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Neue Lesarten ausgesuchter Texte der Kinder- und Jugendliteratur

Literaturwissenschaftliche Erkundungen von der Biene Maja bis hin zu Tschick

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Edited By Anke Christensen and Olaf Koch

Dieser Sammelband widmet sich neuen Lesarten der Kinder- und Jugendliteratur. Dabei werden zum einen Werke der Weltliteratur behandelt, die als klassisch zu bezeichnen sind und unter neuen Fragestellungen betrachtet werden. Andere Aufsätze sollen wiederum als Baustein dienen, ein Forschungsdesiderat zu schließen. Beispielsweise erweist sich Kinder- und Jugendliteraturforschung überwiegend als Prosaforschung, so dass eine Betrachtung des Dramas „Ehrensache" einen Beitrag dazu leistet, auch Jugenddramatik als Forschungsgegenstand zu etablieren. Das kinderliterarische Werk Almut Hoppes ist bislang kaum beforscht. Ebenso haben die Kinderbücher um den „kleinen Nick" oder Andreas Steinhöfels „Es ist ein Elch entsprungen" bisher kaum Beachtung in der Kinder- und Jugendliteraturforschung gefunden.

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Pakt mit dem Teufel – Zeitgeschichtliche Implikationen und Klassiker-Bezüge in James Krüss’ Roman Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen (1962)

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Kinder- und Jugendmedien sind Produkte ihrer Zeit. Sie reflektieren, wie Erwachsene die Welt sehen, welche Werte diese für erstrebenswert halten oder an welchen Stellen Korrekturen gesellschaftlicher Zustände wünschenswert wären. So verarbeiten etwa die Kinder- und Jugendbücher des auf der Insel Helgoland geborenen Schriftstellers James Krüss erkennbar Erfahrungen der Nachkriegsmoderne, wobei die Texte vielfach gegenkapitalistische, liberale Gesellschaftsvorstellungen transportieren, wie sich an der Geschichte Die ganz besonders nette Straßenbahn aus dem Jahr 1965 beispielhaft illustrieren lässt.1 Das Buch erzählt in Bild und Schrift die Geschichte einer Straßenbahn, die eines Tages ihre gewohnte, kreisförmige Route verlässt und aus der Stadt in die Natur fährt. Unterwegs sammelt sie allerhand Tiere ein: einen hinkenden Hund, eine schwarze Katze, einen Hahn und einen Esel – allesamt Einzelgänger, die sich zusammentun und im Wald auf eine Gruppe Kinder treffen. Die Tiere betreten in einem einsamen Waldhaus eine Bühne und tragen das Märchen Die Bremer Stadtmusikanten vor. Im Rahmen einer Märchengeschichte findet also die Theateraufführung eines Märchens statt.

Ganz offenkundig versteht sich die Geschichte von der Straßenbahn als moderne Variante des Märchenklassikers, das verschiedene Medienwechsel erfährt: Das Grimm-Märchen wird auf die Bühne gebracht; diese Performance vermittelt das Kinderbuch dann wiederum schriftlich und bildlich. Über die ‚Spiel-im-Spiel-Struktur‘ gibt das Buch Aufschluss über seine Botschaft. Die Tiere, die die Bremer Stadtmusikanten aufführen, adressieren Kinder, der Gesamttext tut dies ebenfalls. Was die Tiere...

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