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Genuss und Arbeit im Angestelltenroman

Von Irmgard Keun bis Elfriede Jelinek

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Lucas Alt

Ist ‚gutes Leben‘ im Kapitalismus möglich? Diese Frage verhandeln Angestelltenromane seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Studie analysiert das Spektrum zwischen Müssen und Muße, Lust und Frust, Arbeit und freier Zeit vor dem Hintergrund einer allgegenwärtigen Verwertungsmoral. Die interdisziplinäre Darstellung verbindet dabei Ergebnisse der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und ermöglicht einen Einblick in die paradoxen Psychodynamiken moderner Arbeitsverhältnisse.

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10. Philipp Schönthaler: „Das Schiff das singend zieht auf seiner Bahn“ – Selbstermächtigung und -akkumulation – die Einsamkeit des Daseins

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Mit seinem 2013 bei Matthes und Seitz erschienen Debütroman „Das Schiff das singend zieht auf seiner Bahn“1283 legt Philipp Schönthaler einen Text vor, der zeitgenössische Arbeits- und Freizeitdiskurse vor allem mit Blick auf die höher qualifizierte Angestelltenarbeit literarisch verarbeitet. In großen ←389 | 390→Teilen seines Texts beschäftigt sich der Autor dabei mit den Möglichkeiten und (teils komisch bis grotesk anmutenden) Wirkungen der Optimierung, Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit. Zentral erscheint vor allem die Arbeit am eigenen Selbst, welche die „Austreibung des Anderen“1284 verfolgt, also jegliches Unverfügbarkeitspotential zu tilgen sucht. Besondere Bedeutung kommt dabei den Körpern der Figuren zu, die sich in ihrer Prekarität und Unverfügbarkeit vielfach als Gefahrenpotential für eine narzisstische Lust erweisen, die ihrerseits meist über die (psychische) Vorstellung eines optimierten Größen-Selbst vermittelt ist. Die daraus erwachsende Verachtung des Physischen steht zum einen in einer langen christlich-abendländischen Tradition der Körperfeindlichkeit und konfligiert zum anderen mit den materialistischen Grundlagen hedonistischer Philosophie, die den Körper zum Lustpotential erklärt.

In formaler wie inhaltlicher Hinsicht verweist Schönthalers Text auf zahlreiche literarische Einflüsse und Intertexte, die zuweilen offen als entlehnte Namen, Zitate oder Montagen zutage treten. Maßgeblich für die Schreibweise des Romans erscheint vor allem eine Ästhetik der Oberfläche: Mithilfe eines „kalten Blicks“, der unter anderem über die Verwendung medizinischer und psychologischer Fachvokabulare sowie den häufigen Einsatz von Komik und Lakonie vermittelt wird, orientiert sich...

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