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Opfer – TäterInnen – Theaterpublikum

Szenarien von Zeugenschaft in Theaterstücken zum NSU

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Anna Brod

Die Untersuchung bietet die erste Bestandsaufnahme eines bemerkenswerten Phänomens des politischen Gegenwartstheaters: In den Spielzeiten 2012/13 bis 2017/18 wurden 25 Theatertexte uraufgeführt, die sich mit der Verbrechensserie der Terrorgruppe ‚Nationalsozialistischer Untergrund‘ (NSU) befassen. Sie reagieren damit auf Leerstellen der politischen, gesellschaftlichen sowie juristischen Aufarbeitung des NSU. Die Studie untersucht ausgewählte prototypische Theatertexte von Elfriede Jelinek bis Nuran David Calis und deren Inszenierungen. Der Fokus auf Zeugenschaft als Analyseperspektive verbindet Fragen der Darstellung, wie jene von Angehörigen der Opfer oder von TäterInnenfiguren, mit Fragen der Rezeption von TheaterzuschauerInnen.

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II Theaterstücke zum NSU: eine Bestandsaufnahme

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1 Quantitative Auswertungen

Tobias Becker, Jurysprecher des Mülheimer Dramatikerpreises 2015, bezeichnete das Thema NSU Anfang März 2015 bei der Bekanntgabe der nominierten Texte als das bestimmende Thema des deutschsprachigen Theaters im Jahr 2014 und zog daraus die Bilanz: „Diese Stücke haben in diesem Jahr das Bild der Gegenwartsdramatik geprägt.“1 Ob sich diese Aussage auch quantitativ stützen lässt, untersuche ich im Folgenden und ziehe dazu sowohl Informationen aus den jährlich erscheinenden Werkstatistiken des deutschen Bühnenvereins2 als auch selbst erhobene zusätzliche Daten heran.

1.1 Uraufführungen, Theaterstücke und szenische Projekte zum NSU

Wie aus Tabelle 1 und Diagramm 1 hervorgeht, ist die Anzahl der Uraufführungen von Theaterstücken, die den NSU, Auswirkungen der begangenen Verbrechen sowie Ansätze der Aufarbeitung thematisieren, seit der Spielzeit 2012/13 bis zur Spielzeit 2015/16 auf einem ähnlichen Niveau geblieben. In der Spielzeit 2016/17 zeigt sich ein leichter Anstieg auf sieben Uraufführungen, der womöglich auch auf den fünften Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU am 04.11.2016 zurückzuführen ist. Anlässlich dessen wurde beispielsweise das Theatertreffen Unentdeckte Nachbarn in Chemnitz initiiert, in dessen Rahmen der Theatertext Welthauptstrand Europa von Gerhild Steinbuch uraufgeführt wurde. Es wird weiterhin deutlich, dass die Theater relativ schnell auf die Selbstenttarnung des NSU reagierten: Etwa ein Jahr nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 04.11.2011 in Eisenach, und nachdem sich Beate Zschäpe am 08.11.2011 der...

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