Mathias Zschokke, Thomas Hürlimann, Lukas Linder, etc. Bei manchen von ihnen steht das politische und soziale Engagement deutlich im Fokus (Albert Ehrismann, Urs Widmer, Milo Rau). Darüber hinaus wird aus heutiger Perspektive der Literaturkanon, d.h. das Œuvre von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt, neu gelesen und reinterpretiert. Nicht zuletzt finden hier auch einige Aspekte der Organisation des Theatersystems in der Schweiz, wie z.B. die Förderungsmaßnahmen für junge AutorInnen oder das gegenwärtige Puppentheater, eine Beleuchtung. 

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Marta Famula: Die Wissenschaftler und das verantwortliche Handeln im schweizerischen Drama. Friedrich Dürrenmatts Physiker Möbius und Lukas Bärfuss’ Mediziner Gustav Strom

Die Wissenschaftler und das verantwortliche

Handeln im schweizerischen Drama. Friedrich

Dürrenmatts Physiker Möbius und Lukas

Bärfuss’ Mediziner Gustav Strom

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Marta Famula

Zusammenfassung: In seiner programmatischen Schrift Theaterprobleme (1954) entwickelt Dürrenmatt die Figur des „mutigen Menschen“ als eine philosophische Möglichkeit, die Welt trotz ihrer Undurchschaubarkeit zu „bestehen“, und attestiert dem Theater so ein grundsätzlich ethisch-politisches Potential. Was für seine Arbeit im 20. Jahrhundert in der dramaturgischen Form der Groteske realisierbar war, stellt Autoren des 21. Jahrhunderts – etwa Lukas Bärfuss – vor eine Herausforderung. Die Erfahrung multipler und zur Unverbindlichkeit neigender Selbst- und Sinnentwürfe in einer medial und global geprägten Realität scheint dem ethischen Anspruch nicht mehr Stand zu halten, vielmehr scheint er in Figuren wie dem Sterbehelfer Gustav Strom (Bärfuss: Alices Reise in die Schweiz, 2005) in der grundsätzlichen Frage nach verbindlichen Identitätskonzepten zu kulminieren. Der Vortrag lotet anhand einer Gegenüberstellung der Figuren Möbius (Dürrenmatt: Die Physiker, 1962) und Gustav Strom die dramatische Realisierbarkeit der ethisch-philosophischen Anliegen aus.

Schlüsselwörter: Wissenschaft, Ethik, Verantwortung, Nachkriegsliteratur, Gegenwartsdramatik

Friedrich Dürrenmatts Theater der Groteske verkörpert im Nachkriegseuropa der 1950er und 1960er Jahre eine Position, die philosophischen wie politischen Anliegen gleichermaßen Rechnung trägt. Als Ausgangspunkt steht eine Realität, die kognitiv nicht bewältigbar ist – eine Position, die grundsätzlich auf zwei Einsichten beruht: einerseits auf der Erfahrung des 2. Weltkrieges, die bei Dürrenmatt stets an die Unabsehbarkeit der durch Technik und ökonomische Einzelinteressen geschaffenen Realität eng geknüpft ist,1 und andererseits auf der ←55 | 56→erkenntnistheoretischen Aporie,...

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