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Nonstandard im semantischen Raum

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Julia Elisabeth Klein

Sprachwissen, Spracheinstellungen und Sprachvariation sind zentrale Phänomene gesellschaftlicher Konstruktion und Wahrnehmung. Die Studie rekonstruiert diese und untersucht Verwendungen sprachlicher Formen bei Jugendlichen aus der Region Trier empirisch anhand einer dreigliedrigen Leitfrage: Wie wird der Sprachraum von Sprechern mit alltagssprachlichen Termini strukturiert, wie sind davon ausgehende Spracheinstellungen zur Nonstandardverwendung sozial verteilt und wie wird vor diesem Hintergrund Sprachvariation zur Strukturierung von Mikrosituationen verwendet? Die Thematik wird mittels eines Mixed-Methods-Designs und die zentrale Analysekategorie »semantischer Raum« erschlossen.

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1. Mehrdimensionale Zugänge zu regionaler Sprachvariation

1. Mehrdimensionale Zugänge zu regionaler Sprachvariation

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Sprachvariation zwischen Standard und regionalem Nonstandard, die im Zentrum dieser Arbeit steht, wird vor allem innerhalb der Dialektsoziologie4 fokussiert. Dabei steht zunächst die empirische Untersuchung regionaler Sprachwirklichkeit unter Einbezug der Differenzierung substandardsprachlicher Varietäten und deren Korrelation mit statischen sozialen Parametern im Mittelpunkt.5 Erst später rücken die Situation und die Bewertung sprachlicher Formen als sprachgebrauchsteuernde Faktoren ins Blickfeld der Forschung (z. B. Macha 1991), wobei Schichtkonzepte zur Sprechereinteilung mit Differenzierungskonzepten, die sich an anderen soziokulturelle Merkmalen orientieren (etwa Wiese 1982), konkurrieren. Grundsätzlich folgt die Dialektsoziologie auch heute da noch einer system- und strukturbezogenen Ausrichtung, wo sie einen Dialektbegriff zugrundelegt, der das Sprachlagenspektrum des Substandard (im Sinne aller Varietäten unterhalb der Standardvarietät) umfasst, ggf. empirisch weitere Zwischenstufen differenziert und diese Struktur sowie deren Dynamik untersucht (z.B. Lenz 2003).6

Problematisch sind für den systembezogen Ansatz jedoch die ursachenbezogene Analyse von Varianz sowie die Erklärung von Sprachwandel. Für die vorliegende Arbeit ist es daher nötig, einen Ansatz zu wählen, der die drei zentralen Probleme systembezogener Ansätze nämlich

1. die Konstruktion des Sprechers als lediglich normorientiertem Subjekt7 (Dittmar 1997:61), bei dem

2. Sprechverhalten nur als abhängige Variable sozialer und situativer Merkmale erklärt wird (Macha 1991)8, und

3. die Probleme der Erklärung von Sprachwandel durch Bedeutungsverschiebung und kollektiven innovativen Sprachgebrauch9

bei der Untersuchung von Sprachvariation abfängt.

Entsprechend wird ein handlungsbezogener Zugang gewählt,...

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