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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

Series:

Michael Dallapiazza

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

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9 „lebe ich noch immer und schon wieder“. Franz Werfels Roman Stern der Ungeborenen

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Abstract: Der Beitrag ist als Versuch zu betrachten, Werfels Roman als ein Schreiben über Auschwitz zu verstehen, der von der Grundfrage ausgeht, die schon Dante, dessen Werk hier als Hintergrund präsent ist, beschäftigt hat: Wie kann das Grauen, das nicht vergessen werden darf, in Worte gefasst werden?

Keywords: Franz Werfel. Exilliteratur. Schreiben nach Auschwitz. Danterezeption

Franz Werfel arbeitete mit längeren Unterbrechungen, die meist seiner prekären Gesundheit geschuldet waren, insgesamt zwei Jahre im kalifornischen Exil an seinem letzten Werk, und am Ende wohl verbissen, ja verzweifelt um dessen Abschluss ringend. Mit der Vollendung des letzten Kapitels war auch sein Leben ans Ende gelangt: Wenige Tage danach, am 26. August 1945, starb er. Ein wohl geplanter Epilog blieb ungeschrieben.

Nicht nur innerhalb von Werfels Werk wirkt dieser Roman wie ein Fremdkörper, auch in der gesamten Literaturgeschichte wird man schwerlich Seinesgleichen finden, was nicht heißen soll, Stern der Ungeborenen1 wäre nicht fest in vielen literarischen Traditionen verankert. Der Roman hatte wohl nie Erfolg gehabt, und obwohl er immer wieder Gegenstand literaturhistorischer Überlegungen war, scheint man sich nur ungern mit ihm beschäftigt zu haben.2 Allzu voreilig bisweilen und dazu konträr erscheinen die Urteile über ihn, aber allen Versuchen, den Roman mit Etiketten zu versehen und in Schubladen zu stecken, ←161 | 162→hält das Buch stand.3 Wenn Einigkeit herrschen kann, dann darüber, dass es ein ausgesprochen vielschichtiges Werk ist, das seinen Leser oft fesselt, häufiger aber noch...

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