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Antike und Byzanz als historisches Erbe in Südosteuropa vom 19.–21. Jahrhundert

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Edited By Hans-Christian Maner and Ioannis Zelepos

Der Sammelband enthält Beiträge internationaler Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen zur Wahrnehmung von Antike und Byzanz als historischem Erbe in Südosteuropa vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Fallbeispiele reichen von Bosnien-Herzegowina bis zur Türkei. Die Autoren untersuchen Medialisierungen von Vergangenheit in komparativer Perspektive im Hinblick auf wissenschaftliche Diskurse sowie auf politische und ideologische Indienstnahmen unter besonderer Berücksichtigung jüngster und gegenwärtiger Entwicklungen. Ihre differenzierten Einzelanalysen liefern somit ein wertvolles Kompendium zum aktuellen Thema «Public History» in der Region.

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Alte Athener, maßvolle Römer, freiheitsliebende Daker und ungeliebte Byzantiner: Die Vergangenheitswahrnehmung in der „Volkspsychologie“ von Kazazis und Drăghicescu

Alte Athener, maßvolle Römer, freiheitsliebende Daker und ungeliebte

Byzantiner: Die Vergangenheitswahrnehmung in der „Volkspsychologie“

von Kazazis und Drăghicescu

Extract

Ekkehard W. Bornträger

The study of national psychology and national character had become, by the end of the 19th century an increasingly popular approach of exploring – and summarizing – ethnic continuities in a way accessible to a larger public. We present here two works, by the Greek professor of law and the leading figure of pre 1914 Greek nationalism Kazazis, and by the Romanian sociologist and irredentist politician Drăghicescu. They both inaugurated, in their respective countries, this kind of identity discourse.

Die beiden „volkspsychologischen“ Entwürfe von Neoklis Kazazis (1914/1926)1 und Dumitru Drăghicescu (1907)2 verkörperten eine neue Spielart nationaler Identitätszuschreibung in Griechenland und Rumänien. Im Vergleich zur oft rein rhetorischen Beschwörung vergangener Größe oder Schmach in Gestalt einiger Stereotype setzte dieses neue Genre eine eingehendere, argumentative Auseinandersetzung mit der Art und Weise voraus, in der das geschichtliche Werden den Nationalcharakter vor der Folie eines oft überzeitlich-organisch verstandenen Volksbegriffs beeinflusste.

Die „Entdeckung“ des Nationalcharakters vollzog sich in beiden Ländern mit einer gewissen Verspätung nicht nur gegenüber dem west- und mitteleuropäischen Raum, wo die Völkerpsychologie sogar durch Wundt in den Rang einer wissenschaftlichen Disziplin erhoben wurde; auch in Russland war die Kollektivpsyche schon Jahrzehnte vor der Jahrhundertwende zum Gegenstand der politischen Essayistik geworden.

Überhaupt kann insbesondere für den griechischen Raum sogar noch weit ins 20. Jahrhundert hinein eine bemerkenswerte Zurückhaltung gegenüber eingehenderen völkerpsychologischen Standortbestimmungen jenseits des...

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