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Ingenieure auf der Leinwand

Technische Visionen und Ordnungsvorstellungen im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre

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Anke Woschech

Zu Beginn der 1930er Jahre tauchten im bis dato expressionistisch geprägten deutschen Zukunftsfilm vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte einem vordergründigen Fortschrittsoptimismus frönten. Dabei verwiesen diese Filmfiguren auf Ordnungsvorstellungen, die technokratische bis völkische Lösungen der zeitgenössisch virulenten Frage nach dem Konflikt von Kapital und Arbeit bemühten. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte sowie unter Anwendung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit analysiert die Autorin die filmische Inszenierung von Ingenieuren und Technik. Sie zeigt auf, dass sich diese Filme als (Zerr-)Spiegel einer zentralen Konfliktlinie der industriellen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit verstehen lassen.

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4. Der Ingenieur als Maschinenstürmer: Gold (1934)

4. Der Ingenieur als Maschinenstürmer: Gold (1934)

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Im Vorwort zur 1935er Auflage des 1922 erstmals erschienenen Zukunftsromans Die Macht der Drei widmet sich dessen Autor Hans Dominik ausführlich der vermeintlichen Prognosekraft des technischen Zukunftsromans in Bezug auf realtechnische und auch politisch-gesellschaftliche Entwicklungen. Nach Ausführungen zur Entwicklung der Luftfahrt und den geänderten weltpolitischen Konstellationen des letzten Jahrzehnts folgen Überlegungen zur zukünftigen Erforschung und Beherrschung der Atomenergie:

„Wird es der Technik gelingen, jene Energiequelle zum Fließen zu bringen, die ihr die Physik in den Atomen nachgewiesen hat? Eine wundersame Wandlung hat ja unser Wissen um die Atome während der letzten beiden Jahrzehnte, besonders unter den [sic!] Einfluß der Radiumforschung, durchgemacht. […] Vor einem halben Menschenalter begannen die ersten tastenden Versuche auf diesem Gebiet.“585

Es folgt eine Schilderung der Experimente der britischen Chemiker William Ramsay und (von Dominik unerwähnt) Frederick Soddy mit Radiumsalzen, denen ein großer Erkenntnisfortschritt für die physikalische Theorie, jedoch kaum Wegweisendes zur praktischen Anwendung der Atomenergie attestiert wird. Nach dem deutschnational gesinnten Dominik waren es hingegen „Deutsche […], die Physiker [Arno] Brasch und [Fritz] Lange, welche diese Versuche auf einer anderen, aussichtsreicheren Basis weiterführten“, und zwar nicht mehr, wie noch bei den Briten, mit Alphastrahlen, sondern mit „frei fliegenden Elektronen“, die durch das Anlegen von Höchstspannungen auf eine Geschwindigkeit gebracht werden sollten, um die gewünschte „Atomzertrümmerung“ herbeizuführen:

„Da zogen sie [Brasch und Lange, AW] in die gewitterreiche Gegend am Monte Generoso in der Schweiz, fingen dort die Blitze...

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