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Ingenieure auf der Leinwand

Technische Visionen und Ordnungsvorstellungen im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre

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Anke Woschech

Zu Beginn der 1930er Jahre tauchten im bis dato expressionistisch geprägten deutschen Zukunftsfilm vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte einem vordergründigen Fortschrittsoptimismus frönten. Dabei verwiesen diese Filmfiguren auf Ordnungsvorstellungen, die technokratische bis völkische Lösungen der zeitgenössisch virulenten Frage nach dem Konflikt von Kapital und Arbeit bemühten. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte sowie unter Anwendung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit analysiert die Autorin die filmische Inszenierung von Ingenieuren und Technik. Sie zeigt auf, dass sich diese Filme als (Zerr-)Spiegel einer zentralen Konfliktlinie der industriellen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit verstehen lassen.

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2. Auf der Suche nach dem „Neuen Menschen“: F.P.1 antwortet nicht (1932)

2. Auf der Suche nach dem „Neuen Menschen“: F.P.1 antwortet nicht (1932)

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F.P.1 antwortet nicht basiert auf einer Mobilitätsvision der Atlantiküberquerung. Der Ingenieur und Kapitänleutnant Droste (Paul Hartmann) möchte eine Flugplattform mitten im Atlantischen Ozean errichten, um eine größere Sicherheit für Interkontinentalflüge zu gewährleisten – die schwimmende Landebahn soll den Piloten zum Auftanken und für Reparaturen an ihren Flugzeugen zur Verfügung stehen. Der draufgängerische Pilot Ellissen (Hans Albers) bewirbt das Projekt seines besten Freundes erfolgreich bei den Eigentümern der Lennartz-Werft, die sich schließlich zum Bau einer ersten Flugplattform, der F.P.1, bereit erklären. Nach zwei Jahren entsteht eine schwimmende Stadt mit Flugplatz, Hangars und Hotels, die jedoch kurz nach ihrer Einweihung durch einen Sabotageakt zu versinken droht.

Der sich an der Schnittstelle von Abenteuer-, Flieger- und Zukunftsfilm bewegende Streifen hat nicht nur eine bewegte Produktions-, sondern auch Rezeptionsgeschichte vorzuweisen. Uraufgeführt am 22. Dezember 1932 im Berliner Ufa-Palast am Zoo, also in den letzten Tagen der Weimarer Republik, kann er als einziger Film des Untersuchungskorpus von sich beanspruchen, in sämtlichen darauffolgenden politischen Systemen Deutschlands, einschließlich der DDR, im Kino oder später auch in staatlichen Fernsehprogrammen vorgeführt resp. ausgestrahlt worden zu sein. Auch in der jüngsten Vergangenheit wurde er wiederholt in Programmkinoreihen und auf Filmfesten berücksichtigt. So berichtete der Nordkurier 2012 von einer Open-Air-Aufführung des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald:

„Er gilt als einer der ersten Science-Fiction-Tonfilme mit Kultcharakter. ‚F.P.1 antwortet nicht‘, vor 80 Jahren auf der Greifswalder Oie gedreht, begeisterte...

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