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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

Series:

Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

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5 Ist Oswalds Liedschaffen protomodern? Anmerkungen zu einem heiklen Thema

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Abstract: Mit dem Begriff der Protomoderne soll versucht werden, anhand einiger Lieder Oswalds von Wolkenstein der vieldiskutierten Frage, ob mittelalterliche Literatur eher von Alterität geprägt ist oder auch als Beginn von Modernität aufgefasst werden muss, neue Aufmerksamkeit zu widmen. Die Fremdwahrnehmung sowie die Darstellung der eigenen Subjektivität in der Stimme des Ich erlaubt es, hier von einem modernen/protomodernen lyrischen Text zu sprechen.

Keywords: Oswald von Wolkenstein, Alterität und Modernität, Protomoderne, Wahrnehmung des Fremden, Reiseliederhûssorge

In der inzwischen sehr umfangreichen Oswald-Forschung taucht schon seit Langem die Vorstellung einer wie auch immer gearteten Modernität seines Werks, gar seiner Person auf, die Überzeugung, seine Lieder kämen auf besondere Weise den Erwartungen eines modernen Publikums entgegen. Allerdings blieben diese Vorstellungen doch spekulativ und verliefen sich, ohne wirklich konkret zu werden. Letztlich scheint das Verdikt Barbara Könnekers aus dem Jahr 1980 unwidersprochen geblieben zu sein, in welchem sie mit durchaus bedenkenswerten Argumenten und in einer Zusammenschau Oswald, Heinrich Wittenwiler und Johannes de Tepla ohne Einschränkung dem Mittelalter zuschlug, als Endzeitphänomene.1

Betrachtet man die mediävistischen Philologien der letzten Jahrzehnte, so scheint die „Modernitätsfrage“ eher obsolet zu sein. Nach Kontinuität zu fragen, angesichts des dominierenden Alteritätsparadigmas, ist methodisch offenbar wenig aktuell, und dies unabhängig von der viel beschworenen anthropologischen Wende, die vielleicht gar nicht allzu viel zu wenden hatte, aber nach Kräften mithalf, die Geisteswissenschaften langsam den sog. Kulturwissenschaften zu opfern...

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