Show Less
Restricted access

Innovative Finanzierungsformen im Licht des Aufsichtsrechts

Eine rechtliche Analyse der Mikrofinanzierung und des Crowdlending als Finanzierungsformen für KKMU-Unternehmen und Existenzgründung in Deutschland

Series:

Fernando Ortega

Das Spannungsfeld zwischen bestehenden Regelungsstrukturen und der Entstehung innovativer Finanzierungsformen gibt Anlass, sich mit der Bedeutung der finanzmarktaufsichtsrechtlichen Ziele im Hinblick auf die praktische Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in der Kreditwirtschaft auseinanderzusetzen. Der Autor befasst sich mit der Frage, ob die Etablierung der Mikrofinanzierung und der Online-Kreditvermittlungsplattformen, auch Crowdlending genannt, als innovative Finanzierungsformen die Schutzzwecke der Finanzmarktaufsicht beeinträchtigten. Dabei erfasst er insbesondere die Genehmigungspflicht nach § 32 KWG. Nach einer Würdigung des jeweiligen Vertragsverhältnisses und unter Berücksichtigung einer am Zweck der Rege-lungen orientierten Auslegung kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass das Crowdlending im Gegensatz zur Mikrofinanzierung bei der Fremdkapitalver-gabe im KKMU- sowie im Existenzgründungssektor die Schutzgüter der Finanz-marktaufsicht nicht berührt.
Show Summary Details
Restricted access

4. Kapitel: Innovative Finanzierungsformen im Lichte der Schutzgüter der Finanzmarktaufsicht

Extract



Als innovative Finanzierungsformen haben sich binnen weniger Jahren sowohl die Mikrofinanzierung als auch das sog. „unechte“ Crowdlending in Deutschland etabliert. Besonders relevant ist diese Entwicklung in Hinblick auf Existenzgründer sowie KKMU zu analysieren, da es dabei um eine mögliche Kreditfunktionsstörung bei dem Existenzgründungsbereich und KKMU-Wirtschaftssektor geht, die im Rahmen der finanzaufsichtsrechtlichen Schutzzwecke verstanden werden kann. Die Identifizierung dieser Schutzgüter ist daher im Licht der dargelegten Geschäftsmodelle zu betrachten.

A. Allgemeine Ziele der Finanzmarktaufsicht167

In Deutschland bedürfen Finanzmärkte nach dem gesetzgeberischen Willen der möglichst lückenlosen Überwachung durch eine leistungsfähige hoheitliche Aufsicht,168 wodurch allgemein das Entstehen von Schäden im Kreditwesen und von Verlusten der Institutsgläubiger zu verhindern ist und diese vorwiegend gefahrenabwehrend zu wirken hat.169

Grundsätzlich ist die Bankenaufsicht in Deutschland als eine Sonderform der Gewerbeaufsicht zu sehen,170 mit dem besonderen Attribut bei ihrer rechtssystematischen Betrachtung, dass die Aufgreifschwelle in Gestalt des Missstands besteht, die sich im konkreten Fall der Bankenaufsicht in § 6 Abs. 2 KWG in der Gestaltungsform einer Generalklausel findet.171 Von Bedeutung ist der Begriff ←65 | 66→des „Missstandes“ für die hier darzulegende Argumentation vor allem in Bezug auf seine teleologische Auslegung, da es in enger Wechselwirkung mit den jeweiligen Gegenständen der Aufsichtsziele steht. So sind unter einem Missstand auch erhebliche oder anhaltende Verhaltensweisen der beaufsichtigten Unternehmen oder Personen zu sehen, die sich nachteilig auf die Schutzgüter des KWG auswirken.172

Damit...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.