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Epischer Renaut alias heiliger Reinoldus im Lichte einer Radiocarbon-Datierung

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Gustav Adolf Beckmann

Nicht, wie man annahm, aus dem 11. oder frühen 12., sondern laut Radiocarbon-Datierung aus dem 7. oder frühen 8. Jahrhundert stammt die Dortmunder Reliquie des Hl. Reinold, also des epischen Renaut de Montauban. Damit muss die Vor- und Frühgeschichte sowohl des berühmten Epos als auch der parallelen, zwar weniger bekannten, aber ebenfalls faszinierenden Heiligenlegende neu durchdacht werden.

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VI. Vergleich: Die Hagiographie und der Schlussteil des Epos

VI. Vergleich: Die Hagiographie und der Schlussteil des Epos

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Wir sind nun imstande, den Reinoldus der Prosalegende – als des Hauptstücks des beschriebenen hagiographischen Korpus – mit dem Renaut des Schlussteils des Epos zu vergleichen. Das frz. Epos erfassen wir, sozusagen sicherheitshalber, nach beiden gängigen Editionen: nach der Edition des Ms. Douce (D, Oxford, Bodl. Douce 121, Anfang bis Mitte 13. Jh.) von Jacques Thomas (Genf 1989) mit dem ältesten erreichbaren, gedrängten und noch recht schmucklosen Text (insgesamt 14310 Verse) und nach der Edition des Ms. La Vallière (L, Paris B.N. fr. 24387, 13., vielleicht erst Anfang 14. Jh.) von Ferdinand Castets (Montpellier 1909) mit einem auf Schritt und Tritt amplifizierten (oft sogar umgearbeiteten) Text (von 18489 Versen). Einen Kontrollblick müssen wir ständig auch auf deren Weiterentwicklung, das niederld.-frühnhd. Epos, werfen; da vom ursprünglichen niederld. Text nur Fragmente erhalten sind (weniger als 15% des Gesamttextes), halten wir uns stattdessen, wie in der Nederlandistik nicht unüblich,87 an die älteste erhaltene Vollform (15388 Verse), den deutschen Reinolt von Montelban, ed. Fridrich Pfaff (Tübingen 1885).

Mit einer erklärbaren Ausnahme betonen alle Textzeugen der Legende einleitend Reinolds Herkunft aus dem Hochadel, nennen zumindest seinen Vater Haimo als einen großen Kämpfer, dessen vier Söhne durch vulgärsprachliche Lieder88 allgemein bekannt seien. Die Ausnahme, das Duytsche ←65 | 66→passionail, das auch sonst durch Kürzungen auffällt, attestiert Reinold immerhin ‚edle Eltern‘.89

Die Identifikation ist eine gegenseitige, nichts deutet auf irgendeinen Zweifel an der Identität. Nicht...

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