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Neue Lesarten ausgesuchter Texte der Kinder- und Jugendliteratur

Literaturwissenschaftliche Erkundungen von der Biene Maja bis hin zu Tschick

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Edited By Anke Christensen and Olaf Koch

Dieser Sammelband widmet sich neuen Lesarten der Kinder- und Jugendliteratur. Dabei werden zum einen Werke der Weltliteratur behandelt, die als klassisch zu bezeichnen sind und unter neuen Fragestellungen betrachtet werden. Andere Aufsätze sollen wiederum als Baustein dienen, ein Forschungsdesiderat zu schließen. Beispielsweise erweist sich Kinder- und Jugendliteraturforschung überwiegend als Prosaforschung, so dass eine Betrachtung des Dramas „Ehrensache" einen Beitrag dazu leistet, auch Jugenddramatik als Forschungsgegenstand zu etablieren. Das kinderliterarische Werk Almut Hoppes ist bislang kaum beforscht. Ebenso haben die Kinderbücher um den „kleinen Nick" oder Andreas Steinhöfels „Es ist ein Elch entsprungen" bisher kaum Beachtung in der Kinder- und Jugendliteraturforschung gefunden.

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Der Räuber Hotzenplotz

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Mit einer Auflagenhöhe von rund acht Millionen und Übersetzungen in 41 Sprachen,1 zahlreichen Bearbeitungen als Hörspiel, Hörbuch, Theaterstück, Kinderoper, Singspiel, Musical, Realverfilmung und einem weitreichenden Merchandising gehört Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz unzweifelhaft zu den deutschsprachigen Kinderbuch-Klassikern. Die drei Bände umfassende Geschichte vom tollpatschigen Räuber (1962, 1969, 1973), dem hauptsächlich von zwei Kindern – Kasperl und Seppel – das Handwerk gelegt wird, hat mehr als 50 Jahre lang allen Verwerfungen standgehalten. Anders als Preußlers Kleine Hexe, aus der 2013 auf Initiative der damaligen Bundesministerin Christina Schröder die „Neger“ ersatzlos gestrichen worden sind, ist der Hotzenplotz auch von wesentlichen Eingriffen in die originale Textgestalt verschont geblieben.2

Die Konstanz dieses Erfolgs erstaunt umso mehr, als in diesem Kinderbuch pädagogisch wie ästhetisch manches schief geraten ist. So rückt der Titel Der Räuber Hotzenplotz den Übeltäter in den Mittelpunkt und verstärkt dies auch noch durch die markante, überaus einprägsame Illustration der Figur, die in den ersten beiden Bänden den Vorderumschlag ausfüllt.3 Dem Innentitel zufolge will der Text eine Kasperlgeschichte sein, obwohl dort ebenfalls nur der Räuber abgebildet ist, während der vorgeblich zentrale Kasperl wie sein Freund Seppel auf den Rückumschlag verbannt wird. Erst mit dem abschließenden dritten Band ändert sich das Schema: Hotzenplotz, Kasperl und Seppel studieren gemeinsam das Fahndungsplakat, mit dem der Räuber gesucht wird. Zu dieser zweideutigen, wenn nicht gar widersprüchlichen Etikettierung kommt ←97...

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