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Antike und Byzanz als historisches Erbe in Südosteuropa vom 19.–21. Jahrhundert

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Edited By Hans-Christian Maner and Ioannis Zelepos

Der Sammelband enthält Beiträge internationaler Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen zur Wahrnehmung von Antike und Byzanz als historischem Erbe in Südosteuropa vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Fallbeispiele reichen von Bosnien-Herzegowina bis zur Türkei. Die Autoren untersuchen Medialisierungen von Vergangenheit in komparativer Perspektive im Hinblick auf wissenschaftliche Diskurse sowie auf politische und ideologische Indienstnahmen unter besonderer Berücksichtigung jüngster und gegenwärtiger Entwicklungen. Ihre differenzierten Einzelanalysen liefern somit ein wertvolles Kompendium zum aktuellen Thema «Public History» in der Region.

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Das historische Erbe der Spätantike und seine Auswirkungen auf die moderne Archäologie Bosnien-Herzegowinas im Kontext von Nationalismus, Kriegsnachwirkungen und Religion

Das historische Erbe der Spätantike und seine Auswirkungen auf die moderne Archäologie Bosnien-Herzegowinas im Kontext von Nationalismus, Kriegsnachwirkungen und Religion

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Karsten Bracker

This article presents the current medieval and modern archaeological studies of Bosnia-Herzegovina and places them in the context of political influence, group identities and their social significance. Also, the need for a global and non-nationalistic historical science, and especially archaeology, is emphasized.

Die Anziehungskraft der Vereinnahmung einer ausgesuchten Vergangenheit für politische Zwecke ist in der Geschichte der modernen Nationalstaaten weder etwas Neues noch etwas Besonderes. Je länger die jeweils vermittelten Kontinua im kollektiven Gedächtnis einer Bevölkerungsgruppe weitergetragen beziehungsweise polarisiert werden, desto selbstverständlicher werden diese ursprünglich recht abwegig klingenden Theorien auch für Außenstehende, sei es nun die Miteinbeziehung antiker Makedonier in die griechische, die glorreichen Zeiten zentralasiatischer Legendenfiguren wie Oghuz Khan in der Geschichtsschreibung turksprachiger Staaten1, oder die Rückführung der Gründung Frankreichs auf Chlodwig, welcher auch gut durch die heutigen Staaten Belgien und Deutschland mit einem ähnlich scheuklappenartigem Blick auf die Geschichte vereinnahmt werden könnte.2

Bosnien-Herzegowina stellt hierbei insofern einen Sonderfall dar, als über eine theoretisch gemeinsame Vergangenheit, das Römische und später Byzantinische Reich, sich heute drei verschiedene Geschichtsbilder auf diesen Ursprung beziehen: Von den Illyrern über die Teilung der römischen Kirchen im Morgenländischen Schisma von 1054 bis zur Ausbreitung des Osmanischen Reiches nach Südosteuropa lassen sich beliebige Kontinuitätsstränge stricken, die eine definitive Zuordnung zu einer von Geburt an unverrückbaren Ethnie möglich machen. Diese durch Religionen und feste Gruppenzugehörigkeiten vorgegebenen Strukturen...

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