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Gewalt, Krieg und Geschlecht im Mittelalter

Edited By Amalie Fößel

Gewalt und Krieg sind heute wie auch in der Vormoderne keine ausschließlich männliche Domäne, sondern Räume der Männer und Frauen gleichermaßen. In Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen werden Geschlechterrollen ausgebildet, konforme und abweichende Verhaltensweisen ausprobiert und Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit entwickelt. Erstmals für die Epoche des Mittelalters (7.-16. Jahrhundert) werden daraus resultierende Fragestellungen im interdisziplinären und kulturübergreifenden Vergleich untersucht. Die Beiträge erörtern Geschlechterbeziehungen auf Darstellungs- und Handlungsebene und beschreiben Interaktionsformen in Kontexten von Gewalt und Krieg. Über den europäischen Raum mit seinen zahlreichen Fehden und Heerzügen hinaus werden auch die Kreuzzüge in den Blick genommen.

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Militärische Wertvorstellungen und männliche Identität im merowingischen Gallien (Laury Sarti)

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Laury Sarti

Militärische Wertvorstellungen und männliche

Identität im merowingischen Gallien

Abstract: This paper assesses early medieval military values and the perception of male military identities by using semantic analysis of relevant terms like virilitas, fortitudo and utilitas. It argues that the early Middle Ages saw an upvalue of military abilities and achievements, which increasingly defined male identity and appreciation.

Einleitung

Zum Jahr 583 berichten die Historien Gregors von Tours, wie sich die Ereignisse in Folge eines Friedensbundes zwischen König Chilperich und seinem Neffen Childebert II. gegen den eigenen Onkel und Bruder König Gunthramn zuspitzen:

Chilperich bot nun im Vertrauen auf ihre [Childeberts II. Gesandte] Versprechungen in seinem Reiche das Heer auf und zog nach Paris. Als er sich dort aufhielt, erlitten die Einwohner großen Schaden an ihrem Vermögen. Herzog Berulf aber zog mit denen von Tours, Poitiers, Angers und Nantes gegen das Gebiet von Bourges. Desiderius und Bladast schlossen dagegen mit dem ganzen Aufgebot aus der ihnen übertragenen Provinz das Gebiet von Bourges von der anderen Seite her ein und verheerten furchtbar alle Gegenden, durch welche sie zogen. Chilperich ließ aber das ganze Herr, das zu ihm stieß, durch Paris ziehen. Bei dem Durchmarsch kam er selbst durch die Stadt und zog dann gegen die Feste Melun, indem er alles mit Feuer und Schwert verwüstete.1

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Vergleichbare Darstellungen von innergallischen Konflikten und deren Konsequenzen finden sich in der gesamten merowingischen Quellenüberlieferung. Die Konfrontation der lokalen Bevölkerung mit gewaltsam ausgetragenen Konflikten hatte sich in Gallien verstärkt, nachdem im Laufe des 5. Jahrhunderts militärische Auseinandersetzungen nicht mehr vorwiegend an den Grenzen stattfanden und das römische Militärwesen sich weitgehend aufgelöst hatte. Die für die eigenen Heere benötigten Kämpfer rekrutierten die fränkischen Könige vorwiegend direkt aus der örtlichen Einwohnerschaft, wodurch eine Mehrheit der männlichen Zivilbevölkerung mehr oder weniger regelmäßig an Kriegszügen teilnahm.2 Die damit einhergehende Vermischung der zivilen und militärischen Bereiche hatte grundlegende Auswirkungen, sowohl auf die Gesellschaftsstrukturen, wie auch auf zeitgenössische Wertvorstellungen.3

Im Folgenden möchte ich mich vor diesem Hintergrund mit den Fragen beschäftigen, inwiefern sich mit Hilfe der überlieferten Quellen Rückschlüsse auf jene Ideale ziehen lassen, die innerhalb des merowingischen Militärs vorherrschten, welchen Stellenwert diese in der zeitgenössischen Gesellschaft hatten und welche Rolle ihnen damit für die Definition und als Kriterium für die Wertschätzung des Mannes zukam. Ein solches Unterfangen muss sich der Schwierigkeit stellen, dass es, sowohl für die zivile Bevölkerung insgesamt, als auch für die Gruppe der Kriegsteilnehmer, kaum direkte Zeugnisse gibt. Die überlieferten Textquellen wurden fast ausschließlich von Klerikern verfasst.4 Da ←30 | 31→die reine Dokumentation der eigenen Epoche nie das Hauptziel dieser Schriften war, erweisen sich diese für die Untersuchung militärischer Wertvorstellungen als besonders schwierig, denn kriegerische Ideale standen dem christlichen Anspruch von Gewaltlosigkeit diametral entgegen. Im Folgenden möchte ich mich darum zuerst jenen Zeugnissen widmen, die uns von Autoren überliefert wurden, die nicht der Gruppe der Kleriker zuzurechnen sind.

Weltliche Quellen

Nur wenige Texte sind uns aus dem merowingischen Gallien überliefert, die nicht aus primär klerikaler Sichtweise geschrieben wurden. Hierzu gehören die umfassende Gedichtsammlung und Viten des italischen Dichters Venantius Fortunatus,5 die fränkischen Rechtstexte,6 einige der austrasischen Briefe,7 zwei Viten des patricius Dynamius von Provence,8 sowie ein vom Merowingerkönig ←31 | 32→Chilperich verfasster Ymnus. Lediglich die Werke des Dynamius, des Chilperich und einige unter den genannten Briefen stammen von Personen, die auch nachweislich im Laufe ihres Lebens an kriegerischen Unternehmungen beteiligt waren.

Unter den genannten Korrespondenzen finden sich mehrere Freundschaftsbriefe. Diese sind noch in der spätantiken Tradition verhaftet und enthalten neben der in diesem Rahmen üblichen Rhetorik kaum inhaltliche Informationen.9 Dynamius, der Autor der beiden genannten Viten, der auch als Schreiber in den austrasischen Briefen in Erscheinung tritt, vergleicht z. B. den Brief seines Adressaten ausführlich mit Wasser im Mund des Durstigen.10 Ein Brief des Hausmeiers (nutricius) Gogo an den Herzog Chamingus befasst sich eingehend mit der dulcedo und der körperlichen Schönheit des Briefempfängers.11 Bei den übrigen Briefen von weltlichen Autoren handelt es sich um diplomatische Korrespondenz, vor allem mit dem Römischen Kaiserreich in Konstantinopel. Ziel dieser Briefe ist die Herstellung und Pflege freundschaftlicher Verhältnisse (amicitia), weshalb der Wunsch nach Frieden als quasi allgegenwärtige Thematik inhaltlich vorwiegt.12 Die Viten des patricius Dynamius aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts sind für die Studie militärischer Wertvorstellungen etwas ergiebiger.13 Obwohl auch sie das Thema Krieg nicht berühren – einmal ←32 | 33→abgesehen von der Verwendung der Bezeichnung miles Christi für den Heiligen – weist die Vita sancti Maximi episcopi Reiensis zumindest ein vergleichsweise ausgeprägtes Bedürfnis nach einer plastischeren Körperlichkeit auf. In zwei aufeinander folgenden Kapiteln beschreibt Dynamius, wie schwere Säulen für den Bau einer Kirche den Berg hinaufgetragen wurden.14 Die Vita enthält auch mehrere Auseinandersetzungen mit potentiell gefährlichen Gegnern, darunter der personifizierte Teufel oder furchteinflößende Tiere wie große wilde Hunde, Figuren, die im Vergleich mit zeitgenössischen Viten eher ungewohnt sind.15 Auch in seiner Vita des hl. Marius finden sich mehrere Tiergeschichten,16 darunter zwei Wölfe die den Tod eines Welpen durch den Tod der Mutter rächen.17 Alleine der Ymnus in solemnitate sancti Medardi episcopi, der kurz nach 575 durch den Merowingerkönig Chilperich verfasst worden sein dürfte, ←33 | 34→enthält einige wenige Hinweise auf die Wertschätzung des Militärischen.18 Chilperich befasst sich darin mit dem Leben und Wirken des hl. Medard und greift dabei vereinzelt auf militärische Metaphern zurück. Den Heiligen bezeichnet er z. B. als athleta und unterstreicht, dass sich dieser dem himmlischen Kriegsdienst hingegeben habe, indem er schreibt: Glücklich ward er ergebener Soldat, dann ein Führer,/ als Kämpe im Feld gewann er einen Lohn auf ewig.19 Diese militärische Metaphorik ist nicht ungewöhnlich, denn sie findet sich auch in vielen zeitgenössischen Texten, die von klerikalen Autoren verfasst wurden.20 Bemerkenswerter ist, wie der Herausgeber Udo Kindermann aufzeigen konnte, dass der Text offensichtlich in Form eines römischen Soldatenliedes verfasst wurde. Beim Verfassen griff der Frankenkönig auf den (metrischen) trochäischen Septenar zurück,21 ein Rhythmus, der dem Text damit zumindest beim Vortragen einen kriegerischen Klang verliehen haben dürfte.

Die hier nur sehr knapp angerissenen Quellen sind sehr heterogen. Bemerkenswert ist dennoch, dass sie keinen markanten Unterschied zu den übrigen zeitgenössischen Quellen aufweisen und sich auch nicht stärker mit der Welt des Krieges befassen. Immerhin deuten einige der angesprochenen Texte auf ein merkliches Interesse für Körperlichkeit hin, ein Aspekt, der durchaus als authentisches Merkmal militärischer Wertvorstellung gedeutet werden kann.22 Der gesamte Befund bezeugt aber weniger eine dezidiert zivil-militärische Sichtweise, als die Existenz einer gemeinsamen elitär-christlichen Schriftkultur, die sich an antiken und christlichen Vorbildern inspirierte und sich damit eines entsprechenden Themenrepertoires bedienen konnte. Zu den Vertretern dieser Schriftkultur gehörten offenbar nicht nur Autoren aus der geistlichen Oberschicht, sondern auch einige Mitglieder der militärischen Elite.

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Klerikale Quellen

Der Versuch, Wertvorstellungen und Tugenden zu untersuchen, die für den merowingischen Mann und dessen Wertschätzung innerhalb der eigenen Gesellschaft ausschlaggebend gewesen sein dürften, kann nur mit Hilfe der von Geistlichen verfassten Textquellen erfolgen. Die für dieses Thema ergiebigsten Quellengattungen sind die Historiographie und Hagiographie. Eine für die Untersuchung solcher Wertvorstellungen anhand klerikaler Quellen vielversprechende Herangehensweise ist die semantische Analyse von Begriffen und Konzeptionen, die direkt der Welt des Militärischen verhaftet waren. Indem jeder Text geschrieben wird, um von seinem anvisierten Publikum verstanden zu werden, tendiert jeder Autor dazu, auf eine Begrifflichkeit zurückzugreifen, die von diesen Zeitgenossen verwendet wird. Worte spiegeln damit auch immer zeitgenössische Wahrnehmungen und Wertungen wider. Für die vorliegende Untersuchung bedeutet dies, dass selbst dort, wo ein Autor versuchte, eine dezidiert christliche Vision des zeitgenössischen Militärs zu entwerfen – wie dies nachweislich bei Gregor von Tours der Fall war – dieser immer auch auf zeitgenössische Grundvoraussetzungen, Terminologien und Konzepte zurückgreifen musste, die nicht den propagierten Wertvorstellungen entsprachen. Diese Begriffe und die in ihrer Bedeutung vorausgesetzten Selbstverständlichkeiten liefern dem Historiker potentiell authentische Informationen über die dahinter stehenden zeitgenössischen Konzeptionen. Im Folgenden möchte ich mich darum einigen Kernbegriffen mit Bezug auf militärische Wertvorstellungen und die Identität kriegerisch aktiver Männer zuwenden, um diese auf ihre Aussagefähigkeit hinsichtlich der zeitgenössischen Wahrnehmung zu untersuchen.

Merowingische Quellen, die einen Krieger besonders positiv darstellen, charakterisieren diesen entweder mit Adjektiven wie fortis oder fortissimus23 oder sie bescheinigen ihm Eigenschaften wie fortitudo oder virtus. Der Eindruck, dass ←35 | 36→diese Begriffe durchgehend positiv konnotiert waren, wird durch deren Verwendung in der sogenannten Fredegar-Chronik und dem Liber Historiae Francorum bestätigt. Beide attribuieren diese Eigenschaften bevorzugt den frühen Franken und dem ersten fränkischen Großkönig Chlodwig. Besonders deutlich geht die Bedeutung von fortitudo aus einer Fabel hervor, die in der Fredegar-Chronik überliefert ist. Sie berichtet von einem Traum der Königin Basina, der Mutter Chlodwigs und Ehefrau König Childerichs I. Im Traum seien ihr die vier nachfolgenden Generationen in der Gestalt von Tieren erschienen. Jede Tierart habe die fortitudo einer Generation verkörpert: die erste wurde repräsentiert durch die Gestalt des Löwen, die zweite durch den Leopard und das Einhorn, die dritte durch den Bären und den Wolf, und die vierte durch den Hund und anderes niedere Getier.24 Die Fabel belegt damit, dass mit fortitudo Besonderheiten wie körperliche Überlegenheit und Stärke gemeint waren, Eigenschaften, die offenbar für den (erfolgreichen) Herrscher als unabdingbar erachtet wurden.

Militärische Fähigkeiten wie Stärke, Mut oder Entschlossenheit wurden nicht nur an herausragenden Kriegern gelobt, sondern grundsätzlich von jedem Mann erwartet und entsprechend gewürdigt. Wie bereits oben angedeutet, hatten sich nach dem Ende des römischen Militärwesens die zivilen und die militärischen Bevölkerungsteile weitgehend gemischt. Wer Krieger war und wer zur Zivilbevölkerung gehörte, hing seither weniger von der jeweiligen Person ab als von einer spezifischen Situation sowie der Funktion, welche die betroffene ←36 | 37→Person innerhalb dieser einnahm.25 Es verwundert folglich kaum, dass militärische Fähigkeiten als Charakteristikum männlicher Identität auch insgesamt an Bedeutung gewannen. Dieser Umstand geht am deutlichsten aus der merowingischen Konzeption von Männlichkeit hervor: der virilitas.

Die Attribution von virilitas hebt solche Männer hervor, die jene Eigenschaften aufweisen, die nach zeitgenössischer Auffassung für die Identität eines Menschen als „Mann“ ausschlaggebend sind. Um zu verstehen, welche Eigenschaften aus Sicht der Autoren als besonders „männlich“ galten, ist es hilfreich, den jeweiligen Kontext und die mit dem Begriff der virilitas verbundene Konnotation näher zu betrachten. Hierbei fällt auf, dass die merowingischen Quellen diesen Begriff fast ausschließlich in Verbindung mit kriegerischer Aktivität verwenden. Als Beispiel soll hier ein Gedicht des Venantius Fortunatus an den domesticus Conda dienen, der kurz zuvor in einem Feldzug gegen die Sachsen seine beiden Söhne verloren hatte. Fortunatus tröstet ihn mit den Worten, dass beide mannhaft, d.h. viriliter, gestorben seien, denn einen lobenswerten Tod zu sterben bedeute, ewig zu leben.26 Wie auch andere zeitgenössische Autoren stellt Fortunatus mit dieser Aussage eine enge Verknüpfung zwischen der aktiven Waffenführung und dem zeitgenössischen Verständnis männlicher Identität her. Dieser Eindruck wird durch den Umstand bestätigt, dass das eigene Versagen, den mit virilitas verbundenen Erwartungen zu entsprechen, den Verlust der ←37 | 38→gesellschaftlichen Wertschätzung als Mann zur Folge haben konnte. Dies belegen eindrücklich mehrere Stellen in den Historien Gregors von Tours, darunter die dem Turoner Chramnesind in den Mund gelegten Worte: Wenn ich den Tod meiner Verwandten nicht räche, so verdiene ich nicht ferner ein Mann zu heißen; ein schwaches Weib muss man mich dann nennen!27

Offenbar befürchtete Chramnesind, nicht nur seine virilitas, sondern damit auch seine „Ehre“ (Mhd. êre) zu verlieren.28 Dieses Konzept würde im Lateinischen grundsätzlich mit honor übersetzt werden. Eine Studie zur merowingischen Konzeption von honor sollte folglich helfen, das damit verbundene zeitgenössische Verständnis und die Kriterien für männliche Anerkennung zu verstehen. Eine umfassende Untersuchung der merowingischen Verwendung von honor, die von mir anhand des überlieferten Quellenmaterials durchgeführt wurde, hat jedoch keinen Eintrag hervorbringen können, wo dieser Begriff, seiner antiken Bedeutung entsprechend,29 im Sinne von „Ehre“/„Ehrhaftigkeit“, verwendet wurde. Immer lässt sich honor entweder mit „Amt“ übersetzen,30 ←38 | 39→oder durch gloria (Ruhm) ersetzen.31 Damit beschränkt sich die merowingische Konzeption von honor auf solche Elemente, die mehr oder weniger kurzfristig erworben wurden. Belege für die Konzeption jener „Ehre“, die ein Mensch hat, bis er sie unter Umständen verliert, finden sich in der merowingischen Überlieferung nicht.

Die Quellenstelle, in der die Bedeutung von honor der heutigen Verwendung von „Ehre“ am nächsten kommt, findet sich in der Vita Eligii. Hier erklärt der Autor, dass der junge Eligius einst dem Goldschmied Abbo als Lehrling übergeben worden sei, wobei er den Begriff honor verwendet, um zu unterstreichen, dass Abbo ein ehrbarer Mann gewesen sei.32 Die Vita selbst wird heute wieder ins spätere 7. Jahrhundert datiert, wobei die heute überlieferte Fassung eine frühkarolingische Überarbeitung des Originals darstellen dürfte.33 Auch wenn es dadurch schwierig ist zu bestimmen, inwiefern die im Text dokumentierten ←39 | 40→Begriffe auf das Original zurückgehen, ist es bemerkenswert, dass sich keine weiteren vergleichbaren Belege in den merowingischen Quellen finden lassen.

Die selektive Verwendung von honor legt nahe, dass die mit diesem Wort verbundene Konzeption nicht (mehr) dem zeitgenössischen Verständnis von „Ehrhaftigkeit“ entsprach. Dies lässt nach der spätantiken Bedeutung von honor fragen. Wie die Untersuchung von Carlin A. Barton zeigt, bezog sich der antike honor-Begriff (neben seiner Verwendung zur Benennung des Amtes und des Ruhmes) vornehmlich auf zivile Werte wie Handlungsfreiheit und das Vorhandensein jener Rahmenbedingungen, die dem Betroffenen eine freiwillige Inaktivität ermöglichten (otium), d.h. sich durch die Abkehr von weltlichen Pflichten (= Zwang) dem neg-otium zu entziehen.34 Der antike honor bezog sich folglich auf Eigenschaften und Werte, die sich deutlich vom merowingischen Verständnis von Ehrhaftigkeit und dem damit eng verknüpften Ideal der virilitas unterschieden.

Eine mögliche Erklärung für die selektive Verwendung von honor ist die enge Verknüpfung von Ehre und Aktivität, die sich seit dem 6. Jahrhundert anhand der Quellen feststellen lässt. Dieser Aspekt ist auch in den bereits besprochenen Kernbegriffen impliziert. Indem das Wort honor nur noch in Bezug auf ein Amt und den Ruhm verwendet wurde, wurde dieses auf jene zwei Aspekte innerhalb seines möglichen Bedeutungsspektrums beschränkt, die aktiv erworben werden mussten und/oder das Tätig-Sein erforderten. Dieser Befund bestätigt damit, dass das merowingische Verständnis von honor grundsätzlich Aktivität voraussetzte. Da die antike Konzeption eines statischen honor im merowingischen Gallien ihre Bedeutung verloren hatte, gab es keinen Grund, den weiterhin positiv konnotierten Begriff honor in diesem Sinne zu verwenden.

Die hier beschriebene semantische Veränderung von honor hatte zur Folge, dass die merowingischen Quellen kein einschlägiges Äquivalent zum deutschen Work „Ehre“ kennen. Dieser Befund lässt sich durch eine bei Gregor von Tours beschriebene Pariser Fehde untermauern, die durch den Ehebruch einer Frau ←40 | 41→ausgelöst worden sein soll. Die Familie des Ehemannes verlangte daraufhin von den Angehörigen der Ehefrau, entweder deren Unschuld zu beweisen oder die Ehebrecherin zu töten. Gregor erklärt, dass die Betroffenen andernfalls befürchtet hätten, dass dieser Fall die Familienehre beschmutze. Bezeichnenderweise benutzt er hierbei nicht den Begriff honor, sondern umschreibt die durch die Verletzung hervorgerufene gesellschaftliche Stigmatisierung. Dem Kontrahenten legt er die Worte in den Mund: Entweder beweise, dass deine Tochter unschuldig ist, oder sie muss sterben, auf dass nicht ihr Ehebruch Schande bringe über unser Geschlecht [Aut idoneam redde filiam tuam, aut certe moriatur, ne stuprum hoc generi nostro notam infligat].35

Um die merowingische Konzeption von „Ehre“ besser zu verstehen, möchte ich mich nun weiteren Quellenbeispielen zuwenden, die sich mit verletzter Ehre befassen. In diesem Zusammenhang verwenden die Quellen auch Begriffe wie inuria oder humiliare. Gregor von Tours berichtet z. B., wie der fränkische Kleinkönig Ragnachar (von Cambrai) besiegt und gefesselt vor König Chlodwig gebracht wurde, worauf dieser den Gefangenen mit folgenden Worten angegangen habe: Wie konntest du […] so unser königliches Geschlecht erniedrigen, dass du dich binden ließest? Ruhmvoller wäre für dich der Tod gewesen!36 Gregor legt damit nahe, dass erst das Binden die Ehrverletzung unerträglich gemacht hatte, ein Zustand, der die eigene Bewegungsfreiheit vollkommen einschränkte.37 Weitere Erniedrigungstechniken, die in den Quellen erwähnt werden, sind das unfreiwillige Entkleiden und Entwaffnen: Nachdem König Theuderich II. durch seine Niederlage von 612 in Gefangenschaft geraten war, wurden ihm vor dem in Ketten legen seine königlichen Gewänder und das königliche Sattelzeug seines Pferdes abgenommen.38 Offenbar zielte das Entkleiden und Fesseln jeweils darauf ab, eine Person nicht nur handlungsunfähig zu machen, sondern auch das äußere Erscheinungsbild zu beschädigen. Der Betroffene wurde damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Die radikalste Methode der Erniedrigung war das Verstümmeln, wie im Falle Gailens, des Vertrauten Merowechs: Ihm wurden ←41 | 42→Hände, Füße sowie Nase und Ohren abgeschlagen.39 Entwaffnet, gefesselt und verstümmelt konnten die Betroffenen den zeitgenössischen Idealen von körperlicher Integrität und Aktivität nicht mehr entsprechen, ein Umstand, der unweigerlich den Verlust der eigenen „Ehre“ zur Folge hatte. Die öffentliche Zurschaustellung solcher Demütigungen wurde folglich als unerträglich empfunden, wie Gregors Historien explizit bezeugen.40

Die hier kurz angerissenen Beispiele belegen, dass das merowingische Verständnis von „Ehre“ eng an die Erwartung körperlicher Einsatzbereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit geknüpft war. Die damit verbundenen Wertvorstellungen waren zentral für die zeitgenössische Konzeption von virilitas. Obwohl nicht gleichbedeutend mit „Ehre“, dürfte das merowingische Verständnis von virilitas der zeitgenössischen Vorstellung von Ehrhaftigkeit recht nahegekommen sein. Dieser Eindruck wird durch den Umstand bestätigt, dass die eigene virilitas und die eigene „Ehre“ durch Inaktivität eingebüßt werden konnten, und in beiden Fällen damit das eigene Ansehen deutlich gefährdet war.

Militärische Tugenden und Fähigkeiten nahmen in der merowingischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein und stellten ein wichtiges Kriterium männlicher Wertschätzung und Identität dar. Am Eindrücklichsten geht dies aus der zeitgenössischen Konzeption der utilitas hervor. Dieser Begriff lässt sich am besten mit „Nützlichkeit“ übersetzen.41 In den Quellen taucht er häufig als Kerntugend des hervorragenden Kriegers auf. Die Bedeutung von utilitas in einem solchen Kontext lässt sich wiederum anhand der Quellen erschließen. Gregor von Tours berichtet in seinen Historien, wie die bereits erwähnte Basina Childerich I. gegenüber erklärt habe, sie hätte ihn zum Ehemann erwählt, da sie niemanden kenne, der uteliorem („nützlicher“) sei.42 Die durch den Kontext gestützte Vermutung, hiermit wäre seine militärische Tüchtigkeit gemeint, wird ←42 | 43→durch eine Stelle in der Fredegar-Chronik bestätigt. Diese berichtet, wie der burgundische Hausmeier Bertoald den neustrischen Hausmeier Landerich, seinen Rivalen, für eine anstehende Schlacht dazu aufforderte: kleiden wir uns beide, ich und du, in rote Gewänder und treten vor unsere Heere; und schon beim ersten Zusammentreffen wird sich deine und meine utilitas erweisen.43 Diese Aussage lässt keinen Zweifel daran, dass mit utilitas solche Fähigkeiten gemeint sind, die für einen erfolgreichen Kampf erforderlich waren. Dieser Eindruck wird durch das Beispiel des Kaufmanns Samo bestätigt, der der gleichen Quelle zufolge zum König der Wenden erhoben worden sei, nachdem er in einer Schlacht seine herausragende utilitas unter Beweis gestellt habe.44

Der Sinngehalt dieses Begriffs und dessen Verwendung auch außerhalb solcher Schriftquellen belegt ein vermutlich aus dem 7. Jahrhundert stammendes Formular der Markulf-Sammlung. Hier wird die Inhaberschaft von utilitas als Voraussetzung für das Bekleiden der hohen Ämter des patricius, des dux und des comes genannt. Neben den richterlichen Aufgaben dieser drei Ämter stellte das Anführen von Heeren bezeichnenderweise die wohl wichtigste Funktion dar.45 Das eben angesprochene Formular belegt damit, dass der utilitas-Begriff und vor allem die dahinterstehende Konzeption kaum eine rein literarische Konstruktion der Quellenautoren darstellt haben kann, sondern vielmehr einer Auffassung entsprochen haben dürfte, die auch außerhalb dieses Kreises geläufig war.46

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Die hier diskutierten Wertvorstellungen waren für die weltliche Elite von größerer Bedeutung als für die übrigen Bevölkerungsteile. Auch wenn die Quellen in dieser Hinsicht viele Fragen offenlassen, so ist davon auszugehen, dass die herrschende Gesellschaftsschicht viel stärker in die Kriegsführung eingebunden war und sich ihre Mitglieder damit auch entsprechend intensiver anhand ihrer militärischen Funktionen identifizierten. Die Gleichsetzung kriegerischer Vortrefflichkeit mit utilitas, und die damit einhergehende Charakterisierung derselben als „nützlich“, unterstreichen den hohen gesellschaftlichen Stellenwert militärischer Eigenschaften und Fähigkeiten.

Die Prävalenz und Bedeutung der hier vorgestellten Konzeptionen in der merowingischen Gesellschaft wird durch die zeitgenössische Heiligendarstellung untermauert. Seit dem 6. Jahrhundert wird der Heilige, als miles Christi, in seinen Tugenden zunehmend dem weltlichen Krieger angeglichen. Hierzu wurden dem Heiligen die für den Krieger so wichtigen Eigenschaften wie virtus, virilitas oder utilitas zugesprochen, wobei die hinter diesen Begriffen stehenden Konzeptionen dem geistlichen Kontext entsprechend umgedeutet wurden. Der Heilige Lambert von Lüttich wird z. B. in der ihm gewidmeten Vita als fortissimus proeliator bezeichnet47 und die Vita des Audoin von Rouen berichtet, wie der Heilige viriliter gegen das Blutvergießen gekämpft habe.48 Dieses Einfließen militärischer Metaphern und Denkweisen in die christliche Heiligendarstellung, deren Protagonisten bis zum Ende der Merowingerzeit pazifistisch blieben,49 und die damit einhergehende Gleichsetzung von geistlichen und kriegerischen Kerntugenden belegen, dass die weltlichen Konzeptionen hinter den genannten Begriffen nicht nur für den Kreis der Quellenautoren von Bedeutung waren. Bestätigt wird dieser Eindruck durch den bereits erwähnten Ymnus des Frankenkönigs Chilperich, der den inneren Kampf des Heiligen mit dem äußeren Kampf des Kriegers vergleicht. Diese Darstellungsweise, welche die Leistungen und Verdienste des Heiligen, durch den Vergleich mit dem Krieger, dem eigenen Publikum plastisch vor Augen führte, zielte wohl darauf ab, die Figur des Heiligen auch für ein weniger gebildetes Publikum attraktiver zu gestalten. Zu dieser ←44 | 45→Gruppe haben unweigerlich auch solche Personen gehört, die im Laufe ihres Lebens militärisch aktiv waren. Diese hagiographische Umdeutung untermauert damit die Bedeutung und Anziehungskraft militärischer Kerneigenschaften aus Sicht der Zeitgenossen.

Fazit

Obwohl es für die Untersuchung kriegerischer Wertvorstellungen der Merowingerzeit an aussagekräftigen Zeugnissen aus Sicht der Betroffenen mangelt und die vorhandenen Quellen nur mittelbar Informationen liefern, lässt die Analyse einschlägiger Begriffe wichtige Schlüsse zu. Sie bezeugen nicht nur die Bedeutung körperlicher Aktivität und Integrität als zentrale Voraussetzung männlicher Wertschätzung und Ehrhaftigkeit, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Würdigung kriegerischer Eigenschaften und Fähigkeiten. Indem die Untersuchung des Begriffs honor Hinweise auf einen bisher kaum erfassten Wandel in der zeitgenössischen Wahrnehmung bietet, zeigt dieses Beispiel nicht nur, wie wichtig ein umsichtiger Umgang mit zentralen Begriffen dieser von Quellenmangel geprägten Zeit ist, sie belegt auch das Potential der hier angewandten methodischen Herangehensweise.

Die Befunde zeigen, dass im merowingischen Gallien männliche Identität eng an die Erwartung kriegerischer Fähigkeiten und Beteiligung geknüpft war. Die Bedeutung dieses Zusammenhangs dürfte im Laufe der ersten nachrömischen Jahrhunderte zugenommen haben, wie das Eindringen militärischer Wertvorstellungen in die merowingische Hagiographie nahelegt. Die hier nachgezeichnete Wertschätzung kriegerischer Eigenschaften im Mann, die auch eindrücklich aus der merowingischen utilitas-Konzeption hervorgeht, lässt sich historisch in einen Prozess zunehmender Militarisierung einordnen, der sich seit der Spätantike und bis in das hohe Mittelalter nachzeichnen lässt. Der hohe Stellenwert militärischer Funktionen sollte ein Grundcharakteristikum der mittelalterlichen Gesellschaft werden, in der sich nicht mehr die civilitas und die kriegerische militia als die zwei wichtigsten Pfeiler der Gesellschaft gegenüberstanden, sondern die Geistlichkeit und das Militär.

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1 Gregor von Tours: Libri Historiarum X, Buch 6, Kap. 31, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 1.1, Hannover 1937, S. 299–300: Igitur fidens in promissis eorum Chilpericus, commoto regni sui exercitum, Parisius venit. ubi cum resedisset, magnum dispendium rerum incolis intulit. Berulfus vero dux cum Toronicis, Pectavis Adecavisque atque Namneticis ad terminum Bitoricum venit. Desiderius vero et Bladastis cum omni exercitu provintiae sibi commissae ab alia parte Betoricum vallant, multum vastantes per quas venerunt regiones. Chilpericus vero iussit exercitum, qui ad eum accessit, per Parisius transire. Quo transeunte, et ipse transiit atque ad Mecledonensem castrum abiit, cuncta incendio tradens atque devastans. Übersetzung nach Rudolf Buchner, in: Gregor von Tours: Zehn Bücher Geschichten. Historiarum libri decem, Buch 6–10 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 2), Darmstadt 1990, S. 53.

2 Zum merowingischen Kriegswesen, siehe Guy Halsall: Warfare and society in the barbarian West, 450–900 (Warfare and History), London, New York 2003; Laury Sarti: The Military and its Role in Merovingian Society, in: Bonnie Effors, Isabel Moreira (Hg.): Oxford Handbook of the Merovingian World, Oxford, im Druck. In vieler Hinsicht überholt ist Bernard S. Bachrach: Merovingian Military Organization, 481–751, Minneapolis 1972.

Dieser Beitrag wurde im Rahmen des von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekts Militarisierung frühmittelalterlicher Gesellschaften. Erscheinungsformen, Regulierung und Wahrnehmung im westeuropäischen Vergleich verfasst. Frau Maria-Elena Kammerlander möchte ich an dieser Stelle sehr herzlich für das Korrekturlesen danken.

3 Laury Sarti: Perceiving war and the military in early Christian Gaul (ca. 400–700 A.D.) (Early Middle Ages Series 22), Leiden, Boston 2013. Die hier folgenden Darlegungen legen eine überarbeitete Fassung von Ergebnissen aus dieser Arbeit vor, insbesondere S. 90–102 und 249–288.

4 Es verwundert folglich wenig, dass sich auch die Forschung bisher vorwiegend auf die Verbreitung des Christentums und die Bedeutung von Klerus und Heiligen konzentriert hat. Das frühmittelalterliche Militärwesen ist erst in den vergangenen Jahren stärker in das Blickfeld der Forschung getreten, siehe z. B. Leif I. R. Petersen: Siege Warfare and Military Organization in the Successor States (400–800 AD). Byzantium, the West and Islam, Leiden 2013; Stefan Esders: Nordwestgallien um 500. Von der militarisierten spätrömischen Provinzgesellschaft zur erweiterten Militäradministration des merowingischen Königtums, in: Mischa Meier, Steffen Patzold (Hg.): Chlodwigs Welt. Organisation von Herrschaft um 500 (Roma aeterna 3), Stuttgart 2014, S. 339–361; Gregory I. Halfond (Hg.): The medieval way of war. Studies in medieval military history in honor of Bernard S. Bachrach, Ashgate 2015; Stefan Esders: Late Roman military law in the Bavarian Code. Droit militaire romain tardif dans le code de Bavière, in: Clio@Themis. Revue électronique d’histoire du droit 10 (2016), S. 1–24; Bernard S. und David S. Bacharach: Warfare in medieval Europe, c. 400-c. 1453, London 2017; Laury Sarti: Post-Roman military identities. The western successor states, in: Philip Rance (Hg.): Companion to military culture in Late Antiquity (Warfare in the ancient Mediterranean world), Leiden, New York, im Erscheinen.

5 Venantius Fortunatus: Opera poetica, hg. von Friedrich Leo, in: MGH Auct. ant. 4.1, Berlin 1881; Venantius Fortunatus: Opera pedestria, hg. von Bruno Krusch, in: MGH Auct. Ant. 4.2, Berlin 1885.

6 Darunter Pactus legis Salicae, hg. von Karl August Eckhardt, in: MGH LL nat. Germ. 4.1, Hannover 1962; Lex Salica, hg. von Karl August Eckhardt, in: MGH LL nat. Germ. 4.2, Hannover 1969; Lex Ribvaria, hg. von Franz Beyerle, in: MGH LL nat. Germ. 3.2, Hannover 1954, S. 185–268; Capitularia Regum Francorum, hg. von Alfred Boretius, in: MGH Capit. 2.1, Hannover 1883.

7 Epistolae Austrasicae 12, hg. von Wilhelm Gundlach, in: MGH Epp. 3.1, Berlin 1892, S. 110–153.

8 Über Dynamius von Provence und seine Schriften, siehe Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 6, Kap. 7; Buch 6, Kap. 11; Buch 9, Kap. 11; Fortunatus: Carmen (wie Anm. 5), Buch 6, Kap. 9; Buch 6, Kap. 10; Karin Selle-Hosbach: Prosopographie merowingischer Amtsträger in der Zeit von 511 bis 613, Bonn 1974, S. 80–82, Nr. 74; Dag Norberg: Dyname Patrice de Marseilles, in: The Journal of Medieval Latin 1,1 (1991), S. 46–51; Bruno Dumézil: Le patrice Dynamius et son réseau. Culture aristocratique et transformation des pouvoirs autour de Lérins dans la seconde moitié du VIe siècle, in: Yann Codou (Hg.): Lérins, une île sainte de l’Antiquité au Moyen Âge (Collection d’études médiévales de Nice 9), Turnhout 2009, S. 167–194. Er schrieb außerdem ein Gedicht, von dem nur der Vers Laeta sendes filomella fronde als Zitat in einer Grammatik überliefert ist, siehe Bruno Dumézil: Gogo et ses amis: écriture, échanges et ambitions dans un réseau aristocratique de la fin du VIe siècle, in: Revue historique 643 (2007), S. 553–593, hier S. 572, Anm. 116.

9 Vgl. z. B. die Briefe des Ruricius von Limoges, in denen kaum explizite Angaben über die zeitgenössischen Zustände und dgl. zu finden sind. Die Briefe wurden übersetzt von Ralph W. Mathisen: Ruricius of Limoges and friends. A collection of letters from Visigothic Gaul (Translated Texts for Historians 30), Liverpool 1999.

10 Epistolae Austrasicae (wie Anm. 7), 12, S. 127.

11 Ebd., 13. Ähnlich auch ebd. 17. Über Gogo, siehe Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 5, Kap. 46.

12 Siehe Epistolae Austrasicae (wie Anm. 7), 25, 26, 28, 29, 30, 31, 32, 34, 35, 36, 37, 39, 43, 44, 48.

13 Dynamius: Vita sancti Maximi episcopi Reiensis, hg. von Salvatore Gennaro (Centro di Studi sull’ Antico Cristianesimo), Catania 1966, 65–127; Dynamius: Vita sancti Marii, hg. von Jacques-Paul Migne, in: Patrologia Latina 80, Paris 1863, Zeilen 25–32.

14 Dynamius: Vita sancti Maximi (wie Anm. 13), Kap. 7–8.

15 So z. B. Dynamius: Vita sancti Maximi (wie Anm. 13), Kap. 13, Zeilen 312–335, S. 100–102: Sed ita eum parentes proprii pugnis pectora concisa tundentes ululatibus et fletibus obruebant, ut consurgere non valeret, quamlibet salutem pristinam recepisset. […] ad hospitium revertitur proprium, cui iam coeperat parari sepulcrum. Unde piissimi genitores arbitrandum est quale gaudium potuerint habere post luctum, dum hinc exsultabant de praesentia redivivi fabolis, inde quod ad integrum viveret vix credebant. […]. Nec mirum est qualiter spiritalis athleta, dum gregem humani generis defenderet, hostem eius ictu letifero perculisset; qui, quod expedire gladio manus armata consueverat, flatu operante supplebat, et forsitan ferientis ictum fallere potuit, quod obtutum pontificis non fefellit. Inflicta vero vulnera ita orationis medicamento et crucis sanavit auxilio, ut subito pariter et livorem abstergeret et dolorem; nec quod rapidis dentibus aviditas insana corruperat, apparebat.

16 Die heute vorliegende Fassung soll eine spätere Überarbeitung des merowingischen Textes darstellen, so Arnold H. M. Jones, John R. Martindale und John Morris: The Prosopography of the Later Roman Empire, A.D. 260–641, 3 Bde., Cambridge u.a. 1971–1992, hier Bd. 3: A.D. 527–641, Cambridge 1992, S. 430. Das thematische Grundgerüst und die darin auftauchenden Figuren dürften im Rahmen dieser Überarbeitung aber kaum verändert worden sein.

17 Dynamius: Vita sancti Marii (wie Anm. 13), Kap. 9, Zeile 29: Alio quoque tempore dum ad quosdam ecclesiae filios visitandos accederet, canis, quae catulos habebat, subito exiliens, capsellam eius scidit. Dum vero Dei famulus pro hac re vultum parumper inclinasset, duo lupi eius iniuriae ultores canem ipsam rapuerunt, et raptam suis pastibus destinantes ad silvam teste populo perduxerant. Ein Interesse für Tiere und Körperlichkeit geht auch aus Dynamius: Vita sancti Marii (wie Anm. 13), Kap. 8 hervor, in dem dargelegt wird, wie ein Hund starb, nachdem er gesegnetes Brot verspeist hatte, sowie aus Kap. 5, das vom Wiederfinden eines gestohlenen Pferdes berichtet.

18 Ymnus in solemnitate sancti Medardi episcopi, in: Udo Kindermann: König Chilperich als lateinischer Dichter, in: Sacris erudiri. A journal on the Inheritance of Early and Medieval Christianity 41 (2002), S. 247–272 [= mit der neusten und korrigierten Edition des Textes], hier S. 257–258. Siehe auch Nog Norberg: La poesie latine rythmique du haut moyen âge (Studia latina Holmiensia 2), Stockholm 1954, S. 31–40.

19 Kindermann: König Chilperich (wie Anm. 18), S. 257: Félix mìlitàe deuóta súmsit cíngolà, culmèn,/ óbtinuìt athléta cástris bráuiùm in séculà. Übersetzung ebd., S. 264.

20 Siehe Sarti: Perceiving War (wie Anm. 3), S. 315–358.

21 Kindermann: König Chilperich (wie Anm. 18), S. 252.

22 Ähnlich stellt auch Dumézil: Gogo et ses amis (wie Anm. 8), S. 571, in Bezug auf die Gruppe um den bereits erwähnten Gogo fest, zu der auch Dynamius gehörte: “Il y a chez ces hommes une étonnante fascination pour la beauté du corps”.

23 E.g. Merobaudes: Panegyricon 1, Fragment IB, Zeilen 17–19, hg. von Frank M. Clover, in: Flavius Merobaudes. A Translation and Historical Commentary (Transactions of the American Philosophical Society 61,1), Philadelphia 1971, S. 63: nec sola/ illa de v<iris fortibus praedicanda sunt quae pu-/ blica fa<ma denuntiat; Gregor von Tours: Historiae (wie Anm.1), Buch 4, Kap. 29, S. 161: Sigiberthus cum exercitu dirigit, habens secum magnam multitudinem virorum fortium. Ebd., Buch 9, Kap. 36, S. 457: Tunc viri fortiores, qui erant in urbe Sessionica sive Meldensi, venerunt ad eum. Fortunatus: Carmen (wie Anm. 5), Buch 9, Kap. 1, S. 202: Chilperice potens: si interpres barbarus extet,/ ‘audiutor fortis’ hoc quoque nomen habes. Fredegarchronik Buch 2, Kap. 53, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 2, Hannover 1888, S. 1–193, hier S. 74: cum nimia multitudinem et fortissimus Gothorum pugnatores advenit. Ebd., Buch 2, Kap. 57, S. 80: Quem cum cognovisset fortissimum esse in bellum. Ebd., Buch 2, Kap. 62, S. 86: Ibi viri fortissimi et multi legionis militum a Wandalis saepe fuerant trucidati. Ebd., Buch 4, Kap. 38, S. 139: Caesa sunt exercitus eodem prilio nimia multitudo virorum fortium. Ebd., Buch 4, Kap. 74, S. 158: electis viris fortis de Neuster et Burgundia. Liber Historiae Francorum Kap. 4, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 2, Hannover 1888, S. 215–328, hier S. 244: ceciditque ibi Priamus eorum fortissimus. Ebd., Kap. 42, S. 314: Fuitque ipse Dagobertus rex fortissimus, enutritor Francorum. Im frühen 8. Jahrhundert finden sich erste Hinweise auf ein merkliches Eindringen verwandter Wertvorstellungen in die Welt der Heiligen: Vita Landiberti 14, hg. von Bruno Krusch, Wilhelm Levison, in: MGH SS rer. Merov. 6, Hannover, Leipzig 1913, S. 353–384, hier S. 367: sacerdus illico Landibertus, discaliciatis pedibus, fortissimus proeliatir.

24 Fredegarchronik (wie Anm. 23), Buch 3, Kap. 12, S. 97: Haec interpretationem habent: Nascitur nobis filius fortitudinem leonis signum et instar tenens; filii viro eius leupardis et unicornis fortitudine signum tenent. Deinde generantur ex illis qui ursis et lupis fortitudinem et voracitatem eorum similabunt. Tercio que vidisti ad descessum columpna regni huius erunt, que regnaverint ad instar canibus et minoribus bisteis; eorum consimilis erit fortitudo. Siehe auch ebd. Buch 2, Kap. 5, S. 46: electum a se regi Francione nomen, per quem Franci vocatur. In postremum, eo quod fortissimus ipse Francio in bellum fuisse fertur, et multo tempore cum plurimis gentibus pugnam gerens.

25 Laury Sarti: Die Identität des Kämpfenden nach dem Zusammenbruch des römischen Militärwesens in Gallien, in: Archiv für Kulturgeschichte 95,2 (2013), S. 309–332.

26 Fortunatus: Carmen (wie Anm. 5), Buch 7, Kap. 16, Zeilen 46–52, S. 171–172: quae fuerit virtus, tristis Saxonia cantat:/ laus est arma truci non timuisse seni./ pro patriae votis et magno regis amore/ quo duo natorum funera cara iacent./ nec graviter doleas cecidisse viriliter ambos,/ nam pro laude mori vivere semper erit. Siehe auch Epistolae aevi Merowingici collectae 11, hg. von Wilhelm Gundlach, in: MGH Epp. 3, Berlin 1892, S. 434–468, hier S. 451: Quam fortiter et viriliter, si viri fuissetis, pugnature eratis contra inimicos vestros, ne corpus percuteretur, tam constanter et viriliter pugnate contra diabolum. Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 6, Kap. 41, S. 313: repugnarent viriliter, ne his pars adversa nocerit. Ebd., Buch 8, Kap. 5, S. 374: Denique nec nos pro viris habere debemur, si eius necem ulciscere non valemus hoc anno. Ebd., Buch 8, Kap. 29, S. 392: Armate viriletate animus et considerate saepius fortes vires in bello conruere, unde nunc parentes eorum nobilis effecti opibus inmensis. Ebd., Buch 10, Kap. 4, S. 487: ‘Praefectus urbi illius collectis duobus aut tribus hominum milibus inruit super nos, interimque socios meos; in quo excidio et ego ipse interieram, si me viriliter defendere nequivissim’; Passiones Leudegarii prima Kap. 11, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 5, Hannover, Leipzig 1910, S. 282–322, hier S. 293–294: quia viriliter se fuerat defensare conatus, permittente Domino, a multitudine fuit oppressus.

27 Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 9, Kap. 19, S. 433: Nisi ulsiscar interitum parentum meorum, amittere nomen viri debeo et mulier infirma vocare. Übersetzung nach Buchner (wie Anm. 1), S. 257.

28 Siehe Wolfgang Haubrichs: Ehre und Konflikt. Zur intersubjektiven Konstitution der adligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner, Ingrid Kasten, Frank Shaw (Hg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters, Tübingen 1996, S. 35–58, hier S. 35; Nira Gradowicz-Pancer: Femmes royales et violences anti-episcopales à l’époque mérovingienne: Frédégonde et le meurtre de l’évêque Prétextat, in: Natalie Fryde, Dirk Reitz (Hg.): Bischofsmord im Mittelalter. Murder of Bishops (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 191), Göttingen 2003, S. 37–50, hier S. 48. Vgl. Gerd Althoff: Compositio. Wiederherstellung verletzter Ehre im Rahmen gütlicher Konfliktbeendigung, in: Klaus Schreiner, Gerd Schwerhoff (Hg.): Verletzte Ehre. Ehrkonflikte in Gesellschaften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Köln 1995, S. 63–76, hier S. 64.

29 Siehe, z. B. die Bedeutung von honor in Cicero, Verrem Buch 2, Kap. 4.64 [142], hg. von Gerhard Krüger, in: Cicero. Reden gegen Verres V. Zweite Rede gegen C. Verres. Viertes Buch, Stuttgart 1998, S. 148: Mos est Syracusis ut, si qua de re ad senatum referant, dicat sententiam qui velit; nominatim nemo rogatur, et tamen, ut quisque aetate et honore antecedit ita primus solet sua sponte dicere, itaque a ceteris ei conceditur. Salvianus von Marseille: De Gubernatione Dei Buch 6, Kap. 10, hg. von Karl Wotke, in: Salviani presbyteri Massiliensis opera quae supersunt (CSEL 8.1), Wien 1883, S. 76: Si enim inlustrem ac praepotentem virum nequaquam exhonorari a quoquam licet et, si quisquam exhonoraverit, decretis legalibus reus sistitur et inuriarum auctore iure damnatur, quanto utique maioris piaculi crimen est iniuriosum quempiam deo esse.

30 E.g. Fortunatus: Carmen (wie Anm. 5), Buch 7, Kap. 16, Zeilen 11, 17, 35, S. 171: Nam si praefertur generis qui servat honorem. […] Theudericus ovans ornavit honore tribunum. […] mutati reges, vos non mutastis honores. Fredegarchronik (wie Anm. 23), Buch 3, Kap. 58, S. 109: illi hoc honorem respuens. Passio Praeiecti episcopi et martyris Arverni Kap. 23, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 5, Hannover 1910, S. 225–248, hier S. 239: His ita transactis, erat quidam infamis vir Hector nomine, qui aput Massiliam patriciatus honore adeptus fuerat.

31 E.g. Epistolae Austrasicae (wie Anm. 7), 22, S. 134: Salute Iohannem, beati praecursoris de honore nominis coruscantem, rectorem domus ecclesiae singularem. Ebd., 26, S. 139: Quapropter tranquillissime pietatis vestrae debito tanti culminis honore salutis officia reverentissime persolventes. Fortunatus: Carmen (wie Anm. 5), Buch 7, Kap. 16, Zeile 46, S. 171: vitaque quam senior, tam tibi crevit honor. Gregor von Tours: De passione et virtutibus sancti Iuliani Martyris, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 1.2, Berlin 1885, ND 1969, Kap. 50, S. 134: in honore sancti martyris. Fortunatus: Carmen (wie Anm. 5), Buch 7, Kap. 21, Zeilen 13–14, S. 174: qui mihi festivae diei duplicastis honorem,/ sic vester crescat munere regis honor. Fortunatus: Vita sancti Medardi (wie Anm. 5), Kap. 35, S. 73: cui est honor et gloria, laus et imperium per cuncta saecula saeculorum.

32 Vita Eligii episcopi Noviomagensis, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 4, Hannover, Leipzig 1902, S. 663742, Buch 1, Kap. 3, S. 671: tradidit eum inbuendum honorabili viro Abbone vocabulo, fabro aurifice probatissimo.

33 Zur jüngeren Forschungsdebatte, siehe Clemens M. Bayer: Vita Eligii, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 35 (2007), S. 461–524; Walter Berschin: Der heilige Goldschmied. Die Eligiusvita – ein merowingisches Original?, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 118,1–2 (2010), S. 1–7; Laury Sarti: The digression on Pope Martin I in the Life of Eligius of Noyon. A testimony to late seventh-century knowledge exchange between East and West?, in: Stefan Esders, Yaniv Fox, Yitzhak Hen, Laury Sarti (Hg.): The Merovingian Kingdoms and the Mediterranean in the Early Middle Ages, Cambridge, im Erscheinen.

34 Carlin A. Barton: Roman Honor. The Fire in the Bones, Berkeley 2001, insbesondere S. 90, 123–124. Siehe auch Nira Gradowicz-Pancer: ‚L’honneur oblige‘. Esquisse d’une cartographie des conduites et des stratégies de l’honneur aux Ve et VIe siècles, in: Revue belge de philology et d’histoire 74,2 (1996), S. 273–293, hier 277–278, 285; Isidor von Sevilla: Etymologiae Buch 18, Kap. 15.3, in: Isidori Hispalensis Episcopi. Etymologiarum sive originum libri XX, hg. von W. M. Lindsay (Scriptorum Classicorum. Bibliotheca Oxoniensis), London 1911, S. 89: Negotium multa significat: modo actum rei alicuius, cui contrarium est otium; modo actionem causae, quod est iurgium litis. Et dictum negotium quasi nec otium, id est sine otio.

35 Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 5, Kap. 32, S. 237. Übersetzung nach Buchner (wie Anm. 1), S. 339. Siehe hierzu auch Haubrichs: Ehre und Konflikt (wie Anm. 28), S. 51.

36 Übersetzung nach Buchner (wie Anm. 1), S. 139. Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 2, Kap. 42, S. 92: ‚Cur, inquid, ‘humiliasti genus nostrum, ut te vincere permitteris. Melius enim tibi fuerat mori’.

37 Für weitere Beispiele, siehe Sarti: Perceiving War (wie Anm. 3), S. 284–286.

38 Fredegarchronik (wie Anm. 23), Buch 4, Kap. 38. Ähnliches ist für den Königssohn Chlodwig belegt, Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 5, Kap. 39.

39 Ebd., Buch 5, Kap. 17. Vergleichbare Verstümmelungen sind auch erwähnt in: Ebd., Buch 5, Kap. 25; Buch 7, Kap. 20; Buch 7, Kap. 38; Buch 7, Kap. 46; Buch 7, Kap. 47; Buch 8, Kap. 26; Buch 8, Kap. 29; Buch 9, Kap. 9; Buch 9, Kap. 38; Fredegarchronik (wie Anm. 23), Buch 4, Kap. 28.

40 Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 6, Kap. 35, S. 306: sed non fuit minur morti humilitas subsecuta. Nam inpositus plaustro, ad Burdigalensim urbem, in qua ortus fuerat, ablata omni facultate, transmittitur.

41 Siehe z. B. Gregor von Tours: Historiae (wie Anm. 1), Buch 2, Kap. 27, S. 72: ‚Nullus tam inculta ut tu detulit arma; nam neque tobi hasta neque gladius neque securis est utiles‘.

42 Gregor von Tours: Historiae (wie Anm 1), Buch 2, Kap. 12, S. 62: Qui cum sollicite interrogaret, qua de causa ad eum de tanta regione venisset, respondisse fertur: ‚Novi‘, inquid, ‚utelitatem tuam, quod sis valde strinuus, ideoque veni, ut habitum tecum. Nam noveris, si in transmarinis partibus aliquem cognovissem uteliorem tibi, expetissem utique cohabitationem eius‘.

43 Fredegarchronik (wie Anm. 23), Buch 4, Kap. 25, S. 130–131: Dum facere non audes, proximum temporis domini nostri pro ea que facetis iungent ad prilio.Induamur uterque, ego et tum vestibus vermiclis, precedamus chetheris; ubi congressus erit certamenis, ibique tua et mea utilitas adparebit; promittentes ante Deum ab invicem, promissionis huius veritatem subsistere’. Übersetzung von Herbert Haupt in: Quellen zur Geschichte des 7. und 8. Jahrhunderts. Die vier Bücher der Chroniken des sogenannten Fredegar, die Fortsetzungen, das Buch von der Geschichte der Franken, Jonas erstes Buch vom Leben Columbans (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 4a), Darmstadt 1982, S. 181. Ähnlich Fredegarchronik (wie Anm. 23), Buch 4, Kap. 74, Buch 4, Kap. 75.

44 Fredegarchronik (wie Anm. 23), Buch 4, Kap. 48.

45 Marculfi formularum Libri duo Buch 1, Kap. 8, hg. von Alf Uddholm (Collectio scriptorumveterum Upsaliensis 13), Uppsala 1962. Siehe hierzu auch Laury Sarti: Eine Militärelite im merowingischen Gallien? Versuch einer Eingrenzung, Zuordnung und Definition, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 124,2 (2016), S. 271–295, hier 280–284.

46 Nicht auszuschließen ist, dass es ein dem utilitas-Begriff vergleichbares fränkisches oder vulgar-lateinisches Äquivalent gegeben hat, das nicht in den Quellen überliefert ist.

47 Vita Landiberti (wie Anm. 23), Kap. 14, S. 353–384, hier S. 367: Sed, hoc audito nuntio, vellocissime surgens, tunc sacerdus illico Landibertus, discalciatis pedibus, fortissimus proeliator, continuo adprehenso gladio in manibus suis, ut contra hostes suos pugnaturus accederet; et Christus, quem semper in auxilium sibi postolaverat, non longe ab illo erat.

48 Vita Audoini Episcopi Rotomagensis Kap. 15, hg. von Bruno Krusch, in: MGH SS rer. Merov. 5, Hannover, Leipzig 1910, S. 553–567, hier S. 564: pacem populo semper procurabat et, humanus sanguis ne effunderetur, viriliter desudabat.

49 Sarti: Perceiving War (wie Anm. 3), S. 330–357.