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Antike und Byzanz als historisches Erbe in Südosteuropa vom 19.–21. Jahrhundert

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Edited By Hans-Christian Maner and Ioannis Zelepos

Der Sammelband enthält Beiträge internationaler Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen zur Wahrnehmung von Antike und Byzanz als historischem Erbe in Südosteuropa vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Fallbeispiele reichen von Bosnien-Herzegowina bis zur Türkei. Die Autoren untersuchen Medialisierungen von Vergangenheit in komparativer Perspektive im Hinblick auf wissenschaftliche Diskurse sowie auf politische und ideologische Indienstnahmen unter besonderer Berücksichtigung jüngster und gegenwärtiger Entwicklungen. Ihre differenzierten Einzelanalysen liefern somit ein wertvolles Kompendium zum aktuellen Thema «Public History» in der Region.

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Antike und Byzanz als historisches Erbe in Südosteuropa (19.–21. Jahrhundert). Einleitung

Antike und Byzanz als historisches Erbe in Südosteuropa (19.–21. Jahrhundert). Einleitung

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Die Auseinandersetzung mit Vergangenheit ist zweifellos eine der ältesten menschlichen Kulturpraktiken, die von je her sehr unterschiedliche Formen haben kann: sei es als biographisches Erinnern, als privates wie öffentliches Gedenken an Vorfahren, bedeutende Personen und Ereignisse, oder auch in Gestalt von Schöpfungs- und Herkunftserzählungen mythologischen Charakters. Allen Formen gemeinsam ist, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit niemals nur für sich selbst geschieht, sondern dem Zweck individueller, insbesondere aber auch kollektiver Sinnstiftung dient. Daran hat sich mit der Entstehung professioneller Geschichtswissenschaft, wie sie sich in den letzten etwa zweihundert Jahren herausgebildet hat, grundsätzlich nichts geändert. Auch moderne Historiker betreiben ihr Handwerk nicht um seiner selbst willen, sondern konstruieren Vergangenheitsbilder zur Anwendung auf die Gegenwart und Zukunft ihrer Gesellschaft. Das geht allerdings nicht selten mit ihrer, gewollten oder ungewollten, Instrumentalisierung für Ziele einher, die mit Wissenschaft wenig zu tun haben, weil sie politischer und/oder ideologischer Natur sind.

Angesichts dieser und zahlreicher weiterer Unzulänglichkeiten entpuppt sich die Rekonstruktion „objektiver“ historischer Wahrheit rasch als eine Fiktion, die im besseren Fall auf Naivität beruht, im schlimmeren Fall dagegen auf vortäuschender Anmaßung.

Trotz aller sich daraus ergebender Vorbehalte liegt jedoch der entscheidende Vorteil wissenschaftlicher Deutungsangebote der Vergangenheit gegenüber mythologischen oder belletristischen Geschichtsbildern darin, dass sie überprüfbar und somit auch falsifizierbar sind. Sie sind ihrem Anspruch nach nicht mehr und nicht weniger als Teil eines prinzipiell entwicklungsoffenen Systems, das auf kritischer Kommunikation beruht und auf Selbsthinterfragung und -korrektur angelegt ist.

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