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Der christliche Glaube als reflektierte Erfahrung

Eine Studie zur Schleiermacherrezeption Gerhard Ebelings

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Jana Huisgen

Gerhard Ebelings Schleiermacherrezeption steht exemplarisch für die Wiedergewinnung der Erfahrungs- und Wirklichkeitsdimension der evangelischen Theologie nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Studie stellt Ebeling als einflussreichen Vertreter der beginnenden Schleiermacherforschung in den 50er und 60er Jahren vor. Die Religionstheorie und Gotteslehre Schleiermachers werden als Ausdruck einer Theologie des Subjekts begriffen, die das religiöse Selbstbewusstsein und dessen Ausdrucksformen zum Gegenstand hat. Die Autorin zeigt, wie Ebeling diese theologische Grundeinsicht aufnahm, um den Herausforderungen einer modernen Dogmatik gerecht zu werden. Sie weist nach, dass Ebeling der «Glaubenslehre» eine hermeneutisch-theologische Lesart zugrunde legt und präsentiert als Folge die Akzentverschiebung vom religiösen Selbstbewusstsein auf die Sprache als hermeneutische Leitkategorie der Dogmatik Ebelings.

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4. Das Verhältnis von Theologie und Philosophie

4. Das Verhältnis von Theologie und Philosophie

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Eines der zentralen Themen innerhalb der Schleiermacherinterpretation, das bereits lange und durchaus kontrovers verhandelt wurde, ist die Frage nach dem Verhältnis von Theologie und Philosophie in der Glaubenslehre.373 So weist Hans-Joachim Birkner darauf hin, dass es „nicht allzu viele Dokumente vor allem der theologischen Schleiermacher-Literatur geben“ dürfte, in denen dieses Verhältnis „nicht verhandelt, erwähnt oder zumindest doch berührt werden dürfte.“374 Gerhard Ebeling bezeichnet „die Struktur der Verbindung von Theologie und Philosophie“ geradezu als das „Kernproblem der Schleiermacherinterpretation“.375 Dass diese Verbindung eines seiner zentralen Forschungsinteressen in der Auseinandersetzung mit Schleiermacher darstellt, zeigt sich an der Häufigkeit, mit der er die Verhältnisbestimmung innerhalb seiner Schleiermacherstudien thematisiert,376 ohne sie selbst jedoch im Zusammenhang erörtert zu haben. Entsprechendes hat die Schleiermacherforschung vor allem der Arbeit Hans-Joachim Birkners zu verdanken.

Nach Birkner lassen sich drei Interpretationstypen unterscheiden, die das Verhältnis zwischen Theologie und Philosophie als ein Verhältnis der Unabhängigkeit, der Abhängigkeit oder der Vermittlung bestimmen.377 Die ←129 | 130→Unabhängigkeitsthese beruft sich auf Schleiermachers Selbstauskunft in seinen „Sendschreiben“ an Friedrich Lücke, in denen er die Unabhängigkeit seiner Glaubenslehre von der Philosophie bekundet. Sie impliziert den methodischen Grundsatz, Schleiermachers Glaubenslehre allein aus sich selbst heraus zu verstehen, woraus ihre Forderung nach einer textimmanenten Interpretation resultiert.

Die Abhängigkeitsthese ist Birkner zufolge bei Schleiermachers theologischen Kritikern zu erkennen. Bereits im 19. Jahrhundert haben diese gegen Schleiermacher den Vorwurf erhoben, die Theologie philosophischen Einflüssen ge...

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